Wie verändern die ökologische Transformation und die Energiewende berufliche Tätigkeiten und Arbeitsplätze? Wie positionieren sich die Akteure der Berufsbildung und Unternehmen, um die ökologische Transformation beruflicher Tätigkeiten voranzutreiben, obwohl Ausmaß und Art des »Greenings« von Berufen noch schwer abzuschätzen ist? Dieser Beitrag gibt auf Grundlage verschiedener Diskussionen und Forschungsarbeiten einen ersten Überblick über den Diskurs in Frankreich, der von systemischen Herausforderungen bis hin zur notwendigen Kompetenzentwicklung von Fachkräften reicht.
Zeitreihengestützte Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass seit Beginn des neuen Jahrtausends angebotsbezogene Faktoren der Beschäftigungsentwicklung und des Arbeitsmarkts in der Bedeutung gegenüber nachfragebezogenen Entwicklungen dominieren. In diesem Aufsatz wird untersucht, inwieweit sich ähnliche Zusammenhänge auch bei einer Differenzierung nach Regionen nachweisen lassen. Es wird gezeigt, dass auch die regionalen Ausbildungsmärkte vor allem durch Entwicklungen im Beschäftigungssystem und auf dem Arbeitsmarkt beeinflusst werden. Aufgrund der zu erwartenden demografischen Rückgänge könnte es künftig allerdings wieder zu einem größeren Gewicht der Nachfrageseite mit (negativen) Auswirkungen auf das betriebliche Bildungsangebot kommen.
The dual system of vocational education and training in Germany is frequently accused of failing to have achieved the leap into the knowledge and service society and of remaining too rigidly aligned to the production sector. The present paper uses the results of empirical analyses conducted by the Federal Institute for Vocational Education and Training (BIBB) as a basis for investigating whether the structures of the dual systems are, in fact, still operating in accordance with their historical origins. The results provide evidence that the increasing significance of the service sector initially brought about an attendant weakening of in-company training, although dual training has now made significant strides in developing in line with the service society. Work still remains to be done in respect of the more knowledge oriented service occupations. Of particular importance here is not to narrow down the debate to the competitive aspect of higher education.
Dem dualen System der Berufsausbildung in Deutschland wird häufig attestiert, dass es den Sprung in die Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft nicht geschafft habe und dem Produktionsbereich zu starr verhaftet sei und aufgrund ihrer Integration in den Arbeitsprozess gegenüber der höheren Allgemein- und wissenschaftlichen Bildung immer weiter ins Hintertreffen gerate. Der Aufsatz untersucht auf der Grundlage von Ergebnissen empirischer Analysen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), ob die Strukturen des dualen Systems tatsächlich noch den historischen Ursprüngen entsprechen. Die Ergebnisse belegen, dass mit dem Bedeutungszuwachs des Dienstleistungsbereichs zunächst eine Schwächung der betrieblichen Ausbildung verbunden war. Inzwischen hat sich die duale Ausbildung deutlich hin zur Dienstleistungsgesellschaft entwickelt. Nachholbedarf gibt es bei den stärker wissensorientierten Dienstleistungsberufen. Hier ist es besonders wichtig, die Diskussion nicht auf einen Konkurrenzaspekt zur Hochschulbildung zu verengen.
Ausgehend von der Diskussion über eine Systemkrise der dualen Berufsausbildung in Deutschland werden im Beitrag in einer längerfristigen Betrachtung (Zeitraum 1960er bis 1990er Jahre) Analysen zur Entwicklung der betrieblichen Ausbildung und ausgewählter Rahmenbedingungen skizziert. Hierbei zeigt sich in den letzten Jahren ein deutlicher Zusammenhang zwischen der äußerst ungünstigen Beschäftigungsentwicklung und dem Abbau betrieblicher Ausbildungskapazitäten. Empirische Belege für eine im Wesentlichen hausgemachte Krise des dualen Systems lassen sich dagegen nicht ableiten. Für die Zukunft der dualen Berufsausbildung bedeutet dies eine im Vergleich zu früheren Phasen stärkere Anbindung des betrieblichen Ausbildungsangebots an den aktuellen und künftigen Fachkräfte- und Qualifikationsbedarf der Wirtschaft.
Die im Rahmen des LEONARDO-Programms durchgeführte zweite europäische Erhebung zur betrieblichen Weiterbildung in 25 europäischen Ländern (CVTS II) förderte einen aus bundesrepublikanischer Perspektive zentralen Befund zutage: Der Anteil weiterbildender Unternehmen in Deutschland sinkt zwischen 1993 und der neueren Erhebung von 1999 von 85 Prozent auf 75 Prozent. In keinem anderen europäischen Land sind die Weiterbildungsaktivitäten rückläufig. Muss der Bildungsnotstand nun auch im Bereich der beruflichen Weiterbildung ausgerufen werden? Ländervergleichende Studien, die ihre Ergebnisse lediglich in Form von Ranking-Listen präsentieren, erklären nicht die Gründe, aus denen es zu einer solchen Entwicklung gekommen ist. Um ein tieferes Verständnis für die Veränderungen zu gewinnen, werden auf Länderebene eine Auswahl möglicher Einflussfaktoren auf betriebliche Weiterbildungsaktivitäten untersucht. Die Weiterbildungsaktivitäten der Unternehmen werden in Beziehung gesetzt zu strukturellen Indikatoren wie Arbeitsproduktivität, Beschäftigungswachstum, Arbeitslosenquote. Die Querschnittsanalyse beschränkt sich auf 14 europäische Länder. Die Analyse zeigt, dass das zentrale Kriterium für betriebliche Weiterbildungsaktivitäten das Beschäftigungswachstum darstellt. Demnach sind geringe Weiterbildungsaktivitäten der Betriebe offensichtlich primär dem geringen Beschäftigungswachstum geschuldet.
Unternehmensnahe Dienstleistungsbereiche, geprägt durch die IuK-Technik, gelten als Wachstumsbranchen mit positiver Beschäftigungsentwicklung - zunächst vor allem für Akademiker, Studenten und andere Quereinsteiger. Heute gewinnt die betriebliche Ausbildung an Bedeutung; sie wird als Möglichkeit der Personalrekrutierung positiv bewertet. Die neuen IT-, Medien- und kaufmännischen Ausbildungsberufe finden eine hohe Akzeptanz. Derzeit bildet ca. ein Drittel dieser jungen, innovativen Unternehmen aus, wobei das Ausbildungspotenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Hier zeichnet sich ein neuer Qualifikationsbedarf ab. Das sind Ergebnisse einer bundesweiten Studie und einer Call-Center-Befragung in Bremen.
Im Dienstleistungssektor sind in den vergangenen Jahren deutliche Zuwächse bei den Arbeitsplätzen zu verzeichnen, die sich jedoch nicht im Angebot an Ausbildungsplätzen widerspiegeln. Ein Forschungsprojekt des BIBB will dazu beitragen, alle Chancen für die Erweiterung des Ausbildungsplatzangebots im Dienstleistungsbereich auszunutzen. Zentrales Ziel ist festzustellen, wie es gelingen kann, in den neuen unternehmensbezogenen Dienstleistungsbereichen Betriebe für die Ausbildung zu gewinnen und die Ausbildungsbereitschaft bereits ausbildender Betriebe zu erhöhen. Des weiteren soll untersucht werden, welche Perspektiven für die Etablierung einer systematischen beruflichen Qualifizierung, wie sie das duale System der Berufsausbildung leistet, in diesen Branchen bereits bestehen oder entwickelt werden können. Ausgewählt wurden die Dienstleistungsbereiche Informations- und Kommunikationswirtschaft; Multimedia, Film; Call Center; Wirtschafts- und Unternehmensberatungen; Messe- und Veranstaltungstechnik; Handwerksbetriebe der Informationselektronik. Bisher liegen Ergebnisse aus Expertengesprächen und einer ersten Umfrage bei den Referenzbetrieben des BIBB vor, die der Beitrag vorstellt.
Geprüft werden die Prognosen zu den Arbeitsmarktchancen von Informationstechnik-Fachkräften im allgemeinen und für die neuen Ausbildungsgänge im dualen System im besonderen. Die quantitative Beschäftigungsentwicklung, die Qualifikationsentwicklung sowie die qualitative Veränderung beruflicher Aufgabenfelder zeichnen ein widersprüchliches Bild. Der Beitrag kommt zu dem Schluss, dass die Marktentwicklung per se weder Arbeits- noch Ausbildungsplätze schaffen wird. Allerdings eröffnet der Strukturwandel in der Informations- und Kommunikationstechnik-Branche sowie in den Anwenderunternehmen Möglichkeiten für eine aktive Gestaltung der beruflichen Aufgabenfelder durch eine proaktive Entwicklung und Umsetzung von neuen Ausbildungskonzepten.
Die ländlichen Räume in den neuen Ländern sind besonders stark vom wendebedingten Strukturwandel betroffen. Dieser wirkt sich auch auf die Entwicklung der Frauenbeschäftigung aus. Landfrauen stellen inzwischen den überwiegenden Anteil der Langzeitarbeitslosen dar. In dem Beitrag wird zunächst eine Differenzierung in drei Gruppen von Frauen im ländlichen ostdeutschen Raum vorgenommen, die ihre berufliche Qualifikation und ihre Arbeitsmarktchancen miteinschließt. Anschließend werden Erfahrungen der Weiterbildungspolitik und -praxis mit Frauen aus dem ländlichen Raum zusammengefaßt, wobei vor allem der Mißerfolg von Weiterbildungsmaßnahmen kommentiert wird. Inzwischen hat die Bildungspolitik auf diese Erfahrungen reagiert und spezifische beschäftigungswirksame Programme und Projekte gefördert, die entweder regionale bzw. strukturelle Nischen des Arbeitsmarktes bearbeiten oder auf das Umfeld individueller bzw. organisierter Existenzgründung abzielen.
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