Seit 2005 ermöglicht das Berufsbildungsgesetz, Zusatzqualifikationen in Ausbildungsordnungen vorzusehen. Mit diesen sogenannten kodifizierten Zusatzqualifikationen können Betriebe über die in der Ausbildungsordnung festgelegten Mindeststandards hinausgehende Spezialisierungen vermitteln. Bisher wurden in 27 Ausbildungsberufen entsprechende Zusatzqualifikationen verordnet, die im Beitrag anhand ausgewählter Merkmale im Überblick dargestellt werden. Sie folgen zwei unterschiedlichen Modellen. Erkenntnisse über die Nutzung von kodifizierten Zusatzqualifikationen deuten auf eine geringe Verbreitung und Nutzung hin.
Seit Mitte der 1990er-Jahre ist die Medienwirtschaft durch zunehmende Digitalisierung und Vernetzung der Produktion geprägt. Die dadurch entstandene Vielfalt von Produktionswegen, Ausgabekanälen und Produkten führte zu einer deutlichen Zunahme von Ausbildungsinhalten, die im Rahmen von monostrukturierten Berufsbildern nicht mehr abzubilden sind. Mit dem Modell der Wahlqualifikationen wurde ein Strukturmodell entwickelt, das diese Veränderungen abbilden und gleichzeitig unterschiedliche Spezialisierungsprofile schaffen kann. Bei der Neuordnung des Ausbildungsberufs Mediengestalter/-in Digital und Print im Jahr 1998 wurden erstmals Wahlqualifikationen als Flexibilisierungsinstrument eingesetzt. Im Beitrag werden die Entwicklung des Ausbildungsberufs bis heute beschrieben und Vorzüge und Herausforderungen beim Einsatz von Wahlqualifikationen aufgezeigt.
Mit einer flexibleren Struktur und neuen Inhalten ermöglicht der novellierte Beruf Mediengestalter/-in Bild und Ton Unternehmen im Bereich der audiovisuellen Medien eine passgenauere Ausbildung, die insbesondere die neuen Entwicklungen im Bereich digitaler Medien (Online und Social Media) und vernetzter Produktion berücksichtigt. Einen deutlich höheren Stellenwert erhalten auch die Themen Gestaltung von Bild- und Tonprodukten, Contenterstellung und Medienrecht. Im Beitrag werden die wichtigsten Neuerungen vorgestellt.
Zum 1. Juli 2014 ist die novellierte »Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Fortbildungsabschluss Geprüfte/-r Industriemeister/-in – Fachrichtung Kunststoff und Kautschuk« in Kraft getreten. Anlass für die Neuordnung waren technische Entwicklungen und die zunehmende Spezialisierung der Unternehmen sowie die erforderliche Anpassung an aktuelle Standards für Fortbildungsregelungen. Gleichzeitig wurde eine Differenzierung vorgenommen, die sich am zugrunde liegenden Ausbildungsberuf orientiert. Im Beitrag werden die wesentlichen Neuerungen erläutert.
Über 50 kaufmännische Ausbildungsberufe bilden die zunehmende Bedeutung kaufmännischer Tätigkeiten auf dem Arbeitsmarkt ab. Die Überlegung, wie in diesem Bereich Ausbildungsberufe in Berufsgruppen zusammengeführt werden können, steht und fällt mit dem Grad der Affinität der zusammenzuführenden Berufe. Hierzu kann ein Blick in die Historie der Entwicklung kaufmännischer Berufe hilfreich sein. Da ein hohes Maß an Differenzierung für ein geringes Maß an Affinität spricht, wird in diesem Beitrag nachgezeichnet, nach welchen Kriterien die Differenzierung des kaufmännischen Bereichs erfolgte. Vor diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung früherer Versuche zur Zusammenführung von kaufmännischen Ausbildungsberufen werden abschließend Schlussfolgerungen und Anregungen für die aktuelle Diskussion gegeben.
Die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften stellt vor dem Hintergrund demografischer Veränderungen und einer fortschreitenden fachlichen Spezialisierung hohe Anforderungen an ein leistungsfähiges Aus- und Fortbildungssystem. Die BWP-Ausgabe greift Strukturfragen und -modelle auf, die bei der Weiterentwicklung von Berufsbildern und der Gestaltung beruflicher Qualifizierungswege diskutiert und umgesetzt werden. Dazu gehören u. a. Informationen zur Entwicklung der beruflichen Qualifikationsstruktur, die Bündelung von Berufen in Berufsgruppen, flexible und kompetenzorientierte Berufsbilder, eine stärkere Outcome-Orientierung sowie die verbesserte Anschlussfähigkeit und Durchlässigkeit beruflicher Bildungsgänge. Hierzu beziehen einleitend auch Vertreter/-innen aus Politik, Wissenschaft und Praxis Stellung.
BIBB-Präsident Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser hebt im Editorial zum Heft das hohe internationale Ansehen der dualen Berufsausbildung hervor. Dies sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass alle an der beruflichen Bildung beteiligten Akteure weitere notwendige Verbesserungen – gerade bei der Umsetzung struktureller Herausforderungen – im Blick behalten müssen.
Weitere Beiträge im Heft befassen sich mit der Ausbildungsreife als Thema der öffentlichen Berichterstattung, dem neuen BMBF-Förderprogramm ANKOM II, sowie mit den Konsequenzen des DQR für die Ordnungsarbeit.
Im Beitrag wird, ausgehend von einer Definition von Fachsprache, diskutiert, welche Rolle Fachsprache und fachsprachliche Kompetenz für die Fachidentität spielen. Befördert durch eine zunehmende Spezialisierung und Ausdifferenzierung von Fächern und Berufen, gerät eine sprachlich konstituierte Fachidentität in interfachlichen oder fachexternen Zusammenhängen nicht selten in Konflikt mit den Erwartungen von Laien in Bezug auf eine verständliche Vermittlung von Expertenwissen. Der Beitrag betont vor diesem Hintergrund die Bedeutung einer Verständigungskompetenz von Expertinnen und Experten und legt abschließend dar, was unter einer "fachlichen Sprachkultiviertheit" im gesellschaftlichen Kontext verstanden werden könnte.
Der fundamentale ökonomische Wandel der vergangenen Jahrzehnte hat zu grundsätzlichen Veränderungen im Wechselverhältnis von räumlicher Mobilität und Qualifikation geführt. Im Beitrag werden dessen Bedingungen, Formen und Folgen skizziert. Die großen Massenwanderungen des 19. und 20. Jahrhunderts waren gekennzeichnet durch die Bewegung von Menschen mit geringen Qualifikationen, die als 'billige' und 'willige' Arbeitskräfte standortgebundene natürliche Ressourcen erschlossen und nutzten. Auch wenn sich beobachten lässt, dass Migration nicht selten mitdem Erwerb von Qualifikationen verbunden war, blieb der Wissenstransfer durch die Bewegung von Spezialisten im Umfang gegenüber den Massenwanderungen unqualifizierter Arbeitskräfte marginal. Seit dem Zweiten Weltkrieg aber ist angesichts des beschleunigten wirtschaftlichen Strukturwandels sowie der zunehmenden Professionalisierung und Spezialisierung in den verschiedensten Erwerbsbereichen die Bedeutung des Erwerbs von Qualifikationen erheblich gestiegen.
Viele kleine und mittlere Betriebe mit einem hohen Spezialisierungsgrad stehen vor dem Problem, nicht den vollen Umfang der Ausbildungsinhalte abdecken zu können, verfügen aber in den neuen Technologien oder im Dienstleistungsbereich häufig über ein hohes Qualifikationspotenzial. Deshalb ist es sinnvoll, sie durch geeignete Fördermassnahmen für die Schaffung von Ausbildungsplätzen in einem Ausbildungsverbund zu gewinnen. Im Rahmen eines BIBB-Forschungsprojekts sind Verbundbetriebe und - koordinatoren befragt worden nach den Anlässen für eine Verbundgründung, den Einflussfaktoren für eine gute Zusammenarbeit im Verbund und den Vor- und Nachteilen der Verbundausbildung. Die Befunde belegen die hohe Wertschätzung für die Verbundausbildung bei den Akteuren und dass in der Förderpraxis wie im laufenden Verbundbetrieb nur wenige Probleme auftreten. Ihr Anteil an Ausbildungsplätzen ist insgesamt mit bundesweit rund 2 Prozent jedoch sehr gering; hier besteht nach wie vor ein grosses Potenzial an hochwertigen betrieblichen Ausbildungsplätzen, dessen Erschliessung noch nicht ausgeschöpft ist.
Der aktualisierte Ausbildungsberuf Reiseverkehrskaufmann wird künftig ein Ausbildungsberuf mit Spezialisierungen in Form von Fachrichtungen sein. Innerhalb der Fachrichtungen (Touristik, Kuren und Fremdenverkehr) wurde mit der Differenzierung der Einsatzgebiete eine weitere Möglichkeit der Flexiblisierung geschaffen, um auf die betrieblichen Anforderungen der Tourismusbranche zu reagieren. Vorgestellt werden das neue Strukturmodell, das Prüfungskonzept und Möglichkeiten der Weiterqualifizierung.
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