Alle zwei Jahre erstellt das Research Centre for Education and the Labour Market (ROA) der Universität Maastricht mittelfristige Arbeitsmarktprognosen für 21 Branchen und über 100 Berufsgruppen und Ausbildungstypen. Diese Prognosen werden zusammen mit Indikatoren zur aktuellen Arbeitsmarktsituation in einer Online-Datenbank – dem Arbeitsmarktinformationssystem (AIS) – veröffentlicht. Im Beitrag werden die Grundlagen der Arbeitsmarktprognosen und die Inhalte des AIS vorgestellt. Auch wenn das AIS zahlreiche Daten und Prognosen enthält, die für Arbeitgeber, politische Entscheidungsträger und für die Arbeitsvermittlung von Nutzen sind, legt der Beitrag den Schwerpunkt auf die Bedeutung des AIS zur Unterstützung der Ausbildungsentscheidung junger Menschen.
Im Zuge der demografischen Entwicklung und des Trends zum Abitur wird es für die Betriebe schwieriger, Bewerber/-innen für ihre Ausbildungsplätze zu finden. Doch ist dies womöglich nicht ihr einziges Problem. Denn die ausbildungsinteressierten Jugendlichen – deutlich geringer an der Zahl, aber viel häufiger mit höheren Schulabschlüssen ausgestattet – könnten versucht sein, ihre gestärkte Marktposition zu nutzen und ihre Ansprüche an die Betriebe zu steigern. Auf Basis der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2016 wird im Beitrag untersucht, was sich die Ausbildungsstellenbewerber/-innen von den Betrieben wünschen und wie stark ihre Wünsche von der Ausbildungsmarktlage und ihren Zugangschancen beeinflusst werden.
Im Rahmen einer Interviewstudie im Kanton Solothurn wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse Determinanten von Berufsbildungsentscheidungen untersucht. Die Ergebnisse führen zu einem Phasenmodell, das Strategien und Kontextmerkmale zur Berufswahl aufzeigt. Insbesondere wird mit Beispielen das Konzept der gebundenen Rationalität illustriert und gezeigt, wie sich Jugendliche durch Ratschläge von glaubwürdigen Vertrauenspersonen sowie durch positive Gefühle in beruflichen Tätigkeiten in ihrem Entscheidungsprozess leiten lassen. Eine effektive Unterstützung der Berufsvorbereitung sollte daher nicht nur die Vermittlung von sachlichen Informationen enthalten, sondern auch die Ermutigung zu einem beruflichen Explorationsprozess, der Erfahrungen im Berufsfeld, Bezugspersonen und Gefühle einschließt.
Trotz der relativ hohen Anzahl vorzeitig aufgelöster Lehrverträge gab es bisher in der Schweiz kaum Untersuchungen über die Hintergründe und Ursachen von Lehrvertragsauflösungen und deren Folgen. Befragungen bei betroffenen Lehrlingen in drei Deutschschweizer Kantonen im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit, des kantonalen Amtes für Berufsbildung des Kantons Zürich und des Amtes für Bildungsforschung des Kantons Bern erfassen die berufliche Entwicklung nach der Vertragslösung, die unmittelbaren Gründe für den Ausbildungsabbruch und die Beratungsinstitutionen und -personen, die vor und nach der Vertragsauflösung konsultiert wurden. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Lehrstellenwahl, d.h. besonders gefährdet sind Jugendliche, die aufgrund der Lehrstellenknappheit Lehrverträge mangels Alternative abgeschlossen haben. Um Vertragsauflösungen entgegenzuwirken, muss sichergestellt werden, dass Betriebe ihren Lehrlingen eine geeignete Unterstützung und Förderung zukommen lassen. Auch Ausbilder spielen bei Vertragsauflösungen eine Schlüsselrolle. Zugleich sind das Betriebsklima sowie Konflikte mit dem Meister bzw. Ausbilder die häufigsten Auflösungsgründe.
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