Der Gesundheitsbereich gerät infolge der demografischen Entwicklungen bei gleichzeitigen Fachkräfteengpässen unter Druck. Die BWP schaut mit dieser Ausgabe auf ein höchst dynamisches Berufsfeld und geht zum einen der Frage nach, wie Fachkräfte in den Gesundheitsberufen gewonnen und qualifiziert werden können. Dabei richtet sich der Blick sowohl auf die zu vermittelnden medizinisch-fachlichen als auch sozial-kommunikativen Kompetenzen, die für eine interprofessionelle Zusammenarbeit immer wichtiger werden. Zum anderen geht es um die Frage, wie dieses Berufsfeld strukturell aufgestellt ist, um den künftigen Herausforderungen gewachsen zu sein: Wie können Tätigkeits- und Entwicklungsperspektiven profiliert werden, damit die Attraktivität des Berufsfelds steigt und mehr Fachkräfte gewonnen werden können und dort bleiben?
Das Gesundheitswesen in Deutschland kränkelt. Zumindest steht es vor großen Herausforderungen. Infolge der demografischen Entwicklungen steigt der Versorgungsbedarf der Bevölkerung und die Koordination der unterschiedlichen Versorgungsbereiche wird immer komplexer. Gleichzeitig klagt die Branche über einen wachsenden Personalmangel. Wie kann vor diesem Hintergrund eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung der Bevölkerung gewährleistet werden? Welche Baustellen im Gesundheitswesen müssen in Angriff genommen werden, welche Rolle spielt dabei die digitale Transformation und wie muss das Fachpersonal in den Gesundheitsberufen qualifiziert werden? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt Dr. Katja Vonhoff in diesem Interview.
Das deutsche Gesundheitswesen befindet sich insbesondere durch demografische Entwicklungen, Fachkräftemangel, wirtschaftliche sowie technologische Veränderungen im Wandel und steht vor großen Herausforderungen. Davon betroffen ist eine Vielzahl nichtakademischer Gesundheitsberufe. Welche sind das und auf welchen Wegen der beruflichen Bildung werden sie ausgebildet? Der Beitrag gibt einen Überblick über die heterogene Ausbildungslandschaft im Gesundheitswesen und umreißt einige bereits angestoßene Reformen.
Mit der Einführung einer bundeseinheitlichen Pflegefachassistenzausbildung entsteht ein neuer, generalistischer Assistenzberuf in der Pflege. Dadurch ist eine Neukalibrierung der Aufgaben in Pflegeteams und des damit verbundenen Qualifikationsmix erforderlich. Außerdem ergeben sich u. a. durch gesetzliche Regelungen zur Durchlässigkeit neue Entwicklungsperspektiven sowohl für Pflegehilfspersonen ohne Ausbildung als auch für die Pflegefachassistenz. Der Beitrag analysiert konzeptionell daraus resultierende Chancen für die Berufsangehörigen und die pflegerische Versorgung.
Wolfgang von Gahlen-Hoops; Jutta Busch; Katharina H. Tolksdorf
Trotz erster ordnungspolitischer Vorgaben hat sich das interprofessionelle Lehren und Lernen in der Ausbildung in den Gesundheitsberufen noch nicht flächendeckend in Deutschland durchgesetzt. Im Projekt interEdu wurde ein Rahmencurriculum zur Förderung von Kompetenzen für die interprofessionelle Zusammenarbeit in der Pflegeausbildung entwickelt und praktisch erprobt. Hintergründe und erste Erfahrungen werden im Beitrag vorgestellt.
Patrizia Salzmann; Andrea Carla Volpe; Maria-Luisa Schmitz
Die Kommunikation zwischen ärztlichem und pflegendem Personal in Spitälern findet zunehmend digital statt. Informations- und Kommunikationstechnologien wie klinische Informationssysteme sollen beide Berufsgruppen in einer effizienteren Arbeitsweise sowie einer verbesserten Kommunikation unterstützen. Gleichzeitig ist ihre Nutzung anforderungsreich und kann im Arbeitsalltag zu zusätzlicher Belastung und Stress führen. Sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch Pflegefachpersonen benötigen daher digitale Kompetenzen, um die Kontinuität der Patientenversorgung sicherzustellen und Behandlungsfehler zu vermeiden. Der Beitrag analysiert beobachtete Situationen digitaler interprofessioneller Kommunikation in Schweizer Spitälern und zeigt zentrale Kompetenzanforderungen und technologiebedingte Belastungen aus der Perspektive der Pflege.
Seit über 20 Jahren wächst die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage an Pflegepersonal in der Schweiz. Vor dem Hintergrund der Coronapandemie wurde eine Initiative zur Sicherstellung der pflegerischen Versorgung von der Bevölkerung angenommen. Im Beitrag werden die Hintergründe der Initiative und Eindrücke aus dem ersten Umsetzungsjahr geschildert.
Marie Wagner; Birgit Schneider; Martyna Biedrzycka- Schmidberger
Die überbetriebliche Ausbildung erfüllt eine zentrale Aufgabe bei der Ausbildung des Fachpersonals. Durch die Digitalisierung und Vernetzung von Prozessen im Gesundheitshandwerk rücken neue Kompetenzen in den Vordergrund. Der Beitrag zeigt auf, welche Ausbildungskonzepte hierfür in der ÜBA entwickelt werden. Es werden Einblicke in vier Projekte gegeben, die im Programm INex-ÜBA gefördert werden.
Zwischenmenschliche Interaktionen im Arbeitsalltag von Medizinischen Fachangestellten stellen häufig hohe sozial-emotionale Anforderungen an sie. Um Überforderung und Belastungen vorzubeugen, sollten bereits Auszubildende einen guten Umgang mit diesen Anforderungen lernen. Im Beitrag wird anhand einer Befragung von Auszubildenden untersucht, inwiefern Ausbildungsbetriebe den zwischenmenschlichen Umgang, gute Kommunikation und den Umgang mit Emotionen im Team thematisieren und inwiefern dies mit der Ausbildungszufriedenheit zusammenhängt.
Pflegefachpersonen übernehmen ein breites Spektrum beruflicher Aufgaben, das über die direkte pflegerische Versorgung von Patientinnen und Patienten hinausreicht. So arbeiten sie ebenso in Tätigkeitsfeldern, in denen sie prüfen, beraten, organisieren oder begutachten. Vor diesem Hintergrund geht der Beitrag der Frage nach, inwiefern Auszubildende diese Tätigkeitsfelder überhaupt als potenzielle pflegeberufliche Handlungsfelder wahrnehmen.
Die Ausbildung für Zahnmedizinische Fachangestellte wurde im Jahr 2022 umfassend reformiert. Ziele der Modernisierung war neben Anpassungen an aktuelle Anforderungen im Berufsbild eine praxisnahe Gestaltung der Prüfung. Die Zahnärztekammer Nordrhein setzte sich daher das Ziel, den praktischen Prüfungsteil nicht mehr in Berufskollegs, sondern direkt in Zahnarztpraxen durchzuführen. Im Beitrag werden die damit verbundenen Herausforderungen und erste Erfahrungen beschrieben.
Infolge der demografischen Entwicklung in Deutschland wird mit einem steigenden Bedarf an Gesundheits- und Pflegeleistungen gerechnet. Das Poster zeigt die bisherigen sowie die ab 2024 voraussichtlichen Entwicklungen des Arbeitskräfteangebots nach Erwerbspersonen und der Arbeitskräftenachfrage nach Erwerbstätigen in den Gesundheitsberufen, wenn sich die bisher beobachtbaren Trends und Verhaltensweisen fortsetzen.
Binnen kurzer Zeit hat Künstliche Intelligenz (KI) Einzug in den Alltag gehalten und ist auch in Schule und Unterricht nicht mehr wegzudenken. Für die Bildungspraxis stellt sich daher nicht mehr die Frage, ob, sondern wie KI im Unterricht eingesetzt werden soll. Der Beitrag zeigt am Beispiel der Technikerschule Stadthagen, wie sich die Potenziale generativer KI in Verbindung mit einer veränderten Lernkultur gewinnbringend nutzen lassen.
Das System der dualen Berufsausbildung nach BBiG/HwO ist darauf angewiesen, dass Beschäftigte in Betrieben Ausbildungsaufgaben übernehmen. Doch wie kommen die betreffenden Beschäftigten dazu? Erste Antworten auf diese bislang wenig beleuchtete Frage werden über eine an die Erwerbstätigenbefragung (ETB) 2024 anknüpfende Befragung von ausbildend tätigen Beschäftigten gesucht.
Durch jährliche Rankings erhalten nach Berufsbildungsgesetz und Handwerksordnung geregelte Ausbildungsberufe mit den meisten Neuabschlüssen viel öffentliche Aufmerksamkeit. Demgegenüber finden Berufe mit sehr wenigen Auszubildenden deutlich weniger Beachtung. Auf Grundlage einer Datenauswertung beleuchtet der Beitrag das Phänomen „Kleinstberufe“ und geht den Fragen nach, wie diese Ausbildungsberufe im deutschen Ausbildungssystem statistisch einzuordnen sind und welche Berufe dieser Gruppe angehören. Vor diesem Hintergrund werden ihre Bedeutung und Ansatzpunkte für den perspektivischen Umgang mit Kleinstberufen thematisiert.
Die Entscheidung für eine Ausbildung in diesem Beruf legt den Grundstein für vielfältige Karrierewege bis hin zum Steuerberaterexamen. Neben Zahlenverständnis und Gewissenhaftigkeit ist die Affinität zu digitalen Arbeitsweisen zunehmend wichtig. Der Steckbrief beschreibt die Aufgaben, nennt Zahlen zur Ausbildung und stellt fest, dass Steuerfachangestellte häufig sehr zufrieden mit ihrer Ausbildung sind.
Die letzte Sitzung des Hauptausschusses im Jahr wurde unter dem Vorsitz von Ina Mausolf, Beauftragte der Länder, durchgeführt. Im Mittelpunkt der Beratungen standen die aktuelle Situation am Ausbildungsstellenmarkt, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Programmen und der Programmarbeit des BIBB, die neue Hauptausschussempfehlung zu Teilqualifikationen sowie eine Orientierungsmarke zur Einführung neuer Ausbildungsregelungen nach § 66 BBiG beziehungsweise § 42r HwO.