In Köln wurde zum 1. August 1998 ein Projekt initiiert, das die erstmalige Umsetzung des Berufsbilds im Rahmen einer Ausbildungskooperation unterstützt. Projektpartner sind neben der Kommune fünf Institutionen und zehn Unternehmen der Medienbranche. Gefördert wird die Qualifizierungsoffensive durch das Ministerium für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Laufzeit endet zum 31. Dezember 2000. Das Projekt wurde für die modellhafte Initiierung und Unterstützung von Ausbildungskooperationen kleiner und mittlerer Betriebe ausgezeichnet. In dem Beitrag wird die Intention des Projektes vorgestellt und über erste Ergebnisse berichtet.
Im Zeichen anhaltender globaler und zunehmender struktureller Arbeitsmarktprobleme wurde im Spätsommer 1985 in mehreren Geprächen zwischen Bundesregierung, Gewerkschaften und Arbeitgebern die Qualifizierungsoffensive ins Leben gerufen. Sie zielt primär darauf ab, durch eine Ausweitung der über das Arbeitsförderungsgesetz (AFG) geförderten beruflichen Bildungsmaßnahmen die Wiederbeschäftigungschancen von Arbeitslosen zu verbessern. Seit Inkrafttreten der 7. AFG-Novelle am 1. Januar 1986, die die Qualifizierungsoffensive von gesetzgeberischer Seite her gestützt hat, sind nun mehr als 18 Monate vergangen, die ebenso wie einige kritische, zum Teil auch mehr polemische Stellungnahmen - wie der in Heft 1/87 dieser Zeitschrift veröffentlichte Aufsatz von Dobischat und Neumann - Anlaß für eine Zwischenbilanz sein sollen. Die finanzielle Entwicklung bei der Bundesanstalt für Arbeit (BA) soll ferner Grund für einige Bemerkungen über die Perspektiven der Qualifizierungsoffensive sein.
Die folgenden Bemerkungen wollen auf die verschiedenen - positiven wie negativen - Aspekte der Qualifizierungsoffensive aus gewerkschaftlicher Sicht eingehen. Sie wollen zugleich auf die institutionellen Rahmenbedingungen hinweisen, unter denen Weiterbildungsprozesse ablaufen, und sie wollen schließlich Anregungen für eine Verbesserung der beruflichen Weiterbildung und ihrer verwertbaren Ergebnisse geben.
Der Beitrag thematisiert Aspekte der politisch-ideologischen Implikationen der durch die Bundesanstalt für Arbeit propagierten Qualifizierungsoffensive. Sie markiert einen Wendepunkt in der öffentlich-geförderten beruflichen Weiterbildungspolitik und fokussiert die inhaltlichen Positionen, wie sie von Arbeitgeberseite in mehreren Stellungnahmen und Forderungskatalogen formuliert worden sind. Damit sind die Arbeitgeber ihrem Ziel nähergekommen, den größten Weiterbildungsträger, die Bundesanstalt für Arbeit, stärker als bisher für ihre Interessen zu instrumentalisieren. Dieses nachzuweisen, gilt das Augenmerk des Beitrags [...]. Deutlich zu machen ist, daß die staatlich finanzierte Qualifizierungsoffensive nicht mit den Qualifizierungsanstrengungen der einzelnen Betriebe in einen Topf geworfen werden darf. Das Arbeitgeberinteresse liegt darin, sicherzustellen, daß die betrieblichen Qualifizierungsprogramme ungestört durch staatliche Interventionen abgewickelt werden können. Die staatlichen Rahmenbedingungen sollen hier zuarbeiten und falls gewünscht, Subventionsmöglichkeiten eröffnen. Aus diesem Grund ist es auch legitim, von zwei Qualifizierungsoffensiven zu sprechen, worauf im Schlußteil eingegangen wird.
Die Qualifizierungsoffensive bringt die berufliche Weiterbildung in eine Schlüsselrolle: sie soll beschäftigungswirksame und arbeitsmarktentlastende Effekte mit der Modernisierung der Arbeitnehmerqualifikationen verbinden. Insbesondere mit der zweiten Zielsetzung wendet sie sich vorrangig an erwerbstätige Facharbeiter und Angestellte. Dies ist im Vergleich zur aktuellen Situation eine bedeutsame Schwerpunkterweiterung. Denn zumindest die öffentlich geförderte berufliche Weiterbildung konzentriert sich bislang auf die Förderung Arbeitsloser und unmittelbar von Arbeitslosigkeit bedrohter Arbeitnehmer. Die Folge ist, dass die sich im wesentlichen auf die Finanzierung durch die Bundesanstalt für Arbeit abstützenden Maßnahmen des Bundes und der Länder im Rahmen der Qualifizierungsoffensive die Bildungswünsche der Erwerbstätigen kaum noch angemessen erfüllen können.
Die hier entwickelten Vorschläge fügen diesen Konzepten aufgrund der bisherigen Erfahrungen bewusst einen neuen Akzent hinzu. Sie schlagen anstelle der bisherigen Schwerpunktbildung ein Kontinuum von finanziellen Hilfen vor, das am Prinzip der Leistungsfähigkeit der Weiterbildungsadressaten orientiert ist.
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