ln der bildungspolitischen Diskussion der Bundesrepublik Deutschland wird z. Z. unter Berufsausbildung im wesentlichen die Qualifizierung Jugendlicher in einem der 452 Ausbildungsberufe verstanden. Im früheren Sprachgebrauch handelt es sich um die Lehrlingsausbildung, von der angenommen wird, daß sie in Deutschland traditionsgemäß nur in der Form der Meisterlehre oder in der Verbindung von Meisterlehre und Berufsschule (duales System) praktiziert worden sei und praktiziert wird. Aus dieser Sichtweise heraus ist es verständlich, wenn gelegentlich zwei Grundmodelle der Lehrlingsausbildung einander gegenübergestellt werden, nämlich das sogenannte deutsche System, eben die Lehrlingsausbildung in Betrieb und Berufsschule, und das sogenannte romanische System, die in Sonderheit in beruflichen Vollzeitschulen sich vollziehende Ausbildung in einem praktischen Beruf auf Facharbeiterebene.
Der Verfasser wertet eigene Umfragen an den Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland und bei den Kultusministerien der Länder aus. Die wichtigsten Ergebnisse sind:- Die Zahl der Studenten für das Lehramt an beruflichen Schulen hat sich seit den fünfziger Jahren mindestens vervierfacht. Sie beträgt heute im Vergleich zur Zahl der Lehrer an beruflichen Schulen etwa ein Drittel.- Das Studium für das Lehramt an beruflichen Schulen hat sich immer mehr zu einem Aufbaustudium für Fachhochschulabsolventen entwickelt.- Künftig muß mit jährlich ca. 5000 Studienabsolventen für das Lehramt an beruflichen Schulen gerechnet werden; bei 4.100 Seminarplätzen/Jahr sind Wartezeiten für Referendare zwischen Studienabschluß und Vorbereitungsdienst nicht ausgeschlossen.
ln dieser Anregung zu einem Forschungsvorhaben wird im Hinblick auf den vom Bildungsrat geforderten "FachabschlußB" der Sekundarstufe II diskutiert, wie empirisch ermittelt werden kann, ob in der Sekundarstufe II vollschulischausgebildete Techniker in der Industrie der Bundesrepublik Deutschland eingesetzt werden können. Es wird vorgeschlagen, die Situation der an beruflichen Sekundarschulen des Auslandes vollschulisch ausgebildeten Techniker, die eventuell in der Bundesrepublik Deutschland beschäftigt sind, zu untersuchen, vor allem die der Absolventen der Höheren Technischen Lehranstalten Österreichs (Klasse 9-13). Eine Umfrage bei einigen (süddeutschen) Großbetrieben hat ergeben, daß solche Absolventen in der Bundesrepublik Deutschland tatsächlich tätig sind. Diese 19jährigen Maturanten (!) werden nach den Auskünften der Firmen im wesentlichen zwischen dem Techniker und dem lng. (grad.), jedoch näher dem lng. (grad.), eingeordnet. Ihre Einarbeitungszeit soll länger als die der Fachhochschulabsolventensein: offensichtlich stellt die Tätigkeit als Konstrukteur ihren Beschäftigungsschwerpunkt dar.
ln diesem Aufsatz werden die Ergebnisse einer im Juni 1973 durchgeführten Umfrage über die derzeitige Situationder Fachdidaktik an jenen Universitäten der BRD mitgeteilt, an denen Lehrer für berufliche Schulen ausgebildet werden. Das wichtigste Ergebnis: Es gibt offensichtlich noch kein schlüssiges Konzept für das fachdidaktische Studium der Lehrer beruflicher Schulen. Die Lehrveranstaltungen werden vor allem von "Lehrbeauftragten", meist handelt es sich dabei um Lehrpersonal beruflicher Schulen, sowie von Angehörigen des "akademischen Mittelbaues", nur in seltensten Fällen von Professoren veranstaltet und finden oft überhaupt nicht statt. Eine wissenschaftliche Fachdidaktik für die Berufsausbildung muß offensichtlich erst noch entwickelt werden; denn die Situationsanalyse spricht dafür, daß Fachdidaktik bis jetzt nur als gedankliche Durchdringung bisher geübter Unterrichtspraxis beruflicher Schulen verstanden wird. Fachdidaktische Lehrveranstaltungen für die betriebliche Berufsausbildung fehlen ganz.
In diesem Beitrag wird die Trennung zwischen berufspraktischer und berufstheoretischer Ausbildung problematisiert und über eine empirische Untersuchung in den tschechoslowakischen Skoda-Werken in Pilsen berichtet, bei der Lehrlinge versuchsweise den Unterricht in Werkstattpraxis, Technologie und Technischem Zeichnen durch einen einzigen Lehrer erhielten. Die so ausgebildeten Lehrlinge erzielten dem tschechoslowakischen Bericht zufolge bessere Leistungen in der Abschlußprüfung als diejenigen Lehrlinge, die von Lehrmeistern und Theorielehrern für Technologie und Technisches Zeichnen unterrichtet wurden.
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