Arbeitsmarktprognosen zeigen einen dramatischen Abbau von Einfacharbeitsplätzen. Damit verbunden ist das zunehmende Beschäftigungsrisiko von Geringqualifizierten bzw. Beschäftigten ohne formalen Berufsbildungsabschluss. Jüngste Befunde einer repräsentativen Betriebsbefragung des BIBB belegen das Interesse von rund 300.000 Betrieben an einer abschlussorientierten Nachqualifizierung dieser Personengruppe. Auf der Basis von Erkenntnissen aus Modellen zur Flexibilisierung bestehender Berufsbilder durch Ausbildungsbausteine bzw. Teilqualifikationen wird erörtert, wie diese Erfahrungen für die Nachqualifizierung junger Erwachsener nutzbar gemacht werden können.
Der nahtlose Übergang von der Schule in den Beruf glückt nicht allen Jugendlichen. Die Gründe hierfür liegen oft im auch für Expertinnen und Experten undurchschaubaren Förderdickicht. In Hamburg hat man sich für den Einsatz von Ausbildungsbausteinen entschieden, um die Qualität der beruflichen Qualifizierung zu verbessern und so dazu beizutragen, unterstützungsbedürftigen Jugendlichen den direkten Weg in eine erfolgreiche Berufsausbildung zu ebnen. Im Beitrag werden Hintergründe und Motive sowie erste Erfahrungen geschildert.
Zurzeit findet eine intensive Debatte über die Notwendigkeit und Wirkung von Ausbildungsbausteinen statt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) treibt die Einführung und Ausdehnung von Ausbildungsbausteinen voran. Diese seien ein Beitrag zur Reform der Berufsbildung. Erste Programm-Evaluationen von JOBSTARTER CONNECT (vgl. Interval 2011) lassen eher Zweifel darüber aufkommen, ob die Bausteine überhaupt positive Effekte erzielen. Bedenklich ist, wenn die Ausbildungsbausteine losgelöst von Zielgruppen und Bildungsphasen diskutiert werden.
Rund 2,9 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben in Deutschland, die ihren höchsten beruflichen Abschluss im Ausland erworben haben. Häufig finden sie jedoch keine ihrer Qualifikation entsprechende Beschäftigung. Das neue Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen will hier zu einer verbesserten und einheitlichen Regelung beitragen. Die Beiträge in diesem Heft stellen Hintergründe dar, beschreiben erste Erfahrungen in der Anwendung des neuen Gesetzes und zeigen Perspektiven für weitere Entwicklungen auf.
Mit Blick auf die ersten Erfahrungen in der Praxis weist BIBB Forschungsdirektor Prof. Dr. Reinhold Weiß auf den hohen Beratungsbedarf im Vorfeld und auch während der Anerkennungsverfahren hin, hier ist umfassende fachliche Expertise gefragt. Unter dem Motto „Gleiches Recht für alle“ fordert er, dass das Recht auf Feststellung und Anerkennung von Kompetenzen, wie es mit dem neuen Anerkennungsgesetz eingeführt wurde, nicht nur Personen vorbehalten sein sollte, die einen Abschluss im Ausland erworben haben, sondern für alle Menschen Gültigkeit hat, die berufliche Kompetenzen informell oder non-formal erworben haben.
Weitere Beiträge im Heft befassen sich mit Verbindungslinien zwischen dem DQR und dem Anerkennungsgesetz, einer Positionierung zu Ausbildungsbausteinen aus Gewerkschaftssicht sowie dem Erfolg beruflich qualifizierter Studierender an Fachhochschulen.
Der Übergangsbereich zwischen Schule und Berufsausbildung ist seit Jahren in der Kritik, da durch die Bildungsangebote in der Regel keine Ausbildungsinhalte in anrechnungsfähigem Maße vermittelt werden. Mit kompetenzorientierten Ausbildungsbausteinen sollen die Qualität von Übergangsmaßnahmen gesteigert und erreichte Lernergebnisse (Outcomes) transparent gemacht werden. Doch wie kann es gelingen, Ausbildungsbausteine in bestehende Maßnahmen mit eingespielten Handlungsroutinen aller Akteure zu implementieren und welche Effekte lassen sich aus dieser Implementierung bereits beobachten? Im Beitrag werden erste Erkenntnisse aus der Erprobung von Ausbildungsbausteinen im Programm JOBSTARTER CONNECT vorgestellt und reflektiert.
Das Pilotprojekt "3. Weg in der Berufsausbildung in NRW" ermöglicht durch die Kombination verschiedener Förderinstrumente aus der Benachteiligtenförderung auch jenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Berufsausbildung, die zum Eintrittszeitpunkt zwar ausbildungswillig sind, aber aufgrund ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit als nicht ausbildungsfähig gelten. Die Ergebnisse des Pilotprojekts zeigen, dass ein hoher Anteil dieser Jugendlichen im "3. Weg" eine Ausbildung erfolgreich beenden konnte. Vor diesem Hintergrund werden im Beitrag Konzept und zentrale Förderinstrumente des "3. Wegs" beschrieben, um dann ausgewählte Evaluationsergebnisse vorzustellen und Handlungsempfehlungen für die weitere Entwicklung des "3. Wegs" abzuleiten.
Nach über einem Jahr der praktischen Erprobung von Ausbildungsbausteinen im Programm JOBSTARTER CONNECT ist es an der Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Im Beitrag wird der Stand der Dinge beschrieben und es werden erste Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Begleitung des Programms abgeleitet.
Durch den demografischen Wandel geraten Qualifikationsnachfrage und -angebot aus dem Gleichgewicht. Diese gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Tendenzen treffen auf Entwicklungen im Berufsbildungssystem, die eine breite Flexibilisierungsdebatte ausgelöst haben. Herausforderung für das Berufsbildungssystem ist, Höherqualifizierung in erheblichem Umfang zu ermöglichen, aber zugleich die Ausbildung in der notwendigen Breite, d. h. Ausbildung für alle, sicherzustellen. Als wesentliche Inhalte dieser Debatte nennt Kremer: 1. Alternative Wege zur umfassenden beruflichen Handlungskompetenz zulassen. Dabei steht das unbedingte Festhalten an einem in sich geschlossenen Bildungsgang, dessen Teile als Ganzes entwickelt und umgesetzt werden, der Auffassung gegenüber, dass volle berufliche Handlungsfähigkeit auch über Ausbildungsbausteine erworben werden kann. 2. Das Berufsbildungssystem stärker zur schulischen Berufsausbildung hin erweitern und öffnen. 3. Berufsausbildungsgänge kompetenz- und outcomeorientiert gestalten. 4. Durchlässigkeit und Gleichwertigkeit schaffen.
Mit dem Schwerpunktthema dieser Ausgabe "Berufsprinzip stärken – Flexibilisierung vorantreiben" greift die BWP die Leitlinie 4 des Innovationskreises berufliche Bildung (IKBB) zur Modernisierung der beruflichen Bildung auf. Im Interview mit Ministerialrat Arno Leskien, Leiter des Referats "Ordnung der beruflichen Bildung" im BMBF, geht es darum, wie diese Herausforderung gelingen kann, welche Teilerfolge auf dem Weg der Modernisierung des deutschen Berufsbildungssystems bereits zu verzeichnen und welche weiteren Schritte noch zu meistern sind.
Überlegungen zur Entwicklung modularer Ausbildungsstrukturen lösten bereits Ende der 1990er Jahre in Deutschland eine große Kontroverse aus. Im Jahr 2006 lebte die Debatte – mit dem Begriff „Ausbildungsbausteine“ – wieder auf. In einer breit angelegten Kampagne der Bundesregierung zur Weiterentwicklung der Berufsbildung hat das BIBB im Sommer 2007 im Rahmen einer Pilotinitiative des BMBF gemeinsam mit betrieblichen und schulischen Experten und Expertinnen für 14 bestehende Ausbildungsberufe kompetenzbasierte Ausbildungsbausteine entwickelt. Der Beitrag stellt die bildungspolitischen Hintergründe dieser Pilotinitiative dar. Ausgehend von der Beschreibung bestehender Ansätze modularer Strukturen in bestehenden Ausbildungsordnungen wird das Konzept zur Entwicklung von Ausbildungsbausteinen erläutert und an einem Beispiel veranschaulicht.
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