Ein ganzheitlicher Bildungsauftrag ist laut Berufsbildungsgesetz Kernelement der Ausbildung im dualen System. Angesichts zunehmender Politikverdrossenheit und Populismus fragen sich ausbildende Betriebe verstärkt, welche Aspekte politischer Bildung sie vermitteln können, ohne Gefahr zu laufen, seitens der Auszubildenden als weltanschaulich tendenziös oder manipulativ wahrgenommen zu werden. Der Beitrag zeigt auf, welche Anknüpfungspunkte hierfür die seit 2021 geltenden Standardberufsbildpositionen bieten. Ziel ist es u. a., übergreifende Kompetenzen, die auch Teil der beruflichen Handlungsfähigkeit in einer modernen Arbeitswelt sind, über die gesamte Ausbildung zu fördern. Dazu gehören auch gesellschaftlich-demokratische Kompetenzen und Werte wie Partizipation, Diskursfähigkeit, Solidarität und Toleranz.
According to the Vocational Training Act, a holistic educational remit forms a core element of training in the dual system. In light of increasing political disenchantment and popularism, more and more companies providing training are wondering which aspects of civic education they can impart without running the risk of being perceived by the trainees as ideologically biased or manipulative. This article illustrates the points of reference offered in this regard by the standards in all occupational profile positions, which have been applicable since 2021. One of the aims is to foster cross-cutting competencies, which also form part of the employability skills set in the modern world of work, over the entire apprenticeship. These also include societal and democratic competencies and values such as participation, the ability to enter into discourse, solidarity and tolerance.
The wish for a more flexible structuring of vocational education and training is particularly expressed within the context of dynamic innovation and transformation processes in Germany. One thing which is frequently overlooked is the fact that the German vocational training act (BBiG) already offers options for flexibilisation in relation to the structures and contents of training occupations, with regard to implementation in terms of place and time, and in respect of specific groups of persons. These options are described in the present article. Nevertheless, it is revealed that some of them are used only hesitantly. The questions which therefore arise are whether there is sufficient awareness of these options, whether further options are required and which prerequisites these would need to fulfil.
Der Wunsch nach einer flexibleren Gestaltung der Berufsbildung wird besonders im Kontext dynamischer Innovations- und Transformationsprozesse geäußert. Dabei wird oft übersehen, dass das BBiG sowohl in Bezug auf Strukturen und Inhalte von Ausbildungsberufen als auch auf die örtliche und zeitliche Umsetzung sowie im Hinblick auf spezifische Personengruppen bereits Flexibilisierungsoptionen vorsieht. Sie werden im Beitrag beschrieben. Allerdings zeigt sich, dass ein Teil der Optionen nur zögerlich genutzt wird. Es stellt sich daher die Frage, ob sie ausreichend bekannt sind, ob weitere Optionen benötigt werden und welche Voraussetzung diese erfüllen müssten.
Rezension zu: Nachhaltigkeit im Unterricht berufsbildender Schulen. Analyse, Modellierung und Evaluation eines Fort- und Weiterbildungskonzepts für Lehrkräfte. Sören Schütt-Sayed. WBV, Bielefeld 2020
„Das Berufsbildungssystem ist in der Krise!“ Die Anlässe für solche Äußerungen sind vielfältig und führ(t)en immer wieder dazu, bestehende Strukturen, insbesondere die Ordnungsarbeit der beruflichen Bildung, in Frage zu stellen – so auch in der im Herbst 2020 veröffentlichten Denkschrift von Dieter Euler und Eckart Severing. Vor diesem Hintergrund gibt der Beitrag Einblicke in die Ordnungsarbeit am BIBB und zeigt auf, wie es durch konsensuale Zusammenarbeit gelingt, Berufe im Spannungsfeld von Kontinuität und Wandel zu entwickeln. Dabei wird verdeutlicht, wie Ordnungsarbeit neue Entwicklungen frühzeitig erkennt, zeitnah in Ausbildungsberufe integriert und so gestaltet, dass sie langfristig und in der Fläche ausgebildet werden können.
“The vocational education and training system is in crisis!” The reasons for such statements are multifarious in nature, but they regularly cause and have caused existing structures and VET regulatory work in particular to be called into question. A memorandum produced by DIETER EULER and ECKART SEVERING in the autumn of 2020 was one such example. Against this background, the present article provides insights into the regulatory work conducted by BIBB and shows how consensual cooperation serves as a vehicle for the successful development of occupations in the field of tension between continuity and change. The article also clarifies how regulatory work recognises developments at an early stage, integrates them into training occupations in a timely manner, and structures these occupations in a way that enables training to take place over the long term and across a broad basis.
Im Kontext der Digitalisierungsdebatte ist viel von Zukunftskompetenzen die Rede, die als entscheidender Erfolgsfaktor für die Bewältigung des digitalen Wandels proklamiert werden. Hier werden Assoziationen zur Schlüsselqualifikationsdebatte in den 1970er-Jahren geweckt. Zwei BWP-Beiträge von Lothar Reetz, in denen er gut ein Jahrzehnt später das Konzept mit dem Kompetenzbegriff verknüpft, sind Anlass, diese für die Berufsbildung wichtige Debatte in Erinnerung zu rufen.
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