Kann das duale Berufsbildungssystem gut genug auf Arbeit in der Wissensgesellschaft vorbereiten? Diese Frage wird mitunter mehr oder weniger skeptisch beantwortet. Insbesondere werden Zweifel geäußert, wieweit das Lernen in betrieblichen Arbeitsprozessen den steigenden kognitiven Anforderungen an Arbeitstätigkeiten gerecht werden kann. Im Gegensatz zu diesen pessimistischen Einschätzungen wird in diesem Beitrag gezeigt, dass gerade duales Lernen dann besonders gut auf die Wissensgesellschaft vorbereitet, wenn dafür die mit ihr verbundenen informationstechnischen Möglichkeiten genutzt werden. Denn die Wissensgesellschaft macht Lernen als Teil der Arbeitstätigkeit auf allen Hierarchieebenen notwendig und schafft gleichzeitig mit ihren neuen Informationstechnologien die Voraussetzungen für dieses Lernen. Zunächst sollen hier Trends der Wissensgesellschaft als lernender Gesellschaft beschrieben werden, um dann zu zeigen, wie sich diese Trends für die Weiterentwicklung der beruflichen Ausbildung nutzen lassen.
Die Durchlässigkeit zwischen Berufsbildung und Hochschule ist in Deutschland nach wie vor mangelhaft. Die Bildungspolitik setzt darauf, die Durchlässigkeit zwischen den beiden Bildungssystemen durch Verfahren zur Anrechnung beruflich erworbener Kompetenzen auf Hochschulstudiengänge zu verbessern. Die bisherigen Ergebnisse zeigen jedoch, dass sich mit den vorgeschlagenen Verfahren nur wenige Inhalte aus beruflichen Ausbildungsgängen auf Studiengänge anrechnen lassen. Als Alternative wird in diesem Artikel ein Vorschlag skizziert, auf berufliche Kompetenzen und Erfahrungen aufbauende Bachelorstudiengänge als akademische Weiterbildung für Fachkräfte einzurichten. In einem solchen Ansatz wird eine Chance gesehen, Berufsbildung und Hochschule systematisch- aufbauend miteinander zu verbinden und damit durchlässige berufliche Karrierepfade zu schaffen.
The new training regulations stipulate the demand for "process-oriented" implementation of training, with the goal of simplifying the adaptation of training to the requirements of industrial work processes and the rapid technological and organisational transformations. The current regulations specify business tasks which are described in general terms, and the enterprises have to provide the clear definition of the content themselves. This article describes the consequences for the implementation of training which arise from process orientation and designates the new tasks connected with it and the skills requirements for the personnel involved.
The new training regulations stipulate the demand for "process-oriented" implementation of training, with the goal of simplifying the adaptation of training to the requirements of industrial work processes and the rapid technological and organisational transformations. The current regulations specify business tasks which are described in general terms, and the enterprises have to provide the clear definition of the content themselves. This article describes the consequences for the implementation of training which arise from process orientation and designates the new tasks connected with it and the skills requirements for the personnel involved.
Um die Anpassung der Ausbildung an betriebliche Anforderungen und den schnellen technischen und organisatorischen Wandel zu erleichtern, wird in den neuen Ausbildungsordnungen die Forderung gestellt, die Ausbildung "prozessbezogen" durchzuführen. Der Beitrag beschreibt die Konsequenzen für die Ausbildungsgestaltung und benennt die damit verbundenen Aufgaben und den Qualifizierungsbedarf für das Ausbildungspersonal.
Ausbildungsordnungen legen zu vermittelnde Inhalte fest, überlassen die Entscheidung, mit welchen Methoden dies geschieht, grundsätzlich jedoch den Ausbildungsbetrieben. Es sind aber gerade die Methoden, auf die es für die Umsetzung eines bestimmten Ausbildungskonzeptes ankommt. Mit den Ausführungen soll gezeigt werden, daß sich die Vorzüge von prozessbezogenen Ausbildungsordnungen von Betrieben dann besonders gut nutzen lassen, wenn sie die Ausbildung als aktive Wissensarbeit der Auszubildenden gestalten, wie es bei der Deutschen Telekom AG geschieht. Sie entwickelt gegenwärtig ein umfassendes System der Netzunterstützung für die Ausbildung in den betrieblichen Leistungsprozessen, das sich an Konzepten des Wissensmanagements orientiert.
Prozessorientierung verändert die Anforderungen an Arbeitstätigkeiten. Einheitliche Tätigkeitsprofile gehen verloren und die Anforderungen können sich ständig verändern. Es stellt sich die Frage, ob die Prozessorientierung das bestimmende Merkmal der sich abzeichnenden Entwicklung der beruflichen Bildung ist. Hypothese der Autoren ist, daß mit dem schnellen technischen und organisatorischen Wandel auch fachliche Grundlagen ihre Bedeutung verlieren. Prozessorientierung bedeute, jede erworbene Kompetenz nur als vorläufig und jederzeit veränderbar zu betrachten. Anliegen des Beitrages ist es, ein gemeinsames Verständnis und auch eine gemeinsame Sprache über aktuelle Entwicklungen in der beruflichen Bildung herzustellen. Der Begriff "Prozessorientierung" und seine Dimensionen werden behandelt, auf den Paradigmenwechsel wird eingegangen, mit der Prozessorientierung verbundene Konsequenzen aus dem schnellen technischen und organisatorischen Wandel aufgezeigt und schließlich untersucht, wie Aus- und Weiterbildung auf diese neue Berufswelt vorbereiten kann. Entscheidende Frage für die Zukunft der betrieblichen Ausbildung wird sein, wie gut es gelingt, Wissensarbeit als Kernkompetenz in die Ausbildung zu integrieren. Dazu müssen Berufe nicht mehr statisch durch Inhalte, sondern dynamisch durch Aufgaben definiert werden. Ausbildung ist nur noch als Einstieg in das lebenslange Lernen zu betrachten.
Im Rahmen eines Modellversuches erprobt die Deutsche Telekom AG für zwei Berufe die Integration des Fernstudiums in die betriebliche duale Ausbildung (Industriekaufmann mit Studium zum Diplom-Betriebswirt (FH) und Fachinformatiker mit Studium zum Diplom-Telekommunikationsinformatiker). Ziel der Doppelqualifikation ist es, Führungskräfte mit praktischer Ausbildung zu gewinnen. Mit jedem Studiengang werden zwei Modelle erprobt: eine gemeinsame Ausbildung und ein gemeinsames Studium als virtuelle Lerngruppe und die Integration eines Fernstudiums unter Einbindung einer Berufsschule. Im Beitrag wird das Modell unter dem Aspekt der Integration von Fernstudium und Berufsschule betrachtet. Mit konventionellen Lehrbriefen könnte daraus ein neues Modell für duale Studiengänge entstehen.
Seit Herbst 1998 erfolgt die Ausbildung der Ausbilder (AdA) in Deutschland nach einem modernen, handlungsorientierten Konzept. Die Erfahrungen mit der Gestaltung der neuen AdA wurden für das deutsch-chilenische AdA-Projekt genutzt, ein Vorhaben der deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ). Das Friedrichsdorfer Büro für Bildungsplanung erarbeitete Modulvorschläge für diese Qualifizierung, die in dem Beitrag vorgestellt werden.
In keiner Branche finden gegenwärtig so schnelle Veränderungen statt wie in den Unternehmen der Informationstechnik mit ihren kurzen Innovationszyklen und aggressiven Wettbewerbern. Nur Unternehmen, denen es gelingt, sich für den schnellen Wandel die geeignete Organisation zu schaffen und auch die Belange der beruflichen Aus- und Weiterbildung beachten, werden längerfristig überleben. In allen großen Unternehmen - so auch der Deutschen Telekom - werden deshalb Reorganisationsprogramme zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit durchgeführt. Der Beitrag beschreibt, wie bei der Telekom im Rahmen zweier Innovationsvorhaben die Ausbildung an den Grundprinzipien des lernenden Unternehmens ausgerichtet wurde. Mit der Einführung der IT-Berufe wurde die Ausbildung in den Betrieb integriert, mit dem Modellversuch "Berufskarrieren im Betrieb" die Ausbildung selbst als lernende Organisation gestaltet.
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