Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat Ende 1991 eine Untersuchung zu Berufswahl, Ausbildungsverlauf und zu normativen Strukturen von Jugendlichen begonnen. Das Projekt will Daten von Schulabgängern aus den neuen Bundesländern bereitstellen und mit Daten von Jugendlichen aus den alten Bundesländern vergleichen. Der Beitrag stellt erste Ergebnisse der Studie vor. Dabei nimmt der Autor Bezug auf Wertorientierungen und Einstellungen von Jugendlichen und auf den Wertewandel, der sich als Folge des gesellschaftlichen Wandels bei den Jugendlichen in den neuen Bundesländern feststellen läßt. Abschließend wird der Frage nachgegangen, inwieweit das Berufsbildungssystem die normativen Strukturen der Auszubildenden beeinflussen kann und welche Aufgaben sozialisatorischer Art dabei auf die an der Berufsausbildung Beteiligten zukommen.
Die folgenden Ausführungen stützen sich auf Daten der EIBE-Erhebung von 1989 "Zur Berufsbildungssituation ausländischer jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland" (FoPr. 1.503), einer Repräsentativerhebung bei ca. 3400 ausländischen Jugendlichen. Die Erhebung wird derzeit im BIBB ausgewertet. Die hier vorgetragene Analyse ist daher vorläufig. Die Interviews wurden nach Wunsch der befragten Jugendlichen entweder in Deutsch oder in der Sprache des Herkunftslandes (Griechenland, Italien, Jugoslawien, Spanien, Portugal und Türkei) vom EMNID-Institut durchgeführt.
Die Probleme, die in den vergangenen Jahren am Ausbildungsstellen- und Arbeitsmarkt für Jugendliche aufgetreten sind, haben die Einstellung der Auszubildenden zu Berufsausbildung und Arbeit nicht beeinträchtigt. Nach der Repräsentativstudie des BIBB von 1985 bei rund 1.000 Auszubildenden und einer Vergleichsgruppe von rund 300 fertigen Fachkräften äußern sich 90% der befragten Jugendlichen zufrieden über ihre Ausbildung. Die Zufriedenheit ist im Laufe der letzten Dekade sogar noch gestiegen. Die Jugendlichen üben aber auch Kritik. Zu wenig Wert wird in den Augen der Jugendlichen gelegt auf Umgang mit neuen Technologien, Kreativität, Eigeninitiative und Kritikfähigkeit. Zuviel Wert liegt auf den sogenannten Arbeitstugenden: Pünktlichkeit, Bereitschaft und Unterordnung, Ordnungssinn und Disziplin. Für die Zeit nach der Ausbildung sieht ein Drittel der Jugendlichen kaum Chancen, Arbeit im erlernten Beruf zu finden. Mittelfristig befürchten Auszubildende jedoch kaum Arbeitslosigkeit oder beruflichen Abstieg: nur 2% rechnen damit, 5 Jahre nach der Ausbildung arbeitslos oder als ungelernter Arbeiter beschäftigt zu sein. Ein Leben ohne Arbeit ist für das Gros der Jugendlichen nicht vorstellbar.
Der Artikel enthält erste Daten einer derzeit laufenden Auswertung von etwa 3.000 repräsentativ erhobenen Jugendlichen ohne Berufsausbildungsvertrag und rund 500 Auszubildenden. Die endgültigen Ergebnisse dieser bundesweiten Erhebung werden im Laufe des Jahres 1977 vorliegen. Die Erhebung, zugleich Abschluß der analytischen Phase des BBF-Jungarbeiterprojekts, wird detaillierte Analysen der sozialen, ökonomischen und psychologischen Faktoren des Jungarbeiterproblems, des Problems arbeitsloser Jugendlicher, der Faktoren des Abbruchs von Ausbildungsverhältnissenund Daten über ausländische Ungelernte bereitstellen.
Das Problem der Jugendlichen ohne Berufsausbildung - seit langem als "Jungarbeiterfrage" bekannt, seit Jahrzehnten diskutiert, ebenso häufig in Angriff genommen - ist bis heute nicht gelöst. Aus der Einsicht, daß ein primär sozial bedingtes Problem nur durch einen umfassenden sozialen, ökonomischen, psychologischen und systemkritischen Ansatz mit Aussicht auf Erfolg in Angriff genommen werden kann, hat das BBF eine detaillierte Studie zur Bildungssituation von Jugendlichen ohne Ausbildungsvertrag erarbeitet, die jetzt im Manuskript vorliegt. Sie ist Teil eines umfassenden Projekts "Berufliche Grundqualifikationen für den Sekundarbereich II". Dieser Beitrag ist eine Kurzfassung der Studie.
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