In den Jahren 1998 und 1999 haben je rund 142.000 Personen an einer Weiterbildungsprüfung bei den Kammern (Industrie und Handel, Handwerk) teilgenommen. Damit wurde der Abwärtstrend gestoppt. Die Teilnahme an Weiterbildung ist insgesamt gestiegen, den grössten Raum nehmen Lehrgänge und Kurse ein, d.h. nicht zertifizierte Weiterbildung. Ursache ist der Trend zu kurzfristig konzipierten, flexibel angelegten Kurssystemen, die auf aktuelle Bedürfnisse, insbesondere im IT-Bereich, ausgerichtet sind.
Thema des Beitrages ist, wie die Berufsverläufe der Erwerbstätigen derzeit durch Berufswechsel geprägt werden und welche damit zusammenhängenden Sachverhalte und Entwicklungen sich daraus ergeben. Grundlage ist eine repräsentative Befragung der Erwerbstätigen in Deutschland, die gemeinsam von BIBB und IAB 1998/99 durchgeführt wurde. Die Daten belegen, dass ein Teil der Veränderungen und Entwicklungen am Arbeitsmarkt über die beruflichen Wechselprozesse der Erwerbstätigen aufgefangen wird. Von den Erwerbstätigen hat rund ein Drittel im Laufe des Berufslebens mindestens einmal den Beruf gewechselt, acht Prozent darunter mehrmals. Dabei zeigt sich deutlich ein Trend hin zu den Dienstleistungsberufen. Das berufliche Bildungssystem produziert flexible Arbeitskräfte. In den meisten Fällen hat sich die berufliche Mobilität für den Einzelnen gelohnt. Die Anpassung an die veränderten Bedingungen ist allerdings mit hohen Weiterbildungsanstrengungen und Anpassungsleistungen verbunden. Gleichzeitig bewirkt der Berufswechsel einen Verlust der Verwertbarkeit der in der Ausbildung erworbenen Kompetenzen. Erforderlich seien daher auch in Zukunft stärkere Anpassungen an den veränderten Qualifikationsbedarf durch Neustrukturierungen und Weiterentwicklungen der Berufe.
Welche besonderen Kenntnisse benötigen die Erwerbstätigen heute bereits bei ihrer Arbeit? Wo sehen sie derzeit den dringendsten Weiterbildungsbedarf? Und auf welche Weise versuchen sie, ihre berufliche Handlungskompetenz zu sichern? Die 1998/99 durchgeführte BIBB/IAB-Erhebung bei über 34.000 Erwerbstätigen in Deutschland zeigt, dass nur noch wenige bei ihrer Arbeit ohne besondere Fachkenntnisse auskommen. Fundierte mutter- und fremdsprachliche Fertigkeiten bilden heute zusammen mit mathematischem Wissen und Anwenderkenntnissen von Computerprogrammen den Kern des im Berufsleben erforderlichen Allgemeinwissens. Mit wachsenden Anforderungen steigt aber auch der Weiterbildungsbedarf. Manche Erwerbstätige nehmen dabei vorausschauend auch solche Qualifikationen ins Blickfeld, mit denen sie gegenwärtig noch gar nicht konfrontiert sind. Die Daten belegen des weiteren, dass die Teilnahme an beruflicher Weiterbildung kontinuierlich ansteigt, wobei die Häufigkeit vom beruflichen Status abhängt. Ihre berufliche Handlungskompetenz führen die meisten Erwerbstätigen auf eine Kombination von Erstausbildung (Lehre, Berufsfachschule, Hochschule) und arbeitsbezogenem Erfahrungswissen zurück, das im Laufe der beruflichen Tätigkeit erworben wird. Die Bedeutung des Erwerbs von Erfahrungswissen für die berufliche Handlungsfähigkeit scheint sich durch die Erhebungsdaten zu bestätigen.
Der Beitrag basiert auf Daten der seit 1979 nunmehr vierten BIBB/IAB-Erhebung, deren Feldarbeit um die Jahreswende 1998/99 durchgeführt wurde. Schwerpunkt der Untersuchung war der sich vollziehende Strukturwandel in der Arbeitswelt, insbesondere die Veränderungsdynamik in den Betrieben. Zum einen wurde nach strukturellen Veränderungen in den Wirtschaftszweigen (Vergleich der Erwerbstätigen nach Wirtschaftsbereichen und Betriebsgrössenklassen) und technisch-organisatorischen Veränderungen in den Betrieben in den zurückliegenden zwei Jahren gefragt und zum anderen, ob diese sich auf die persönliche Arbeitssituation und die Arbeitsanforderungen ausgewirkt haben. In dem Beitrag wird eine erste Auswertung der Ergebnisse insbesondere unter dem Aspekt der Veränderungsdynamik in den Betrieben vorgestellt. Es wird festgestellt, dass einer der Hauptfaktoren des Wandels in der Verbreitung der Informationstechnologie zu sehen ist. Rund drei Viertel der Erwerbstätigen haben eine Änderung im Betrieb erfahren und auch eine Auswirkung auf die persönliche Arbeitssituation (41 Prozent). Aus der Sicht der Befragten hat sich die Arbeit in dem Zwei-Jahres-Zeitraum eher negativ entwickelt. Stress und Arbeitsdruck haben zugenommen, ebenso die körperliche Belastung. Positiv zu bewertende Entwicklungsaspekte sind der Anstieg der fachlichen Anforderungen und damit verbundene berufliche Entwicklungschancen.
Vorgestellt werden erste Ergebnisse einer Befragung von Berufsfachschulabsolventen/-innen des Jahres 1998, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 1999 durchgeführt hat. Von besonderem Interesse sind dabei Fragen nach dem Verbleib, nach der Verwertung der an den Berufsfachschulen erworbenen Qualifikationen und nach Ausbildungsdefiziten, und zwar primär im Vergleich zwischen verschiedenen Berufsgruppen, aber auch verschiedenen Absolventenjahrgängen und mit Absolventen des dualen Systems. In die Untersuchung einbezogen waren die Länder Baden- Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen mit Bildungsgängen aus drei Berufsbereichen (Technische Assistentinnen, Wirtschaftsassistentinnen, Dienstleistungsassistentinnen). Die Ergebnisse zeigen insgesamt, dass Berufsfachschulen eine Multifunktionalität haben und einen eigenständigen Beitrag im deutschen Berufsbildungssystem leisten; ihre Bildungsgänge werden weiter an Bedeutung zunehmen, weil sie in hohem Masse auch für Dienstleistungstätigkeiten qualifizieren. Um den Weg über die Berufsfachschule noch attraktiver und erfolgreicher zu machen, müssten mehr Praxisnähe, eine moderne Ausstattung und die Förderung überfachlicher Qualifikationen sichergestellt werden.
In Köln wurde zum 1. August 1998 ein Projekt initiiert, das die erstmalige Umsetzung des Berufsbilds im Rahmen einer Ausbildungskooperation unterstützt. Projektpartner sind neben der Kommune fünf Institutionen und zehn Unternehmen der Medienbranche. Gefördert wird die Qualifizierungsoffensive durch das Ministerium für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Laufzeit endet zum 31. Dezember 2000. Das Projekt wurde für die modellhafte Initiierung und Unterstützung von Ausbildungskooperationen kleiner und mittlerer Betriebe ausgezeichnet. In dem Beitrag wird die Intention des Projektes vorgestellt und über erste Ergebnisse berichtet.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und das Statistische Bundesamt führen jeweils die Erhebungen zu den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen durch. Beide Erhebungen führen nicht selten zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die Lehrstellenzählungen des BIBB und des Statistischen Bundesamtes beruhen auf zwei verschiedenen, gesondert geführten Erhebungen. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden in dem Beitrag vorgestellt und die Auswirkungen der beiden Zählweisen diskutiert. Deren Unterschiede in den Ergebnissen werden vor allem auf den um drei Monate versetzten Erhebungszeitraum zurückgeführt. Berufsbildungsstatistik und -forschung sind gefordert, mehr Klarheit über die verschiedenen Einflussfaktoren auf die Ergebnisse der beiden Erhebungen zu schaffen.
Jobrotation ist ein Projektmodell, das inzwischen in allen EU-Ländern erprobt wird. Das Bremer Pilotprojekt, eines von 22 JobRotation-Projekten in Deutschland, arbeitet seit Oktober 1998 mit Betrieben und Langzeitarbeitslosen aus der Region. In Kooperation mit der Universität Bremen wurde hier zum ersten Mal ein JobRotation-Projekt bei einem regionalen Träger begonnen, der seine Arbeit auf die Beschäftigung und Wiedereingliederung von Arbeitslosen konzentriert und mit Weiterbildungsträgern zusammenarbeitet. Der Beitrag stellt das Projekt mit seinen Besonderheiten vor.
Seit Herbst 1998 erfolgt die Ausbildung der Ausbilder (AdA) in Deutschland nach einem modernen, handlungsorientierten Konzept. Die Erfahrungen mit der Gestaltung der neuen AdA wurden für das deutsch-chilenische AdA-Projekt genutzt, ein Vorhaben der deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ). Das Friedrichsdorfer Büro für Bildungsplanung erarbeitete Modulvorschläge für diese Qualifizierung, die in dem Beitrag vorgestellt werden.
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