Der Verfasser skizziert mit Hilfe sozialwissenschaftlicher Erklärungsmodelle Unterricht als Komplex von Handlungsprozessen zwischen Schülern und Lehrern (Auszubildenden und Ausbildern). Aus dem Blickwinkel der Sozialisationstheorie wird das Ziel von Bildungsprozessen darin gesehen, sowohl auf kognitiver als auch auf affektiver und psychomotorischer Ebene Qualifikationen für erfolgreiches, dabei durchaus kritisches und reflexives Rollenhandeln zu vermitteln. Der Rahmen des Artikels erlaubt darüber hinaus allerdings keine Analyse der gesamten unterrichtlichen Handlungspraxis, von der aus die Möglichkeit gegeben wäre, Bildungstechnologie hinsichtlich ihrer Sozialisationsbedingungen und -Wirkungen vollständig einzuschätzen.
Im Beitrag werden Theorien behandelt, die Maßnahmen zur Berufsorientierung begründen können. Im ersten Schritt werden grobe Zielkategorien von Berufsorientierung erläutert. Dies erfolgt eingegrenzt auf Maßnahmen zum ersten Übergang in eine berufliche Ausbildung oder ein Studium. Im zweiten Schritt werden etablierte Theorien zur Berufswahl hinsichtlich zentraler Kernannahmen und Perspektiven vorgestellt und diese exemplarisch auf Maßnahmen bezogen. Abschließend folgen Hinweise, die bei der Konzeption von Maßnahmen bedacht werden sollten, um die Ziele zu erreichen.
Nachhaltigkeit ist die zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts – den Umfang und die Notwendigkeit einer globalen Transformation zeigen nicht zuletzt die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen an. Ein solcher Wandel bedarf umfassender Lernprozesse in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sowie bei Individuen. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zielt darauf ab, Menschen dazu zu befähigen, eine nachhaltige Zukunft gemeinsam zu gestalten. Im Beitrag wird basierend auf den Ergebnissen des nationalen BNE-Monitorings eine Einführung zur Genese, dem Entwicklungsstand und zu möglichen zukünftigen Pfaden der Beruflichen BNE (BBNE) gegeben. Deutlich wird, dass eine Transformation des Bildungsbereichs im Sinne des neuen UNESCO-Programms BNE 2030 eines kritischen und systemischen Blicks auf die zukünftige Rolle der beruflichen Bildung bedarf.
Die Verschränkung von Theorie und Praxis ist ein zentrales Merkmal des beruflichen Lernens, das an unterschiedlichen Lernorten stattfindet. Nicht zuletzt infolge der Digitalisierung verändert sich dieses Zusammenspiel. Welche Chancen aber auch Herausforderungen sind damit in didaktischer und institutioneller Hinsicht verbunden? Prof. Dr. Matthias Rohs betrachtet Lernorte der Berufsbildung nicht nur von seinem Lehrstuhl für Erwachsenenbildung in Kaiserslautern aus wissenschaftlicher Perspektive. Aus zahlreichen Entwicklungs- und Beratungsprojekten und nicht zuletzt vor dem Hintergrund seiner früheren Erfahrungen als Personalentwickler bei der Deutschen Telekom sind ihm auch Umsetzungsfragen zu diesem Thema vertraut.
Die Lernortkooperation ist als markantes Merkmal in § 2 BBiG festgeschrieben. Die dadurch ermöglichte Theorie-Praxis-Verschränkung gilt als Gütezeichen des deutschen Berufsbildungssystems. Im Tagesgeschäft bleibt sie aber oft ungenutzt oder stößt sogar auf Ablehnung. Zur Bewältigung des digitalen Wandels in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) birgt dieses Modell aber ganz neue Potenziale, wenn man die Kooperation erweitert denkt. Der Beitrag beleuchtet am Beispiel des JOBSTARTER plus-Projekts "KungFu – Kunststoff goes Future", wie eine erweiterte Lernortkooperation zur Unterstützung von KMU im Digitalisierungsprozess gestaltet werden kann.
Mit dem Besuch von Auszubildenden in Schulen, die über ihre Berufe berichten, etabliert sich in Deutschland ein weiteres Instrument der Berufsorientierung. Der Beitrag stellt das Konzept vor und erläutert mit Hilfe der Impression-Management- und Self-to-Prototype-Matching-Theorie seine besonderen Potenziale. Ausbildungsbotschafterbesuche haben demnach nicht nur die Funktion, authentische Informationen zu einem Beruf zu transportieren. Sie liefern den Schülerinnen und Schülern vielmehr auch in identitätspsychologischer Hinsicht wichtige Anhaltspunkte. Anschaulich wird ihnen vor Augen geführt, was das für junge Menschen sind, die Klempner/-innen, Bäcker/-innen oder Kaufleute für E-Commerce werden wollen. Der Beitrag weist abschließend auf eine Studie hin, in der dieser Ansatz näher untersucht werden soll.
Rezension zu: Innovationsprojekte und organisationalen Wandel professionell gestalten. Theorie der Reflexion und Reflexionskompetenz. Martin Kröll. Springer Gabler, Wiesbaden 2020
Wie kann eine (bildungs-)politische Leitidee durch das Zusammenwirken von Wissenschaft, Praxis und Politik in die betriebliche Ausbildung integriert werden? Und wie kann das Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Akteuren gestaltet werden? Auf der Basis von Erfahrungen in den Modellversuchen zur "Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) 2015–2019" werden Akteurskonstellationen und Kooperationen auf dem Weg von der Idee über die Bildungsinnovation hin zum Transfer in die Berufsbildungspraxis nachgezeichnet.
In der Berufsbildungspolitik und Berufsbildungsforschung hat die Programmförderung des Bundes ein großes Gewicht. Sie soll Entscheidungen unterstützen und Strukturveränderungen herbeiführen. Inhaltliche Schwerpunkte und Umfang der Förderung von Programmen werden auf Bundesebene festgelegt. In diesem Positionsbeitrag wird zunächst die Steuerungshoheit in der öffentlichen Programmförderung beschrieben. Anschließend wird nach den damit verbundenen politischen Strategien gefragt. Hierbei geht es um zwei Aspekte: Programmförderung als Legitimation politischen Handelns und Programmförderung als symbolische Politik.
Rezension zu: Akademische und berufliche Bildung zusammen denken. Von der Theorie zur Praxis einer Offenen Hochschule. Michael Kriegel, Johanna Lojewski, Miriam Schäfer, Tim Hagemann (Hrsg.). Waxmann, Münster/New York 2017.
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