Die Digitalisierung macht auch vor dem historisch gewachsenen und traditionsbewussten Handwerk nicht halt. Seit den letzten Neuordnungen der handwerklichen Elektroberufe gab es in der Berufspraxis einschneidende Veränderungen. Für die Sozialpartner war dies Anlass, im Jahr 2019 ein Neuordnungsverfahren anzustoßen. Der Beitrag präsentiert zunächst anhand der mit den Sachverständigen diskutierten Perspektiven den stattfindenden Wandel in der Berufsgruppe. Vor diesem Hintergrund werden im zweiten Teil die wichtigsten Änderungen der neugeordneten Berufe vorgestellt.
1996 wurde der Verein Innovative Berufsbildung e.V. mit dem Ziel gegründet, innovative Entwicklungen in der Berufsbildungspraxis zu initiieren, zu fördern und öffentlich bekannt zu machen. Seit 1997 vergibt der Verein jährlich den Hermann-Schmidt-Preis, um mit ihm besondere Leistungen aus ausgewählten Bereichen der Berufsbildung auszuzeichnen. In 2004 wurde der thematische Schwerpunkt "Kundenorientierung in der beruflichen Bildung" gewählt. Namensgeber ist der langjährige Generalsekretär des BIBB, Prof. Dr. Hermann Schmidt.
Für den großen Wirtschaftsbereich Einzelhandel wurden die Ausbildungsberufe Verkäufer/-in und Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel grundlegend modernisiert. Es wurde ein Gesamtkonzept entwickelt, das identische Inhalte in den ersten beiden Ausbildungsjahren enthält und flexible Auswahlmöglichkeiten bietet. Auf diese Weise soll die Durchlässigkeit zwischen beiden Ausbildungsberufen und damit auch die Durchstiegsmöglichkeiten für Verkäufer(innen) verbessert werden. Wesentliche inhaltliche Neuerungen bestehen bei der Neufassung der Warenkunde, der Warenwirtschaft, des Rechnungswesens, der Anwendung der Informations- und Kommunikationstechniken und der Kundenorientierung sowie in der Aufnahme der unternehmerischen Selbständigkeit als Zusatzqualifikation.
Modellversuche spielen bei der notwendigen Erneuerung von Inhalten, Methoden und Strukturen der Berufsbildung seit Jahrzehnten eine bedeutende Rolle. Sie greifen innovative Trends auf und leiten beispielhaft praktische Schritte bildungspolitisch relevant erscheinender Neuentwicklungen auf breiter Ebene ein. Ihre seismographische und demonstrative Funktion erfüllen Modellversuche über das Zusammenwirken von Berufsbildungspraxis, -forschung und -politik. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) begleitet im Auftrag des Ministeriums für Bildung und Forschung die Wirtschaftsmodellversuche seit fast 30 Jahren. In dem Beitrag werden aktuelle Schwerpunkte der Modellversuchsarbeit vorgestellt: Innovative Bildungsdienstleister, Gestaltung der Ausbildung in kleinen Betrieben, Wissensmanagement in der beruflichen Aus- und Weiterbildung, Prozessorientierung in der beruflichen Bildung.
Moderne Chemiearbeit in mittelständischen Strukturen ist durch prozessorientierte Unternehmenskonzepte zur Beherrschung kundenorientierter Vielfalt (Produkte, Rohstoffe, Prozesse ...) charakterisiert. Konsequenzen für die Berufsbildung sind dabei nicht nur unternehmensintern, sondern auch in regionalen Bildungsstrukturen zu bewältigen. Ziel des Modellversuchs ist es, die Ausbildung in den neu geordneten Laborberufen so zu gestalten, daß sie der geschäftsprozessorientierten Entwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen gerecht wird. Der zugrunde liegende didaktische Ansatz wird im Beitrag dargestellt.
Bildungsträger müssen den Qualifizierungsbedarf ihrer Kunden möglichst individuell erfassen können. Erst dann lässt sich ein individuelles Angebot inhaltlich als auch methodisch entwickeln. Die Arbeitsgruppe QUIC, eine Kooperation der Münchner Volkshochschule und der Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung - GAB München, entwickelt und erprobt im Rahmen eines Modellversuches ein Vorgehen, das Bildungsträger zur Analyse des Qualifikationsbedarfs in Klein- und Mittelunternehmen einsetzen können. Bei der möglichst arbeitsplatznahen Umsetzung sollen die innerbetrieblichen Wissensressourcen berücksichtigt werden. Der Beitrag stellt die QUIC- Qualifikationsbedarfsanalyse vor und diskutiert ihre Praktikabilität und Finanzierbarkeit in der Praxis.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (www.bibb.de) hat ein Forschungsprojekt zur "Evaluation der Büroberufe" durchgeführt, dessen Ergebnisse und Überlegungen zur Neuordnung nun vorliegen. Die Evaluation der Ausbildungsordnungen zeigt, ob und wie die Intentionen der Neuordnung vor zehn Jahren in der betrieblichen und schulischen Ausbildung sowie in den Prüfungen umgesetzt werden. Dabei wird auch geklärt, wie Qualifikationen verwertet werden und wieweit die Ausbildungsordnungen anforderungsgerecht gestaltet sind. Der Beitrag gibt einen Überblick über die Forschungsergebnisse und daraus abzuleitende Schlussfolgerungen für eine weitere Neuordnung der Büroberufe. Ergebnis der Evaluation ist, dass die Büroberufe als Querschnittsberufe in allen Wirtschaftszweigen und in der öffentlichen Verwaltung unabhängig von der Betriebsgröße akzeptiert sind. Im Unterschied zu der bisher eher binnenorientierten Ausrichtung der Büroberufe auf die Schwerpunkte Rechungs- und Personalwesen werden diese Berufe sich zukünftig stärker an den Bereichen Kundenorientierung, Projekt- und Qualitätsmanagement orientieren unter der Berücksichtigung neuer Einsatzgebiete, insbesondere E- Government, Call Center, Kundendienst und Sachbearbeitungsaufgaben in öffentlichen Verwaltungen.
Seit mehr als 10 Jahren fördern das BIBB und das BMBF in Modellversuchen Aspekte der Neupositionierung von ausserbetrieblichen Bildungsträgern zu Bildungsdienstleistern. Ausgangspunkt waren die Bildungsbedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) in Zusammenhang mit der Einführung neuer Technologien. Der Schritt vom Bildungsträger zum Bildungsdienstleister signalisiert den Weg vom Standardangebot (Lehrgänge, Seminare) zu spezifischen, an die betrieblichen Bedürfnisse angepassten Dienstleistungen (etwa Lern- und Arbeitsaufgaben). In dem Beitrag werden einige Aspekte und Trends skizziert, die aufzeigen sollen, wie sich Bildungsdienstleister neu positionieren müssen.
Im Rahmen des europäischen ADAPT-Projektes Re-Use wurden der Recyclingsektor untersucht und eine Studie zu "Arbeit, Beschäftigung und Qualifikation" im Sektor erstellt. Im Mittelpunkt der Untersuchungen standen die Beschäftigungsstrukturen, die Vielfalt der Arbeitsaufgaben, der Aufgabenwandel am Beispiel ausgewählter Betriebe, die Arbeits- und Geschäftsprozesse und die Aus- und Weiterbildungskonzpetionen der Betriebe. Im Beitrag werden der Aufgabenwandel (Spartenvielfalt, Kundenorientierung, Technikentwicklung) und daraus resultierende Konsequenzen für die Qualifizierung der Mitarbeiter im Recyclingsektor dargestellt. Die Autoren stellen zusammenfassend fest, dass in der Kreislaufwirtschaft verstärkt Qualifizierungsprozesse von unten etabliert werden müssen. Die Implementierung einer Berufsausbildung, ergänzt um Weiterbildungskonzepte, sollte angestrebt werden; es sind Konzepte zu entwickeln, die direkt an den Arbeitsprozessen anknüpfen und/ oder Lernen am Arbeitsplatz ermöglichen.
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