Deutschland zeichnet sich im internationalen Vergleich durch eine geringe Jugendarbeitslosigkeit aus. Dies wird häufig auf die praxisnahe (duale) Ausbildung zurückgeführt. Doch wie gelingt jungen Menschen der Einstieg in den Arbeitsmarkt und somit die Integration ins Erwerbsleben? Auf der Basis von Mikrozensusdaten wird im Beitrag ihre berufliche Integration etwa zwei Jahre nach erfolgreichem Berufs- bzw. Hochschulabschluss analysiert.
Ein anerkannter Fortbildungsabschluss wird in der Regel nach einer Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung abgelegt und ebnet insbesondere Personen ohne Hochschulzugangsberechtigung den Weg in höhere berufliche Positionen. Solche traditionellen Aufstiegspositionen scheinen jedoch angesichts von Veränderungen auf der Unternehmensebene und der zunehmenden Konkurrenz durch Erwerbstätige mit Hochschulabschluss an Bedeutung zu verlieren. Anhand des Mikrozensus und den BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragungen werden Entwicklungen für die vergangenen 30 Jahre nachgezeichnet.
Ein großer Teil der nach Deutschland zugewanderten Erwerbspersonen hat bereits im Herkunftsland einen beruflich qualifizierenden Abschluss erworben. Das Anerkennungsgesetz soll es ihnen nun erleichtern, die Gleichwertigkeit dieser Abschlüsse mit den deutschen Abschlüssen feststellen zu lassen. Damit sollen ihre Chancen auf eine qualifikationsadäquate Beschäftigung verbessert werden und gleichzeitig vorhandenes Fachkräftepotenzial mobilisiert werden. Im Beitrag wird anhand von Mikrozensusdaten gezeigt, dass zugewanderte Fachkräfte insbesondere in Bezug auf Fachkräfteengpässe ein erhebliches Potenzial für den deutschen Arbeitsmarkt darstellen. Allerdings wird auch deutlich, dass die Trennung zwischen bundesrechtlich und landesrechtlich geregelten Abschlüssen dazu führt, dass ein Teil des Fachkräftepotenzials derzeit noch nicht erreicht wird.
Ein reibungsloser Übergang von der beruflichen Ausbildung in die Erwerbstätigkeit ist eine grundlegende Voraussetzung zur Realisierung erfolgreicher Berufsverläufe. Dieser Übergang an der 'zweiten Schwelle' verläuft jedoch nicht für alle Absolventinnen und Absolventen einer dualen Ausbildung gleichermaßen positiv. Eine Analyse von Mikrozensusdaten zeigt, dass er je nach Schulabschluss und Ausbildungsfeld variiert.
In Frankreich wird aufgrund der aktuellen Probleme im Bildungs- und Beschäftigungssystem inzwischen von der so genannten "génération précaire" gesprochen. Zeichnen sich für Deutschland ähnlich ungünstige Entwicklungen für Jugendliche und junge Erwachsene ab? Jeder zehnte Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren in Deutschland ist inzwischen ohne Ausbildung - Änderung nicht in Sicht. Zudem verschärfen sich die Probleme beim Übergang in Beschäftigung. Besonders betroffen sind Jugendliche mit Migrationshintergrund. Ausbildungslosigkeit unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist zu einem Strukturbestandteil des Bildungssystems geworden. Alternative Konzepte, die mehr Jugendlichen eine berufliche Ausbildung ermöglichen, sind dringend gefragt. Der Autor liefert aktuelle und differenzierte Hintergrundinformationen zu diesem wichtigen Thema auf der Grundlage einer Auswertung des Mikrozensus.
Im OECD-Bericht "Education at a Glance" (Bildung auf einen Blick) von 2004 weisen - basierend auf dem Mikrozensus 2002 - Erwerbspersonen mit dualer Berufsausbildung in allen Altersgruppe höhere Erwerbslosenraten auf als Erwerbspersonen mit einem Berufsfachschulabschluss (je nach Altersgruppe +2 Prozent bzw. +3 Prozent) Wie sind diese Unterschiede zu erklären? Sind sie auf die unterschiedlichen Ausbildungssysteme zurückzuführen, oder werden Personen verglichen, die sich systematisch in arbeitsmarktrelevanten Merkmalen unterscheiden? Mit der vereinfachten Zulassung von Berufsfachschulabsolventen zur Kammerprüfung sind nach dem neuen Berufsbildungsgesetz diese Fragen von besonderem Interesse. Auf Basis des Mikrozensus 2003 wird in dem Beitrag aufgezeigt, wie sich Absolventen der unterschiedlichen Systeme (duales System, Berufsfachschulen) hinsichtlich ihrer Erwerbschancen unterscheiden, wenn vergleichbare Bedingungen geschaffen werden. Die Analysen geben keine Hinweise darauf, dass es systematische Unterschiede im Erwerbslosigkeitsrisiko zwischen Absolventen einer dualen Berufsausbildung und vollqualifizierender BFS gibt, die auf die spezifische Form der Ausbildung (Schule vs. Betrieb) zurückzuführen sind. Auf den ersten Blick vermeintlich erkennbare Unterschiede beruhen auf Selektivitätseffekten: unterschiedliche Bildungsniveaus und unterschiedliche Berufsbereiche sowie Ost/West-Unterschiede, die das Arbeitsmarktrisiko maßgeblich beeinflussen.
Die Situation ausländischer Jugendlicher in der Berufsbildung hat sich in den letzten Jahren deutlich entspannt - das war das erstaunliche Ergebnis einer Sonderauswertung des Mikrozensus 1998. Dieses Ergebnis stand in einem gravierenden Gegensatz zu Resultaten einer BIBB/EMNID-Befragung aus demselben Jahr, in der überdurchschnittlich hohe Anteile Jugendlicher ohne Berufsabschluss ermittelt wurden. Während das BIBB zu einem Ungelerntenanteil von knapp 33 Prozent unter den Ausländern im Alter zwischen 20 und 29 Jahren kommt, liegen die Ergebnisse des Mikrozensus bei rund 21 Prozent. Eine erneute Überprüfung des Mikrozensus kommt nun zu vergleichbaren Grössenordnungen.
Um Veränderungen beim Facharbeiteraufstieg darzustellen, hat H. Althoff in einem Beitrag dieser Zeitschrift Daten des Mikrozensus ausgewertet und dabei festgestellt, dass die wachsende Zahl der Hochschulabsolventen keinen nachteiligen Einfluss auf die Aufstiegschancen von Facharbeitern hat. Die Autorin kritisiert die unvollständige Nutzung der Mikrozensusdaten und stellt die Verwendbarkeit der Daten und Methoden in Frage.
Erörtert werden die zentralen Behauptungen der Anmerkungen von B. Reubens in einem Beitrag dieses Zeitschriftenheftes, in dem sie die unvollständige Nutzung der Mikrozensusdaten kritisiert und die Verwendbarkeit der Daten und Methoden in Frage stellt. Der Autor weist auf die unterschiedlichen Ansätze und Ziele bei der Bewertung des Zahlenmaterials hin, die zwangsläufig zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.
Der Mikrozensus erlaubt es, mittels der Merkmale "Stellung im Betrieb" und "berufsbildender Abschluss" dem Einfluss eines steigenden beruflichen Bildungsniveaus auf den Facharbeiteraufstieg nachzugehen. Für den Zeitraum 1982 bis 1993 lassen sich keine negativen Veränderungen der Aufstiegschancen feststellen, weder bei den betrieblich Ausgebildeten noch bei den Hochschulabsolventen. Welche Mechanismen das verhindern und welche individuellen und gesellschaftlichen Konsequenzen der absolute Zuwachs an Statuspositionen hat, wird im einzelnen erläutert. Dabei wird auch der Frage nachgegangen, warum die Berufszufriedenheit trotz unverändertem Status abnimmt.
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