Der Ausbildungsjahrgang 1989/90 mündete als letzter unter DDR-Bedingungen in die duale Berufsausbildung ein. Nur kurze Zeit später kam es zur "Wende". Der nachfolgende Transformationsprozess im Wirtschafts- und Bildungssektor verlangte den Jugendlichen dieses Jahrgangs hohe Anpassungsleistungen ab. Viele waren von Betriebsstillegungen betroffen und mussten ihre Ausbildung oft in außerbetrieblichen Einrichtungen fortsetzen. In welcher Situation sie sich heute befinden, wie sie rückblickend ihre Ausbildung bewerten und wie sie ihre weitere Zukunft einschätzen, beschrieben 445 Absolventinnen und Absolventen des Ausbildungsjahrganges 1989/90 im Rahmen einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung.
In der betrieblichen Praxis wird zunehmend beklagt, dass zu viele Auszubildende mit Abitur nach der Lehre in die Hochschulen abwandern und als qualifizierte Fachkräfte verlorengehen. Der Beitrag untersucht, wie konkret und stabil die Pläne der studienberechtigten Auszubildenden für die Zeit nach der Lehre sind, was Auszubildende dazu bewegt, bereits bestehende Studienabsichten zu überdenken, und welche Konsequenzen sich hieraus für eine betriebliche Personalpolitik ergeben, die am Verbleib von studienberechtigten Fachkräften interessiert ist.
Der Bericht stellt einen Teil der Ergebnisse des Forschungsprojekts "Ausbildung und berufliche Eingliederung" dar, in dem der Berufsverlauf und die berufliche Entwicklung von Facharbeitern und Fachangestellten erfasst und untersucht wurden. Da die Abwanderung von Fachkräften in den industriellen Metall- und Elektroberufen relativ hoch ist, wurden diese Daten gesondert aufbereitet und analysiert. Neben den Berufsverläufen werden auch die Gründe für die Abwanderung dargestellt, die den ausbildenden Betrieben und Unternehmen Hinweise für eine mögliche Gegensteuerung dieser Entwicklung geben.
In seinem Beitrag in der Rubrik "Wiederentdeckt - neu gelesen" widmet sich der Autor einem Aufsatz von Ernst Ross aus dem Jahr 1993: "Computerunterstütztes Lernen. Ein bildungsökonomisches und didaktisches Patentrezept?".
Seit 1993 können drei- und vierjährige berufliche Grundbildungen, die zum Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) führen, mit einer Berufsmaturität (BM) kombiniert werden. Die BM soll unter anderem die Durchlässigkeit zwischen beruflicher Grundbildung und Hochschulbildung erhöhen, die Studierfähigkeit an einer Fachhochschule sicherstellen und zur Bekämpfung des Fachkräftemangels beitragen. Der Beitrag geht der Frage nach, inwiefern die BM diese Ziele erreicht und welche Hürden sich in der Praxis stellen.
Seit Beginn der 1990er-Jahre wird ein verstärkter Rückgang der Ausbildungsbeteiligung junger Frauen im dualen System der Berufsausbildung nach BBiG/HwO beobachtet. Bis 2019 sank der Frauenanteil an allen Auszubildenden um mehr als fünf Prozentpunkte, im Zuständigkeitsbereich Industrie und Handel sogar um knapp acht Prozentpunkte. Welche Auswirkungen hat dies auf die berufsstrukturellen Entwicklungen? Im Beitrag wird auf Basis der Berufsbildungsstatistik aufgezeigt, wie sich das Verhältnis der von Männern oder von Frauen dominierten Berufe in den letzten drei Jahrzehnten verschoben hat. Überdies wird geprüft, welche Unterschiede im Ausbildungserfolg sich aus einer solchen Ungleichverteilung der Geschlechter ergeben können.
In der neuen Rubrik "Wiederentdeckt - neu gelesen" widmet sich die Autorin einem Aufsatz von Edgar Sauter aus dem Jahr 1989. Sauter skizzierte seinerzeit zentrale Herausforderungen an die berufliche Weiterbildung und sah eine Neuorientierung vor allem in der Stärkung präventiver Ansätze. Parallelen zu aktuellen Diskussionen im Zuge der Nationalen Weiterbildungsstrategie oder zum 2019 in Kraft getretenen Qualifizierungschancengesetz werden in dieser Retrospektive aufgezeigt.
Lukas Brandl, geboren 1993, hat im Januar 2017 seine Ausbildung als Elektroniker für Automatisierungstechnik bei der Evonik Technology & Infrastructure GmbH am Standort Marl abgeschlossen. Im Juli beendete er sein duales Studium »Industrielles Servicemanagement« an der FH Dortmund. Die Zeit zwischen Ausbildungsabschluss und Beginn der Bachelor-Arbeit nutzte er für einen zweimonatigen Auslandsaufenthalt am Evonik Standort in Mobile, Alabama.
Trotz zahlreicher Maßnahmen zur Förderung der Ausbildung von Frauen in technischen Berufen konnte ihr Anteil in den letzten mehr als 20 Jahren nicht erhöht werden. Er liegt im Jahr 2015 mit 12,4 Prozent auf dem Niveau von 1993. Dennoch lohnt ein genauerer Blick auf die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in technischen Ausbildungsberufen. Denn es zeigt sich: Es gibt durchaus frauendominierte technische Berufe.
Das duale System der Berufsausbildung lebt vom Engagement der Betriebe. Ob ein Betrieb am dualen System teilnimmt oder nicht, hängt vom Nutzen, den Kosten und kulturellen Aspekten ab. Wichtige Erkenntnisse dazu liefern die Daten des IAB-Betriebspanels, welches 1993 startete und jährlich ca. 16 Tsd. auswertbare Interviews zur Beschäftigungssituation hervorbringt. Das Analysepotenzial ist damit noch nicht ausgeschöpft, wie die Diskussion ausgewählter Ergebnisse zu wichtigen Bestimmungsfaktoren der Ausbildungsentscheidung der Betriebe in diesem Beitrag zeigt.
Der Rückgang der Neuabschlüsse für die Ausbildung im dualen System der Berufsausbildung führt zu einer geringeren Ausbildungsquote. Diese lag in den 90er Jahren zwischen 65 und 69 Prozent; rund zwei Drittel der Jugendlichen nahmen damals eine solche Ausbildung auf; für das Jahr 2002 beträgt der Wert nur noch 62 Prozent." Die Berechnung der Ausbildungsquote wurde anhand der Ausbildungsanfänger (Input) und der erfolgreichen Prüfungen (Output) vorgenommen.
Die im Rahmen des LEONARDO-Programms durchgeführte zweite europäische Erhebung zur betrieblichen Weiterbildung in 25 europäischen Ländern (CVTS II) förderte einen aus bundesrepublikanischer Perspektive zentralen Befund zutage: Der Anteil weiterbildender Unternehmen in Deutschland sinkt zwischen 1993 und der neueren Erhebung von 1999 von 85 Prozent auf 75 Prozent. In keinem anderen europäischen Land sind die Weiterbildungsaktivitäten rückläufig. Muss der Bildungsnotstand nun auch im Bereich der beruflichen Weiterbildung ausgerufen werden? Ländervergleichende Studien, die ihre Ergebnisse lediglich in Form von Ranking-Listen präsentieren, erklären nicht die Gründe, aus denen es zu einer solchen Entwicklung gekommen ist. Um ein tieferes Verständnis für die Veränderungen zu gewinnen, werden auf Länderebene eine Auswahl möglicher Einflussfaktoren auf betriebliche Weiterbildungsaktivitäten untersucht. Die Weiterbildungsaktivitäten der Unternehmen werden in Beziehung gesetzt zu strukturellen Indikatoren wie Arbeitsproduktivität, Beschäftigungswachstum, Arbeitslosenquote. Die Querschnittsanalyse beschränkt sich auf 14 europäische Länder. Die Analyse zeigt, dass das zentrale Kriterium für betriebliche Weiterbildungsaktivitäten das Beschäftigungswachstum darstellt. Demnach sind geringe Weiterbildungsaktivitäten der Betriebe offensichtlich primär dem geringen Beschäftigungswachstum geschuldet.
Die erhobenen Daten ermöglichen den Vergleich der betrieblichen Weiterbildung in 25 europäischen Ländern als auch die Veränderungen in Deutschland zwischen 1993 und 1999 darzustellen. Dabei werden die spezifischen Bedingungen und nationalen Besonderheiten der betrieblichen Weiterbildung in Deutschland berücksichtigt. Die Unterschiede werden anhand von vier Indikatoren beschrieben: Anteil der Unternehmen mit betrieblichen Weiterbildungsangeboten (Angebotsindikator), Anteil der Mitarbeiter, die 1999 an Weiterbildungsveranstaltungen teilgenommen haben (Zugangsindikator), Zahl der Kursstunden, die in den Unternehmen pro Jahr für die betriebliche Weiterbildung aufgewendet werden (Intensitätsindikator), die aufgewandten Kosten für die betriebliche Weiterbildung (Kostenindikator). Darüber hinaus werden Ergebnisse qualitativer Fragen zur betrieblichen Weiterbildungspolitik dargestellt.
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