Der Zusammenhang zwischen Bildungsinformationen, sozialer Herkunft, Leistungen sowie erreichtem Bildungsgrad und damit verbundenen Arbeitsmarktergebnissen junger Menschen ist sowohl in der bildungspolitischen wie auch bildungswissenschaftlichen Diskussion unbestritten. Eine im Herbst 2003 veröffentlichte repräsentative Querschnittsuntersuchung in Österreich liefert Daten zu Sozialindikatoren sowie zur Bildungsaspiration und Leistungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen. Dabei zeigten sich markante Unterschiede bei den gewählten Bildungsgängen aufgrund der unterschiedlichen sozialen Hintergründe und Positionierung der Herkunftsfamilien im gesellschaftlichen Statussystem.
Der berufliche Verbleib von Absolventen der Berufsfachschulen ist nach wie vor wenig erforscht trotz steigender Schülerzahlen. Eine Diplomarbeit "Beruflicher Verbleib von Berufsschulabsolventen - Eine empirische Untersuchung im Rahmen des Regionalprojektes Sachsen" an der Technischen Universität Dresden untersuchte nun, in welchem Maße Autonomie, Kompetenz und soziale Einbindung Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung und damit die Qualität der beruflichen Eingliederung besitzen. Die Untersuchung folgt dem erziehungswissenschaftlichen Verbleibbegriff von ZIMMERMANN, wonach entscheidend für die berufliche Eingliederung das Erleben von Autonomie, Kompetenz und sozialer Einbindung ist. Der Beitrag präsentiert ausgewählte Ergebnisse. Zunächst wird der Erwerbsstatus der Absolventen dargestellt, in einem weiteren Schritt der Zusammenhang zwischen den Formen des Erlebens und der Persönlichkeitsentwicklung nachgewiesen und schließlich beschrieben, in welchem Maße sich die erwerbstätig gewordenen Absolventen in ihrem Arbeitskontext autonom, kompetent und sozial eingebunden erleben. Die Befunde sprechen für die systematische Einbeziehung dieser Größen in künftige Verbleibsuntersuchungen.
In dem Beitrag wird der Frage nachgegangen, welche hierarchischen Positionsstufen und sozialen Lagen die Ausbildungsberufe des Handels ihren Absolventen eröffnen. Die Überprüfung erfolgte getrennt für Betriebe des Facheinzelhandels und für Filialunternehmen (Waren- und Kaufhäuser, Lebensmittelsupermärkte, Waren-/ Discountläden). Die empirischen Daten stammen aus der BIBB/IAB-Befragung von 1985. Die Analyse des Facheinzelhandels stützt sich auf 1.035, die der Filialbetriebe auf 470 Befragte. Die Ergebnisse bestätigen, dass die Fachausbildungen im Einzelhandel nur begrenzte Chancen für die Erreichung attraktiver Positionen und Arbeitssituationen in den Handelsbetrieben eröffnen. Eine einfache verallgemeinernde Aussage über die Statuszuweisungsfunktionen der Ausbildungsberufe, wie etwa die, dass die Verkäuferausbildung ihre Absolventen im Handel generell eher in die unteren sozialen Positionen führt und die Ausbidung zum Einzelhandelskaufmann generell größere Chancen für den Zugang zu hohen Positionen und damit zu "besseren Lebenslagen" eröffnet, wird durch die Analyse nicht gestützt.
Die Handwerkskammer (HWK) Lübeck hat zum 1. Juli 2024 ein Projekt gestartet, das bundesweit Pionierstatus genießt: Das „Freiwillige Handwerksjahr“ (FHJ) ermöglicht Ausbildungsinteressierten, vier Ausbildungsberufe in einem Jahr kennenzulernen und eröffnet damit den Jugendlichen eine praktische Berufsorientierungsphase. Für jeweils maximal drei Monate gehen sie in einen Betrieb und probieren einen Handwerksberuf aus. Die HWK Lübeck berät, vermittelt und begleitet die Jugendlichen und Betriebe dabei. Der Beitrag beschreibt erste Erkenntnisse, nennt Zahlen und erläutert die Resonanz zum Projekt.
Sowohl die Politikdidaktik als auch die Berufs- und Wirtschaftspädagogik fordern seit Jahrzehnten die Integration des Politisch-Demokratischen in die berufliche Bildung. Auch die Kultusministerkonferenz hebt als Lernziel die Mitgestaltung der Arbeitswelt und Gesellschaft in sozialer, ökonomischer, ökologischer und individueller Verantwortung hervor. Gleichwohl bestehen nach wie vor vielfach Umsetzungsdefizite. Der Beitrag verfolgt das Ziel, das Verhältnis von beruflicher Handlungskompetenz und Demokratiekompetenz konzeptionell zu bestimmen. Anhand von zwei Praxisbeispielen werden das Politische des Beruflichen und didaktisch-methodische Zugänge für die Lernorte aufgezeigt. In der abschließenden Reflexion werden konzeptionelle und bildungspolitische Schlussfolgerungen gezogen und Empfehlungen ausgesprochen.
Die duale Berufsbildung in Deutschland gilt in der ganzen Welt als vorbildlich. Im eigenen Land verliert sie jedoch an Ansehen. Immer weniger Jugendliche bewerben sich um eine Ausbildung, während die Zahl der Studierenden zugenommen hat. Wie lässt sich diese Entwicklung erklären? Im Folgenden möchte ich auf zwei Ursachen näher eingehen: zum einen auf den Anerkennungsverlust der beruflichen Bildung durch die Erosion des Mittelschichtversprechens infolge der wachsenden Einkommensungleichheit, zum anderen auf die Folgen der Bildungsexpansion und die damit verbundenen wachsenden Statuserwartungen. Das Ansehen der dualen Ausbildung – so das Fazit – kann nicht allein durch bildungspolitische Reformen verbessert werden, sondern muss in eine nachhaltige Aufwertung und höhere gesellschaftliche Anerkennung von Facharbeit eingebettet sein.
„Das Berufsbildungssystem ist in der Krise!“ Die Anlässe für solche Äußerungen sind vielfältig und führ(t)en immer wieder dazu, bestehende Strukturen, insbesondere die Ordnungsarbeit der beruflichen Bildung, in Frage zu stellen – so auch in der im Herbst 2020 veröffentlichten Denkschrift von Dieter Euler und Eckart Severing. Vor diesem Hintergrund gibt der Beitrag Einblicke in die Ordnungsarbeit am BIBB und zeigt auf, wie es durch konsensuale Zusammenarbeit gelingt, Berufe im Spannungsfeld von Kontinuität und Wandel zu entwickeln. Dabei wird verdeutlicht, wie Ordnungsarbeit neue Entwicklungen frühzeitig erkennt, zeitnah in Ausbildungsberufe integriert und so gestaltet, dass sie langfristig und in der Fläche ausgebildet werden können.
Angesichts einer menschengemachten Verschiebung ökologischer Gleichgewichte und sozialer Benachteiligungen kommt dem Thema Nachhaltigkeit in Ordnungsmitteln eine wachsende Bedeutung zu. Allerdings fehlt bislang ein systematischer Ansatz, um Nachhaltigkeit berufsspezifisch zu identifizieren. Im Rahmen des BMBF-Förderschwerpunkts "Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE)" wurde ein Themen- und Kompetenzraster entwickelt und erprobt, um relevante Aspekte von Nachhaltigkeit sichtbar zu machen. Am Beispiel der Modernisierung des Ausbildungsberufs Hauswirtschafter/-in wird skizziert, wie dieses Raster eingesetzt werden kann.
Erwerbstätige in Teilzeit nehmen seltener an betrieblicher Weiterbildung teil als Erwerbstätige in Vollzeit. Wer sich als Teilzeitkraft berufsbezogen weiterbilden möchte, wird häufiger selbst aktiv. Doch lohnt sich diese Eigeninitiative? Welche Ziele verfolgen Erwerbstätige in Teilzeit im Vergleich zu Vollzeiterwerbstätigen mit einer berufsbezogenen Weiterbildung und können ihre Erwartungen erfüllt werden? Eine Befragung von Weiterbildungsteilnehmenden im Rahmen des Bundesprogramms Bildungsprämie gibt dazu Aufschluss.
Die Validierung nicht formalen und informellen Lernens ist ein wichtiges politisches Steuerungsinstrument, das die Durchlässigkeit der Bildungssysteme und ihre Anpassung an den Wandel der Qualifikationsnachfrage fördert. Durch die Anerkennung von nicht formal oder informell erworbenen Kompetenzen wird insbesondere von sozialer Ausgrenzung bedrohten Gruppen ein Einstieg in das formale Bildungssystem bzw. ein Zugang zu qualifizierten Tätigkeiten auf dem Arbeitsmarkt ermöglicht. Das Europäische Verzeichnis liefert einen Überblick über den Stand der Validierung in den europäischen Ländern. Im Beitrag werden ausgewählte Ergebnisse vorgestellt.
Eine abgeschlossene Berufsausbildung hat für Erwerbspersonen auf dem deutschen Arbeitsmarkt einen großen Wert. Sie verringert das Risiko von Arbeitslosigkeit oder prekärer Beschäftigung gegenüber Personen ohne Berufsabschluss. Solche Durchschnittsbetrachtungen sind wichtig, sie verschleiern jedoch auch die teils große Varianz innerhalb der Gruppe beruflich Qualifizierter. Ziel des Beitrags ist es, Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt berufsspezifisch zu analysieren. Dies erfolgt auf der Grundlage der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung, die umfassende Möglichkeiten bietet, Erträge auf dem Arbeitsmarkt zu analysieren und gleichzeitig auch berufsbedingte Belastungen zu berücksichtigen. Inwieweit Belastungen und Benachteiligungen auf Berufsebene über Löhne kompensiert werden, ist eine weitere Forschungsfrage, die in diesem Beitrag aufgegriffen wird.
Der Beitrag stellt einen im BIBB entwickelten Ansatz zur Entwicklung von Kompetenzmodellen und daraus abgeleiteten Verfahren zu Messung sozialer Kompetenzen vor. Der Ansatz wird beispielhaft für die Berufe Medizinische/-r Fachangestellte/-r und Bankkaufmann/-frau beschrieben und die Relevanz für die Berufsbildung anhand ausgewählter Ergebnisse diskutiert.
Staaten entscheiden mit weiten Ermessensspielräumen über die Aufnahme von Migrantinnen und Migranten und den Status jener, die als schutzberechtigte Flüchtlinge anerkannt werden. Nicht erst die aktuellen Debatten zeigen jedoch, dass die Bereitschaft, Schutz zu gewähren, stets ein Ergebnis vielschichtiger Aushandlungsprozesse zwischen Individuen, kollektiven Akteuren, (staatlichen) Institutionen und deren unterschiedlichen Interessen ist. Die Frage, wer unter welchen Umständen als Flüchtling verstanden und wem in welchem Ausmaß Schutz oder Asyl zugebilligt werden soll, wird seit der Einführung des Asylgrundrechts im Jahr 1948/49 immer wieder diskutiert. Ziel des Beitrags ist es, zentrale Elemente dieser Diskussionen herauszuarbeiten und dabei Bezugspunkte zur aktuellen Situation sichtbar zu machen.
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