Flexibler Zugang zu formalen Qualifikationen und Transparenz der nationalen Qualifikationssysteme sind wesentliche Aspekte der Diskussion über lebensbegleitendes Lernen und die Internationalisierung von Bildungs- und Arbeitsmärkten. Als Mittel zur Erreichung dieser Ziele wird die Einführung von "Qualifikationsrahmen" gesehen. Qualifikationsrahmen sind Strukturen zur Entwicklung, Beschreibung und Systematisierung der Beziehungen von Qualifikationen, die die Möglichkeiten traditioneller Qualifikationssysteme erweitern. Dieses in Deutschland bisher wenig bekannte Konzept wird am Beispiel der Niederlande, Frankreichs und Englands dargestellt, und es werden bisherige Erfahrungen diskutiert.
Die gezielte Mobilisierung der Entwicklungspotenziale von Regionen ist eine Strategie, die sich in Deutschland und anderen Staaten der Europäischen Union ausgebreitet hat. Leitbild ist die lernende Region, verstanden als Netzwerk regionaler Akteure, das sich ausserhalb festgefügter Strukturen entwickelt und auf die Lösung regionaler Probleme ausgerichtet ist. Bezogen auf die Berufsbildungspolitik können regionale Netzwerke dazu beitragen, spezielle Problemgruppen stärker zu fördern, Innovationen zur Verbesserung des Qualifizierungsangebots in Gang zu bringen oder Defizite im Qualifizierungsniveau durch gezielte Weiterbildung zu kompensieren. Der Beitrag untersucht, durch welche Strukturen im Berufsbildungssystem eines Landes die Entwicklung zu lernenden Regionen gefördert oder behindert wird und welche Praktiken es in Deutschland und in den Niederlanden gibt. An zwei Fallbeispielen (Witten/Hattingen und Rijnmond) wird die Entwicklung zu lernenden Regionen dargestellt, Stärken und Schwächen des deutschen und niederländischen Modells werden jeweils verdeutlicht.
Angesichts der wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen, vor denen sowohl Deutschland als auch die Niederlande stehen, ist die Notwendigkeit kontinuierlicher Qualifikations- und Kompetenzentwicklung unbestritten. Favorisiert werden in beiden Ländern Konzepte, die die Selbststeuerung und Selbstorganisation beruflicher Weiterbildung und ihre Integration in betriebliche Personal- und Organisationsentwicklungsstrategien ermöglichen. Unterschiede zwischen beiden Ländern bestehen jedoch in der Rolle des Staates im Weiterbildungssektor. Während die Weiterbildung in Deutschland weitgehend den Marktteilnehmern überlassen bleibt, ist von der niederländischen Regierung eine breite Initiative gestartet worden, um lebensbegleitendes Lernen in Wirtschaft und Gesellschaft zu verankern.
Modularisierung gilt als Mittel zur Flexibilisierung von Bildungswegen, indem sie leichtere Übergänge zwischen unterschiedlichen Bildungsgängen und einen offeneren Zugang zu allgemeinbildenden und/oder beruflichen Bildungsangeboten ermöglicht. Der Modulbegriff wird zur Bezeichnung von Lehr-/Lernabschnitten verwendet, die von Bildungsträgern individuell gestaltet und entsprechend den Bedürfnissen der Lerner, den Anforderungen lokaler Arbeitsmärkte sowie gemäß eigener personeller und materieller Ressourcen zu umfassenden Lehr-/Lernprogrammen kombiniert werden können. Am Beispiel des englischen Berufsbildungssystems wird untersucht, wie Module gestaltet und Abschlüsse kombiniert werden, inwieweit das Modulkonzept flexible Qualifizierungswege eröffnet und welche Probleme sich aus diesem Konzept ergeben. Anschließend wird auf die Bedeutung der Modularisierung für die deutsche Berufsbildung eingegangen. Ansatzpunkte für eine Übertragung modularer Ausbildungsstrukturen finden sich im Bereich der Zusatzqualifikationen und der Fortbildungsabschlüsse.
Die Reform der beruflichen Bildung ist ein dynamischer Prozess, der von sehr unterschiedlichen Herausforderungen beeinflusst wird. Der Abbau an Ausbildungsplätzen, der Einfluss technologischer und wirtschaftlicher aber auch gesellschaftlicher Veränderungen auf Arbeitsorganisation und Berufsanforderungen, die Entwicklung und Erprobung neuer Lehr- und Lernformen, die unterschiedlichen Vorstellungen zur Finanzierung der dualen Berufsausbildung, demographische Veränderungen sowie Auswirkungen der Globalisierung der Märkte und des internationalen Wettbewerbs sind die wesentlichen Entwicklungsströme, die derzeit Einfluss auf die berufliche Aus- und Weiterbildung nehmen. In dem Beitrag setzen sich Mitarbeiter des Bundesinstuts für Berufsbildung mit zentralen Zukunftsfragen der beruflichen Bildung auseinander. Die einzelnen Abschnitte befassen sich mit Überlegungen zum Berufskonzept und der Notwendigkeit, Aus- und Weiterbildung systematischer miteinander zu verzahnen, mit der Verschiebung der Altersstruktur der Erwerbstätigen, den Folgen der fortschreitenden Europäisierung für die nationale Berufsbildungspolitik, Ansätzen zur Modularisierung der beruflichen Bildung und mit verschiedenen Möglichkeiten der Finanzierung der dualen Berufsausbildung.
In Großbritannien wird Modularisierung in der Berufsbildung als Instrument gesehen, mit dessen Hilfe eine Balance zwischen Flexibilität, Koordination und Zusammenhalt eines Systems erreicht werden kann, das nicht nur die Berufsausbildung, sondern auch die Weiterbildung einschließt. Der Beitrag klärt die Begriffe Modul und Modularisierung, skizziert das englische System nationaler beruflicher Qualifikationen (National Vocational Qualifications = NVQs) und analysiert Möglichkeiten und Probleme der Koordinierung modular strukturierter Berufsbildungssysteme am Beispiel des englischen Systems.
Die erste Kooperationsvereinbarung zwischen den nationalen 8erufsbildungsinstituten in Europa wurde 1989 zwischen dem 8188 und dem niederländischen Centrum lnnovatie 8eroepsonderwijs 8edrijfsleven (CI88) in 's Hertogenbosch abgeschlossen. Neben dem regelmäßigen Informationsaustausch wurde der Austausch von Wissenschaftlern sowie die Durchführung gemeinsamer Projekte und Kolloquien verabredet. Ein mehrwöchiger, gegenseitiger Austausch von Wissenschaftlern beider Institute fand 1990/91 statt. Ermöglicht wurde er von der Carl Duisberg Gesellschaft in Köln.
Der Beitrag beschreibt die Organisation der beruflichen Erstausbildung in den Niederlanden. Die Mängel des Berufsbildungssystems werden aufgezählt und die Reformvorstellungen aufgeführt.
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