Schwindendes Vertrauen in demokratische Institutionen, zunehmende Politikverdrossenheit und ein Erstarken extremistischer und populistischer Orientierungen sind Themen, mit denen sich die Berufsbildung mehr denn je auseinandersetzen muss. In November 2023 ehrte die Handwerkskammer Düsseldorf BIBB-Präsident Esser mit dem Georg-Schulhoff-Preis. Mit dem Preis werden Personen und Institutionen ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise um die Berufsbildung verdient gemacht haben. In seiner Dankesrede stellte Esser Demokratiebildung als wichtigen Aspekt einer ganzheitlichen beruflichen Bildung in den Mittelpunkt – ein Thema, das ihn in seiner Bedeutung für unsere liberale Gesellschaft und die nachwachsenden Generationen weiter beschäftigt.
Ein ganzheitlicher Bildungsauftrag ist laut Berufsbildungsgesetz Kernelement der Ausbildung im dualen System. Angesichts zunehmender Politikverdrossenheit und Populismus fragen sich ausbildende Betriebe verstärkt, welche Aspekte politischer Bildung sie vermitteln können, ohne Gefahr zu laufen, seitens der Auszubildenden als weltanschaulich tendenziös oder manipulativ wahrgenommen zu werden. Der Beitrag zeigt auf, welche Anknüpfungspunkte hierfür die seit 2021 geltenden Standardberufsbildpositionen bieten. Ziel ist es u. a., übergreifende Kompetenzen, die auch Teil der beruflichen Handlungsfähigkeit in einer modernen Arbeitswelt sind, über die gesamte Ausbildung zu fördern. Dazu gehören auch gesellschaftlich-demokratische Kompetenzen und Werte wie Partizipation, Diskursfähigkeit, Solidarität und Toleranz.
Die letzte Hauptausschusssitzung des Jahres 2018 fand unter Leitung von Elke Hannack, Beauftragte der Arbeitnehmer, statt. Inhaltliche Schwerpunkte waren die aktuelle Situation auf dem Ausbildungsmarkt und die strategische Neuausrichtung der BIBB-Forschung durch „Themencluster“. Weiterhin wurden u. a. der sogenannte »Ganzheitliche Ausbildungsnachweis« sowie die BIBB-Aktivitäten im Bereich der Open Educational Resources (OER) in der Berufsbildung präsentiert.
Das Förderzentrum Osnabrück will Menschen, die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II erhalten, neue berufliche Perspektiven erschließen. In sechsmonatigen Trainings können Praxiserfahrungen gesammelt werden, die für den Einstieg in Ausbildung oder Beruf hilfreich sind. Dabei wird im Rahmen einer ganzheitlichen Förderung der Teilnehmer ein besonderer Fokus auf die sprachlich-kommunikativen Fähigkeiten gelegt. Warum dies so wichtig ist, erläutert Reimund Beer im Interview.
Die Kooperation der Lernorte Berufsschule und Betrieb ist entscheidende Voraussetzung für das Gelingen einer dualen Berufsausbildung. Obwohl das Berufsbildungsgesetz die Kooperation dieser Lernorte ausdrücklich vorsieht, bleibt in der Praxis häufig unklar, wie die Zusammenarbeit konkret gestaltet werden kann. Das nachstehende Interview mit Frank Barth, Lehrer an der August-Horch-Schule in Andernach, und Reiner Hürter, Ausbilder bei Westnetz GmbH, zeigt, welche Chancen eine Kooperation bereithält. Zugleich wird auf der Basis der mittlerweile zwanzigjährigen Kooperationserfahrung deutlich, wie vielfältig die Voraussetzungen für die gemeinsame Arbeit im Alltag sind, wenn schulische und betriebliche Sicht zu einem ganzheitlichen Bild vom Auszubildenden zusammenfinden sollen.
Arbeits- und Geschäftsprozessorientierung als Leitprinzipien in der beruflichen Erstausbildung beabsichtigen die Einbindung des Lernens in reale Geschäftsprozesse und implizieren ganzheitliches Lernen, das Lernen an berufstypischen Aufgaben, sowie das Planen, Handeln und Kontrollieren in komplexen Arbeitszusammenhängen. Doch wie können so erworbene Kompetenzen in einer Prüfung adäquat abgebildet werden? Im Projekt „Umsetzung prozessorientierter Berufsausbildung in der Textilwirtschaft“ des BIBB und der TU Kaiserslautern wurden Planungshilfen und Prüfungsaufgaben entwickelt und erprobt. In diesem Beitrag werden das Konzept und die Konstruktion einer Prüfungsaufgabe vorgestellt.
Die Zuwanderung von Hochqualifizierten gewinnt im Rahmen der Fachkräftedebatte sowohl in Deutschland als auch europa- und weltweit an Bedeutung und wird infolge des demografischen Wandels oder im Rahmen der EU bezüglich der Einführung der Blauen Karte EU diskutiert. Der Beitrag befasst sich mit Voraussetzungen, Implikationen und Nutzen einer gesteuerten Zuwanderung. Auf der Grundlage von Fachkräfteprognosen wird der Bedarf an hoch qualifizierten Migrantinnen und Migranten dargestellt und auf Kosten der Nichtintegration hingewiesen. Zudem werden die Ergebnisse einer Befragung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vorgestellt, die Aufschluss über Motive und Bleibeabsichten hoch qualifizierter eingewanderter Fachkräfte geben. Die Autoren plädieren abschließend für eine ganzheitliche Migrations- und Integrationspolitik und benennen zentrale Handlungsfelder.
Der Präsident des BIBB, Manfred Kremer, plädiert dafür, den Erfahrungsvorsprung, den deutsche Betriebe und Bildungsdienstleister durch die duale Berufsausbildung haben, bei der Umsetzung arbeitsintegrierter Lernkonzepte auch im europäischen Kontext stärker zu nutzen. Das bedeutet, auf ganzheitliche Handlungsfähigkeit gerichtete kompetenzorientierte Lernen im Arbeitsprozess zu fördern und weiterzuentwickeln.
Die Lern- und kompetenzförderliche Arbeitsgestaltung umfasst Kriterien und Konzepte, die seit den 1980er-Jahren entwickelt und angewandt werden. Zeichnete sich die Industriegesellschaft durch Rationalisierung und eine arbeitsteilige Gestaltung von Arbeitsprozessen aus, so sprechen in der Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft ökonomische und individuelle Interessen für eine ganzheitliche Gestaltung der Arbeit. Der Beitrag referiert die für eine lern- und kompetenzförderliche Arbeitgestaltung entwickelten Kriterien, erörtert das Lernen im Prozess der Arbeit unter entsprechenden Gesichtspunkten und skizziert Perspektiven für die Anschlussfähigkeit im Arbeitsprozess erworbener Kompetenzen mit Blick auf das Bildungssystem.
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