Rezension zu: Höhere beruflich-betriebliche Bildung - Entwicklung, Durchführung und Attraktivität am Beispiel der Abiturientenprogramme. Ariane Neu, wbv, Bielefeld 2021
Seit Jahrzenten ist in der Bundesrepublik Deutschland ein Anstieg der Abiturientenquote zu beobachten. Diese Entwicklung geht einher mit einer höheren Studierneigung von Schulabsolventinnen und -absolventen und einem Rückgang in der dualen Berufsausbildung. Durch die Einführung von dreijährigen Bachelorstudiengängen stellt sich die Frage, ob Unternehmen für Tätigkeiten auf mittlerer Fach- und Führungsebene Fachkräfte mit einem akademischen Abschluss gegenüber beruflich Qualifizierten vorziehen. Der Beitrag geht der Frage in den Branchen Handel, Logistik, Banken und Tourismus nach und stellt hierzu Ergebnisse eines BIBB-Forschungsprojekts vor.
Der anhaltende Akademisierungstrend und der Mangel an hochqualifizierten Fach- und Führungskräften stellen das Handwerk vor große Herausforderungen. Um den Bedarf decken zu können, muss das Handwerk durch attraktive Angebote (Fach-)Abiturientinnen und -Abiturienten stärker als Nachwuchskräfte gewinnen. Der Beitrag zeigt am Beispiel eines trialen Studiums, wie dies durch Kooperation zwischen Handwerk und Hochschule gelingen kann.
Ungeachtet der Wehrpflichtaussetzung, doppelter Abiturientenjahrgänge und eines Anstiegs von studienberechtigten Lehrstellenbewerberinnen und -bewerbern stiegen 2011 die Chancen der ausbildungsinteressierten Jugendlichen. Die Rekrutierungsprobleme der Betriebe nahmen dagegen zu. Dies ist das diesjährige Ergebnis der Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Sie spiegelt die Ausbildungsmarktverhältnisse für all jene Jugendlichen und Betriebe wider, welche die öffentlichen Beratungs- und Vermittlungs dienste einschalten.
Geregelte Aufstiegsfortbildung ist für den Aufstieg der Absolventen des dualen Systems zu mittleren und Fach- und Führungskräften auch bei Expansion der Hochschulabschlüsse eine entscheidende und zukunftsträchtige Basis. Jedoch sind die bisher für diesen Aufstieg erforderlichen Kompetenzen im Projektmanagement, für Führungsaufgaben, Aufgaben der Gestaltung betrieblicher Kommunikation und Kooperation und für strategische Aufgaben in der traditionellen Aufstiegsfortbildung noch zu wenig verankert gewesen. Neue Zielgruppen wie Abiturienten, Studienabbrecher, Hochschulabsolventen stellen zudem die Aufstiegsfortbildung vor weitere Herausforderungen und eröffnen ihr neue Möglichkeiten. Der Beitrag stellt die ordnungspolitisch wichtigsten Ergebnisse einer Untersuchung für die kaufmännische Aufstiegsfortbildung mit Schwerpunkt Fachwirt in den Dienstleistungsbranchen vor und gibt einen Ausblick auf die Perspektiven. Generell wurde festgestellt, dass die Aufstiegsfortbildung für die Professionalisierung der mittleren Fach- und Führungsfunktionen sowie die Qualifikationsversorgung des unternehmerischen Mittelstandes vielen Unternehmen nicht bewusst ist. Ein gezieltes Marketing für das Produkt Aufstiegsfortbildung sei erforderlich und Ziel und Qualität der Aufstiegsfortbildung besser auf die Situation dieser Zielgruppe auszurichten. Ihre Förderung erfordere öffentlich-rechtlich geregelte Abschlüsse; hier müsse die Ordnungsarbeit verstärkt ansetzen.
Der Aufsatz stellt bildungspolitisch bedeutsame Formen berufsabschlussbezogener Zusatzqualifikationen anhand typischer Modelle vor, die in den Bereichen Handwerk sowie Industrie und Handel zu finden sind. Im Einzelnen sind dies die Bildungsangebote Betriebsassistent im Handwerk" und "Europäisches Wirtschaftsmanagement mit Fremdsprachen", welche sich insbesondere an die Zielgruppe der Abiturienten richten. Dem Aufsatz liegen leitfadengestützte Gespräche mit Beteiligten an diesen zusatzqualifizierenden Bildungsgängen zugrunde.
Im Jahre 1999 ist die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge in den neuen Berufen wieder um mehr als 50 Prozent gestiegen. Nahezu 30.000 Jugendliche erhielten einen Vertrag in einem der 31 Berufe, die seit 1996 geschaffen wurden. Es zeigt sich insgesamt, dass die neuen Berufe ein erhebliches Ausbildungspotenzial vor allem in den Bereichen Informationstechnologie, Medien und Verkehr erschlossen haben. Der Frauenanteil in den neuen Berufen ist eher unterdurchschnittlich (28 Prozent), die informationstechnischen Berufe wurden sehr häufig von Realschülern und Abiturienten gewählt (nahezu die Hälfte haben das Abitur oder die Fachhochschulreife).
Auf der Basis einer repräsentativen Erwerbstätigenbefragung (BIBB/IAB-Erhebung 1991/92) wird untersucht, welche Karrierewege den Abiturienten in Bezug auf Einkommen, beruflicher Zufriedenheit und Arbeitsplatzsicherheit den größten Erfolg versprechen. Erwerbstätige Abiturienten mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung werden den Abiturienten gegenübergestellt, die nach dem Abitur andere Optionen wahrgenommen haben. Zusammenfassend sind folgende Ergebnisse hervorzuheben: Abiturienten, die keine weiteren formalen Abschlüsse erworben haben, waren am häufigsten arbeitslos bzw. in befristeten Arbeitsverhältnissen beschäftigt. Diejenigen, die nach dem Abitur eine betriebliche oder schulische Berufsausbildung absolviert haben, erzielen zwar die niedrigsten Einkommen, ihre Arbeitsmarktchancen scheinen aber relativ günstig zu sein. Eine Doppelqualifikation (Berufsausbildung plus Hochschulstudium) bringt zwar keine finanziellen Vorteile, doch bezüglich der Sicherheit des Arbeitsplatzes und der beruflichen Zufriedenheit schneiden die Doppeltqualifizierten besser ab als Akademiker ohne Zusatzqualifikation.
Etwa 15 Prozent der Auszubildenden, die in das duale System einmünden, besitzen die (Fach-)Hochschulreife. In einigen kaufmännischen Berufen sind es sogar mehr als die Hälfte. Für die Betriebe ist die Ausbildung von Abiturienten/-innen eine ambivalente Angelegenheit: Zwar schätzen sie ihre schulische Vorbildung, doch müssen sie nach Ausbildungsende mit ihrer Abwanderung an die Hochschulen rechnen. Welche Strategien entwickeln Betriebe angesichts dieses Dilemmas? Das Bundesinstitut für Berufsbildung ging dieser Frage in Gesprächen mit Personalverantwortlichen aus 30 Groß- und Mittelbetrieben und mit ca. 30 Absolventen nach. Den Erfahrungen und Konzepten der Betriebe im Umgang mit ihren studienberechtigten Auszubildenden werden die Sichtweisen der Ausbildungsabsolventen gegenübergestellt.
In dem Projekt "Mobilitätsverhalten und Berufsperspektiven studienberechtigter Fachkräfte in Betrieben und Maßnahmen zu ihrer weiteren Qualifizierung" wurden Entscheidungsprozesse und Mobilität von Absolventen mit Studienberechtigung nach der Lehre sowie deren Berufsperspektiven und weitere Qualifizierung durch die Unternehmen untersucht. Der Beitrag zeigt die beruflichen Perspektiven der Absolventen mit Studienberechtigung aus der Sicht von Unternehmen ausgewählter Wirtschaftsbereiche auf. Insgesamt stellen die Unternehmen den studienberechtigten Absolventen des dualen Systems gute berufliche Perspektiven in Aussicht. Dementsprechend besteht auch eine recht hohe Bereitschaft, sich in der Qualifizierung und Personalentwicklung dieser Nachwuchskräfte zu engagieren. Dennoch existieren große Unterschiede zwischen den einzelnen Wirtschaftsbereichen: In der Industrie und im Handwerk werden im eigenen Unternehmen weniger positive Berufsaussichten für die Absolventen gesehen als in Handelsbetrieben, Banken und Versicherungen. Günstige Aussichten zum Aufstieg werden den dual Ausgebildeten mit kaufmännischem Abschluß in den sogenannten "Abiturientenberufen" eingeräumt, abgeschwächt auch in den gewerblich-technischen Berufen. Im kaufmännischen Sektor ist oftmals das innerbetriebliche Karrieregefüge durchlässiger. Begrenzt beurteilen die befragten Betriebe die Chancen zum Aufstieg in die Führungsspitze der mittleren Unternehmensebene.
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