Die Digitalisierung macht auch vor dem historisch gewachsenen und traditionsbewussten Handwerk nicht halt. Seit den letzten Neuordnungen der handwerklichen Elektroberufe gab es in der Berufspraxis einschneidende Veränderungen. Für die Sozialpartner war dies Anlass, im Jahr 2019 ein Neuordnungsverfahren anzustoßen. Der Beitrag präsentiert zunächst anhand der mit den Sachverständigen diskutierten Perspektiven den stattfindenden Wandel in der Berufsgruppe. Vor diesem Hintergrund werden im zweiten Teil die wichtigsten Änderungen der neugeordneten Berufe vorgestellt.
In der Digitalisierungsdebatte liegt der Fokus oft auf dem technologischen Fortschritt und seiner Diffusion in betriebliche Prozesse. Weniger Beachtung finden die Bestrebungen der Betriebe, benötigte Kompetenzen zu vermitteln. In diesem Beitrag wird mithilfe des BIBB-Qualifizierungspanels der Zusammenhang zwischen betrieblicher Kompetenzförderung und Technologienutzung untersucht.
Der Beitrag stellt den Stand der Forschung und Erkenntnisse zu Weiterbildung in Migrantenunternehmen auf Grundlage einer Unternehmensbefragung aus dem Jahr 2013 vor. Anhand von Betriebsgrößenklassen, Wirtschaftszweigen und der Bildung der Inhaber/-innen werden die Unterschiede in der Weiterbildungsteilhabe zwischen Migranten- und Nicht-Migrantenbetrieben dargestellt. Auf Basis der Ergebnisse ist zu vermuten, dass neben betriebsstrukturellen Einflüssen auch weitere migrationsbedingte Einflüsse als Ursachen für die niedrigere Weiterbildungsteilhabe in Migrantenbetrieben in Betracht gezogen werden müssen. Hierzu werden mögliche Ansätze für weitere Untersuchungen vorgeschlagen.
In der maßgeblich über die Beruflichkeit geordneten bundesdeutschen Arbeitswelt stellt die Wahl eines Ausbildungsberufs eine zentrale berufsbiografische Weichenstellung dar, die in vielfacher Hinsicht erforscht ist. Demgegenüber wird die Frage, welche Gründe bei den Ausbildungsplatzsuchenden für oder gegen bestimmte Ausbildungsbetriebe sprechen, weitgehend vernachlässigt. Dieser Frage widmet sich dieser Beitrag. Auf Grundlage empirischer Erhebungen in der West- und Vorderpfalz, darunter eine quantitative Befragung von über 4 000 Auszubildenden, wurde u. a. ermittelt, wie bedeutsam die Betriebsgröße aus Sicht der Jugendlichen für die Attraktivität als Ausbildungsunternehmen ist. Die Ergebnisse geben Aufschluss über Einstellungsdimensionen der Jugendlichen und ihre Relevanz im Prozess der Ausbildungsplatzsuche. Vor diesem Hintergrund werden abschließend mögliche Aktionsfelder für das Ausbildungsmarketing kleiner und mittlerer Unternehmen benannt.
Schon heute zeichnet sich in bestimmten Regionen und Branchen ein Mangel an Fachkräften ab, der sich – bedingt durch demografische Entwicklungen – künftig noch verschärfen könnte. Die Artikel dieser Ausgabe stellen Analysen und Prognosen zum Qualifikations- und Fachkräftebedarf auf nationaler und internationaler Ebene vor. Zudem zeigen Sie Perspektiven auf, wie durch eine bedarfsorientierte Fachkräftequalifizierung in Unternehmen sowie durch Initiativen der Bildungs- und Beschäftigungspolitik einem drohenden Fachkräftemangel entgegengewirkt werden kann. Dass die Fachkräftesicherung eine originäre Aufgabe der Berufsbildung ist, betont der neue BIBB-Präsident Professor Dr. Friedrich Hubert Esser in seinem Editorial und benennt vier Aufgaben, die ganz oben auf der bildungspolitischen Agenda stehen. Weitere Beiträge in dieser Ausgabe befassen sich mit dem Einfluss der Betriebsgröße bei der Ausbildungsplatzsuche und den Finanzierungsgrundlagen der beruflichen Weiterbildung.
In jungen, überwiegend unternehmensbezogenen Dienstleistungsbranchen konnte sich die duale Berufsausbildung anfangs nur zögerlich entwickeln. Die Qualifizierung der Beschäftigten erfolgte hauptsächlich am Arbeitsplatz; unzureichend auch aus Sicht der Betriebe. Das BIBB- Forschungsprojekt "Ausbildungsmöglichkeiten in wachsenden Dienstleistungsbereichen" soll dazu beitragen, die duale Berufsausbildung dort zu stärken, wo zukunftssichere Arbeitsplätze zu erwarten sind. Dabei galt es u.a. zu ermitteln, wie sich die jungen Unternehmen an der Berufsausbildung beteiligten. Im Mittelpunkt der Analyse stand eine Bestandsaufnahme der Ausbildungsbeteiligung in Abhängigkeit von den Unternehmensstrukturen (Dienstleistungsbereich, Betriebsgröße, Unternehmensgründung). Die Ergebnisse der Studie zeigen eine hohe Ausbildungsbeteiligung in den befragten Betrieben, wobei die höchsten Anteile im IuK-Handwerk festgestellt wurden.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (www.bibb.de) hat ein Forschungsprojekt zur "Evaluation der Büroberufe" durchgeführt, dessen Ergebnisse und Überlegungen zur Neuordnung nun vorliegen. Die Evaluation der Ausbildungsordnungen zeigt, ob und wie die Intentionen der Neuordnung vor zehn Jahren in der betrieblichen und schulischen Ausbildung sowie in den Prüfungen umgesetzt werden. Dabei wird auch geklärt, wie Qualifikationen verwertet werden und wieweit die Ausbildungsordnungen anforderungsgerecht gestaltet sind. Der Beitrag gibt einen Überblick über die Forschungsergebnisse und daraus abzuleitende Schlussfolgerungen für eine weitere Neuordnung der Büroberufe. Ergebnis der Evaluation ist, dass die Büroberufe als Querschnittsberufe in allen Wirtschaftszweigen und in der öffentlichen Verwaltung unabhängig von der Betriebsgröße akzeptiert sind. Im Unterschied zu der bisher eher binnenorientierten Ausrichtung der Büroberufe auf die Schwerpunkte Rechungs- und Personalwesen werden diese Berufe sich zukünftig stärker an den Bereichen Kundenorientierung, Projekt- und Qualitätsmanagement orientieren unter der Berücksichtigung neuer Einsatzgebiete, insbesondere E- Government, Call Center, Kundendienst und Sachbearbeitungsaufgaben in öffentlichen Verwaltungen.
Der Beitrag zeigt die Ausbildungsleistung der west- und ostdeutschen Betriebe im Jahre 1997 anhand einer repräsentativen Betriebsbefragung, dem IAB-Betriebspanel, auf. Dabei wird zunächst untersucht, wieviel Betriebe überhaupt die gesetzlichen Voraussetzungen zur Berufsausbildung erfüllen und wieviel Betriebe dann auch tatsächlich ausbilden. Auf die Gründe für die Nichtausbildung wird eingegangen. Abschließend liefern die Ausbildungserwartungen der Betriebe für die kommenden zwei Jahre Anhaltspunkte für das zukünftige betriebliche Ausbildungsverhalten.
Das produzierende Handwerk hat sich in den vergangenen Jahren zu einem dienstleistungsorientierten Wirtschaftszweig entwickelt. In dem Beitrag werden Ergebnisse einer erstmalig durchgeführten empirischen Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung zu Dienstleistungen im produzierenden Handwerk als Grundlage für die Entwicklung von Dienstleistungsqualifikationen vorgestellt. Das Hauptziel der Untersuchung bestand darin zu erfahren, welche Schlussfolgerungen für die Aus- und Weiterbildung zu ziehen sind. Soll der Umgang mit Kunden schon in der Erstausbildung vermittelt und die Lernziele in der Ausbildungsordnung festgeschrieben werden bzw. sollen Meister, Gesellen und das Fachpersonal gezielt weitergebildet werden? Erfasst wurde die Dienstleistungsintensität nach Beschäftigtengrößenklassen und nach Berufen. Es wurde festgestellt, dass die Dienstleistungsintensität betriebsgrößen-, berufs-, erfolgs-, alters- und weiterbildungsabhängig ist. Neun von zehn Betrieben halten die Vermittlung von Dienstleistungskompetenzen in der Berufsausbildung für wünschenswert.
In dem Beitrag wird die Angebotsentwicklung auf dem Lehrstellenmarkt im Zehnjahreszeitraum von 1985 bis 1995 analysiert. Als zentrales Ergebnis wird festgehalten, "dass der Anteil der Ausbildungsbetriebe an der Gesamtzahl aller Betriebe im Beobachtungszeitraum von einem Drittel auf knapp ein Viertel gesunken ist. Gleichzeitig ist auch der Anteil der Auszubildenden an den Beschäftigten von knapp neun auf etwas mehr als fünf Prozent zurückgegangen. Parallel dazu hat sich die betriebliche Ausbildung von einer kleinbetrieblichen hin zu einer mehr großbetrieblich orientierten Ausbildung entwickelt." Während im gewerblichen Sektor die zurückgehende Ausbildungsbereitschaft durch die rückläufigen Beschäftigtenzahlen erklärbar ist, hat der Dienstleistungssektor trotz beträchtlicher Beschäftigungszuwächse in den letzten Jahren sein Ausbildungsengagement vermindert. Die Analyse zeigt insgesamt, dass entgegen der weitverbreiteten Auffassung zwischen Beschäftigungssystem und dem System der betrieblichen Ausbildung keine linearen Interdependenzbeziehungen bestehen.
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