Angesichts des gesellschaftlichen und technologischen Wandels kommt Weiterbildung eine große Bedeutung zu. Als erfreulich werden gestiegene Teilnahmequoten in den vergangenen Jahren gesehen. Wird aber auch mehr Zeit für Weiterbildung aufgewandt? Anhand einiger Indikatoren wird im Beitrag nachgezeichnet, wie sich Lernzeiten und -formate verändert haben. Diese Entwicklungen werden vor dem Hintergrund des Bedarfs an hochwertigen Weiterbildungen mit ihren möglichen Konsequenzen perspektivisch erörtert.
Im Editorial hebt BIBB-Forschungsdirektor Prof. Dr. Reinhold Weiß hervor, dass das Thema Work-Life-Balance inzwischen in vielen Unternehmen zum festen Bestandteil der Personalpolitik geworden ist. Gleichzeitig sieht er die Notwendigkeit, dabei auch Zeiten für das Lernen mit zu berücksichtigen und weist auf die flexible Nutzung von Lernzeitkonten hin.
Die Umsetzung des lebensbegleitenden Lernens ist eng mit der Etablierung einer kompatiblen Systemarchitektur des Bildungswesens verknüpft. Sie ist Voraussetzung zur Beantwortung der Frage, wie sich künftig Lern- und Erwerbszeiten im Verlauf einer Erwerbsbiografie verteilen. Damit eröffnet sich jedoch ein breites Spektrum ungelöster Probleme, die auf institutionell-organisatorischer, lernorganisatorischer, finanzieller, rechtlicher, curricularer wie auch didaktisch-methodischer Ebene angesiedelt sind. Infolge der noch unvollkommenen Gesamtsystemstrukturen wurde für die betriebliche Weiterbildung mit dem Konzept der betrieblichen Lernzeitkonten ein Lösungsansatz entwickelt, der einen Beitrag zur Verteilungsfrage von Lern- und Arbeitszeiten darstellt. Das Thema ist in den letzten Jahren etwas in den Hintergrund getreten, dennoch bleibt es aktuell. Ziel des Beitrags ist es, den Diskussionsstand zu skizzieren, die konzeptionelle Ausrichtung zu betrachten und Perspektiven aufzuzeigen.
Lernen im Arbeitsprozess ist eine zentrale Qualifizierungsform in der dualen Berufsbildung und eng mit dem Leitbild beruflicher Handlungsfähigkeit verbunden. Die Beiträge in dieser BWP-Ausgabe gehen der Frage nach, wie Arbeitsprozesse lern- und kompetenzförderlich gestaltet werden können und beleuchten hierzu neben organisationsbezogenen auch didaktische Fragestellungen. Zudem zeigen sie auf, in welcher Form arbeitsplatznahe Lernformen in der Aus- und Weiterbildung genutzt werden können und auch tatsächlich genutzt werden. Im Editorial hebt BIBB-Präsident Manfred Kremer die hohe Wirksamkeit der Verknüpfung von Lernformen und -orten hervor und plädiert, dafür die Vielfalt an Kombinationen von praktischem und theoretischem Lernen stärker zu nutzen. Weitere Beiträge im Heft beschäftigen sich mit Modellen betrieblicher Lernzeitkonten und dem Vertrauen älterer Beschäftigter in die eigene Weiterbildungsfähigkeit. Zu den diesjährigen Hochschultagen Berufliche Bildung gibt Prof. Dr. Thomas Bals im Interview einen Einblick in das Programm.
Um die Weiterbildungsbeteiligung zu erhöhen hat die Bundesregierung die Qualifizierungsinitiative "Aufstieg durch Bildung" gestartet. Anreize für mehr Weiterbildung sollen vier zentrale Handlungsfelder schaffen: Finanzierung, Lernzeitkonten, Durchlässigkeit und Bildungsberatung. Professor Dr. Reinhold Weiß, Forschungsdirektor des BIBB, fasst die zentralen Ergebnisse des Innovationskreises Weiterbildung zusammen und betont die Notwendigkeit, die beschlossenen Maßnahmen in die Praxis umzusetzen.
Der Autor plädiert im Zusammenhang mit dem lebenslangen Lernen für die Entwicklung eines eigenständigen Bildungs- und Berufsbildungssystems, das auch die Hochschulen auf der institutionellen Seite einschliesst. Das Aus- und Weiterbildungssystem müsse zu einem eigenständigen, gleichwertigen und integrierten Bildungssystem fortentwickelt werden. Kern dieser Empfehlungen für die Gestaltung des Gesamtsystems Lebenslangen Lernens sind Grundsätze, die vor allem folgenden Zielen verpflichtet sind: (1) Verteilung von Lernzeiten über das gesamte aktive Ausbildungs-, Berufs- und Arbeitsleben, (2) Modularisierung des gesamten Bildungsangebots und des Qualifikationserwerbs, (3) Pluralität und Vernetzung aller Lernorte einschliesslich der berufsbildenden Schulen, der Anbieter sonstiger Ausbildungsleistungen sowie lebenslanger Lernmöglichkeiten, (4) Dualität als Prinzip des Arbeitens und Lernens im Berufskonzept, (5) Berücksichtigung der wachsenden Bedeutung und die Anerkennung von informell erworbenen Kompetenzen, (6) Verbindung mit dem Fachhochschulbereich und den Universitäten.
Lebenslanges Lernen umfasst nicht nur Weiterbildung, es muss von Kindheit an erlernt werden. Die PISA-Studie zeigt indessen, dass die jungen Menschen in Deutschland ungenügend auf das Lernen vorbereitet sind. Der Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Dr. Uwe Thomas wurde befragt, was von der Politik getan werden kann, den Start ins lebenslange Lernen zu verbessern. Im Mittelpunkt standen bildungspolitische Massnahmen zur verstärkten frühen und individuellen Förderung und zur Finanzierung des lebenslangen Lernens. Hervorgehoben wird die wachsende Bedeutung des Lernens am Arbeitsplatz bei gleichzeitiger qualifizierter Ausbildung, wie sie die duale Berufsausbildung bietet. Weitere Fragen bezogen sich auf die Qualitätssicherung in der Weiterbildung, Lernzeiten in der Weiterbildung, die Zertifizierung der im Ausland erworbenen Qualifikationen und das Marketing deutscher Bildungsdienstleistungen.
Im Rahmen personalorientierter Unternehmensentwicklung geraten Lernzeiten zunehmend in den Fokus betrieblicher Strategien. In zahlreichen Unternehmen werden neue Arbeitszeitmodelle erprobt und Lernzeitkonzepte verwirklicht. In der Diskussion um eine Neuverteilung von Erwerbs- und Lernzeiten kommt dem Weiterbildungsbereich eine zentrale Rolle zu, weil im lebenslangen Lernen ein Wechsel zwischen Arbeiten und Lernen von Anfang an angelegt ist. In dem Beitrag werden erste Ergebnisse eines Verbundprojektes "Zeitpolitik und Lernchancen" für die Gestaltung und Entwicklung betrieblicher Lernchancen vorgestellt. Das Projekt untersucht, inwieweit die Zeitformen sich differenzieren und flexibilisieren, so dass neue Konsensfelder von "Timesharing" und "Finanzsplitting" entstehen.
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