Evidenzbasierte Politikberatung hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Hierzu wurden unterschiedliche Grundlagen geschaffen. Zu nennen sind u.a. internationale Vergleichsstudien zur Kompetenzmessung wie TIMMS und PISA, aber auch PIAAC oder das Nationale Bildungspanel (NEPS), mit dem Bildungsprozesse im Lebensverlauf erforscht werden. In der beruflichen Bildung hat evidenzbasierte Politikberatung schon seit den 1970er-Jahren in Form der Berufsbildungsberichterstattung Tradition und ist zudem gesetzlich verankert. Nach einem kurzen Abriss ihrer Grundlagen und Entwicklung werden zwei neuere Indikatoren zur Beschreibung der Ausbildungssituation beispielhaft erläutert und in ihrer Reichweite für eine indikatorenbasierte Berufsbildungsberichterstattung erörtert.
Angesichts allgemein rückläufiger Ausbildungsstellenbewerber/-innen sind Unternehmen gefordert, auch auf die verborgenen 'Talente' zu schauen und diese zu fördern. Dabei richtet sich das Augenmerk zunehmend auf Kompetenzen, die im Lebensverlauf erworben wurden, aber nicht immer bewusst und unmittelbar sichtbar sind. Mit dem ProfilPASS steht ein Instrument zur Verfügung, diese Kompetenzen zu dokumentieren. In dem seit 2009 vom BMBF geförderten Projekt 'ProfilPASS in der Wirtschaft' sollen seine Einsatzmöglichkeiten im betrieblichen Kontext erprobt werden. Im Beitrag wird die Arbeit mit dem ProfilPASS in zwei Ausbildungsgruppen der Deutschen Telekom AG vorgestellt.
In seinem Editorial weist BIBB-Präsident Manfred Kremer darauf hin, dass das Lernen im Lebensverlauf noch nicht zur Selbstverständlichkeit geworden ist und nur gelingen könne, wenn im Lebensverlauf erfolgreich gelernt wird. Die Grundlagen für die Fähigkeit und Bereitschaft zum kontinuierlichen Lernen werden in der frühen Kindheit und in der Grundschule gelegt. Ein zu großer Teil von Kindern und Jugendlichen, vor allem aus sogenannten 'bildungsfernen' Elternhäusern, erwirbt diese Grundlagen nicht. Diese schlichte Einsicht habe die deutsche Bildungspolitik bis in die späten 1990er Jahre weitgehend ignoriert. Priorität für Bildung werde häufig postuliert und zu selten realisiert.
Das im Jahr 2008 begonnene Nationale Bildungspanel (NEPS) untersucht den Zusammenhang von Kompetenzentwicklung und Bildungsverläufen in der Bundesrepublik Deutschland in allen Phasen des Lebensverlaufs, vom frühen Kindes- bis ins späte Erwachsenenalter. Der Beitrag gibt einen Überblick über das Forschungsdesign des NEPS und stellt exemplarisch dar, welches Potenzial das NEPS für die Erforschung von individuellen Verläufen in und nach der Phase einer beruflichen Ausbildung bietet.
Die Gestaltung erfolgreicher Bildungs- und Berufsbiografien liegt nicht allein in der Verantwortung jedes einzelnen, sondern erfordert ein Bildungs- und Beschäftigungssystem, das individuelle Entwicklungsverläufe ermöglicht und fördert. Wie es gelingen kann, in unterschiedlichen Lebensphasen Bildungszugänge und -angebote differenziert und flexibel zu gestalten, ist Thema dieser Ausgabe. Hierzu werden Forschungsvorhaben und -befunde sowie Praxiskonzepte vorgestellt. Im Editorial „Lebenslanges Lernen – Wunsch und Wirklichkeit“ geht BIBB-Präsident MANFRED KREMER der Frage nach, warum das Lernen im Lebensverlauf trotz vieler guter Ideen und Beispiele noch nicht zu Selbstverständlichkeit geworden ist. Weitere Beiträge der Ausgabe befassen sich u. a. mit der Fachkräftegewinnung nicht ausbildender Betriebe, der Selektivität und Dysfunktionalität vorberuflicher Bildung und der Frage, wie der DQR zu Anerkennung nichtformalen und informellen Lernens beitragen kann.
Nahezu jeder sechste Jugendliche, der im Jahr 1986 eine Berufsausbildung aufnahm, brach diese vorzeitig ab. Etwa die Hälfte dieser Jugendlichen blieb nach dem Abbruch unversorgt, d.h. eine berufliche Re-Integration blieb bislang erfolglos. Ob und inwiefern die Anzahl jährlicher Vertragslösungen mit der Entspannung auf dem Ausbildungsstellenmarkt zurückgeht, bleibt vorläufig ungewiß. Mit einiger Gewißheit ist jedoch vorauszusehen, daß der Ausbildungsabbruch für jene Jugendlichen, die danach unversorgt sind, ganz erhebliche Konsequenzen für den weiteren Berufsverlauf haben wird, und zwar weit über das eigentliche Abbruch-Ereignis hinaus. Welche Konsequenzen dies sind, wie Jugendliche mit Konflikten in der Berufsausbildung umgehen und wie sie den Abbruch in ihren beruflichen Lebensweg einordnen, dies herauszuarbeiten ist Ziel der Ausführungen.
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