Vorzeitige Lösungen von Ausbildungsverträgen sind in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus wissenschaftlicher Betrachtungen gerückt. Angesichts eines in vielen Branchen drohenden Fachkräftemangels ist das Thema auch verstärkt Gegenstand der Berichterstattung in den Medien geworden. Dort dominiert das Bild von nicht durchhaltewilligen und -fähigen Jugendlichen und von Vertragslösung als negativ zu beurteilendem »Abbruch«. Die hier vorgestellten Studienergebnisse zeichnen ein differenzierteres Bild: Sie geben Aufschlüsse zu den Gründen vorzeitiger Vertragslösungen im Handwerk und auch zu den weiteren Perspektiven der Jugendlichen nach einer Vertragslösung.
Im Jahr 2000 hat der Europäische Rat von Lissabon eine Agenda 2010 verabschiedet mit dem Ziel, in der Europäischen Union einen hoch dynamischen und wettbewerbsfähigen wissensbasierten Wirtschaftsraum zu schaffen, der durch nachhaltiges Wachstum, mehr und bessere Beschäftigungsmöglichkeiten sowie soziale Kohäsion gekennzeichnet ist. Bildung ist dabei ein bedeutsames Element der wirtschafts- und sozialpolitischen Strategie der Europäischen Union. Die Lissabon-Strategie ist gekennzeichnet durch die Vereinbarung von gemeinsam zu erreichenden Zielen, die Festlegung von Zeitplänen sowie die Verständigung über Indikatoren und Benchmarks. Der Artikel stellt die für den Bildungsbereich vereinbarten Benchmarks vor und diskutiert Daten und Befunde zur Frage, ob das Ziel von Lissabon erreicht wird.
Eine Lehrvertragsauflösung ist für viele Jugendliche ein sehr belastendes Ereignis. Nebst dem Gefühl versagt zu haben, steht für viele die Unsicherheit, nicht zu wissen, wie es weitergeht, im Vordergrund. Die Längsschnittstudie LEVA hat rund 1.200 Jugendliche in den ersten zwei bis drei Jahren nach der Lehrvertragsauflösung begleitet. Der Beitrag gibt einen Überblick über das Ausmaß von Lehrvertragsauflösungen im Kanton Bern und beschreibt die Ursachen aus Sicht der betroffenen Vertragsparteien. Daran anschließend wird der Verbleib der Jugendlichen nach der Lehrvertragsauflösung sowie deren Chance auf einen Wiedereinstieg in eine zertifizierende Sekundarstufe-II-Ausbildung im Zeitverlauf berichtet. Der Beitrag benennt schließlich Faktoren, die den Wiedereinstieg begünstigen respektive hemmen, und schließt mit einigen Schlussfolgerungen im Hinblick auf Maßnahmen zur Prävention von Lehrvertragsauflösungen.
Trotz der relativ hohen Anzahl vorzeitig aufgelöster Lehrverträge gab es bisher in der Schweiz kaum Untersuchungen über die Hintergründe und Ursachen von Lehrvertragsauflösungen und deren Folgen. Befragungen bei betroffenen Lehrlingen in drei Deutschschweizer Kantonen im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit, des kantonalen Amtes für Berufsbildung des Kantons Zürich und des Amtes für Bildungsforschung des Kantons Bern erfassen die berufliche Entwicklung nach der Vertragslösung, die unmittelbaren Gründe für den Ausbildungsabbruch und die Beratungsinstitutionen und -personen, die vor und nach der Vertragsauflösung konsultiert wurden. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Lehrstellenwahl, d.h. besonders gefährdet sind Jugendliche, die aufgrund der Lehrstellenknappheit Lehrverträge mangels Alternative abgeschlossen haben. Um Vertragsauflösungen entgegenzuwirken, muss sichergestellt werden, dass Betriebe ihren Lehrlingen eine geeignete Unterstützung und Förderung zukommen lassen. Auch Ausbilder spielen bei Vertragsauflösungen eine Schlüsselrolle. Zugleich sind das Betriebsklima sowie Konflikte mit dem Meister bzw. Ausbilder die häufigsten Auflösungsgründe.
In Zusammenarbeit mit Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern hat das Bundesinstitut für Berufsbildung 1990 eine Befragungsaktion bei Ausbildungsabbrechern durchgeführt. Die Erhebung wurde 1996 wiederholt. Der Anteil der Vertragslösungen hat sich in den vergangenen Jahren nur wenig verändert, obwohl sich die Ausbildungsstellensituation erheblich gewandelt hat. Der Beitrag analysiert den Zeitpunkt der Vertragslösungen, den Verbleib nach der Vertragslösung und den Ausbildungsberufswechsel bei ausgewählten Berufen. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich die Lage der Jugendlichen, die ihren Ausbildungsvertrag vorzeitig lösen, in den vergangenen sechs Jahren verschlechtert hat. Rund 60 Prozent dieser Jugendlichen hatten 1996 nach Vertragslösung keinen neuen Vertrag abgeschlossen; mehr als die Hälfte von ihnen ist arbeitslos.
Der Beitrag untersucht die Gruppe der jungen Erwachsenen ohne Berufsausbildung. Im Mittelpunkt stehen Überlegungen, statistische Angaben und Schätzungen zum Anteil der Ausbildungsabbrecher. Im Ergebnis wird festgestellt, dass der Jahrgangsanteil von Jugendlichen ohne Ausbildungsabschluss ungefähr bei 16 Prozent liegt. Rund 80 Prozent der Jugendlichen ohne Ausbildungsabschluss sind Ausbildungsabbrecher; die größte Gruppe machen die Ausbildungsabbrecher aus dem dualen System aus.
Um empirische Daten über den Verbleib von Ausbildungsabbrechern zu erhalten, wurden 9.656 Personen, die ihre Ausbildungsverträge im letzten Quartal 1990 in 14 ausgewählten Handwerks- und Industrie- und Handelskammern vorzeitig gelöst haben, schriftlich befragt (Rücklauf: 26,2 %). Nach den Ergebnissen lassen sich drei Gruppen von Vertragslösern unterscheiden: Die größte Gruppe mit knapp der Hälfte der Fälle bilden die Ausbildungswechsler. Die zweite Gruppe mit einem Drittel der Fälle sind Personen, die sich für einen anderen Berufsweg oder Ausbildungsweg entscheiden und der betrieblichen Ausbildung den Rücken kehren. Die dritte Gruppe mit einem Anteil von 19 Prozent umfaßt Personen, die ohne Ausbildung sind, aber eine solche anstreben. Ein größerer Teil dieser Gruppe, das zeigen die überdurchschnittlich hohen Arbeitslosenzahlen, zählt zu den Problemfällen von Vertragslösern, bei denen Persönlichkeitsgründe wie z.B. Lernschwäche für die Vertragslösung überwiegen dürften.
Um Ausmaß, Gründe und Folgen des ersatzlosen Ausbildungsabbruchs einschätzen zu können, wurde ein repräsentativer Querschnitt der bundesdeutschen Wohnbevölkerung im Alter von 20 bis unter 25 Jahren (Stichprobengröße = 6.622 Personen) mündlich zur Berufsausbildung befragt. 2,8 % der Altersgruppe hatten eine duale Ausbildung begonnen und wiesen keinen Ausbildungsabschluß auf. Unter den Abbrechern sind Hauptschüler ohne Abschluß und Sonderschüler mehr als zehnmal so häufig und ausländische Jugendliche mehr als doppelt so häufig vertreten wie unter den Ausbildungsabsolventen. Zwischen den Geschlechtern zeigen sich dagegen keine signifikanten Unterschiede. Als Gründe für den Abbruch wurden vor allem Schwierigkeiten mit Ausbildern, familiäre und gesundheitliche Probleme, eine falsche Berufswahl, die Notwendigkeit, Geld zu verdienen, und eine zu schwierige theoretische oder praktische Ausbildung genannt. 40 % der befragten Abbrecher sind nicht bereit, noch einmal eine Berufsausbildung zu beginnen.
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