Im Beitrag wird, ausgehend von einer Definition von Fachsprache, diskutiert, welche Rolle Fachsprache und fachsprachliche Kompetenz für die Fachidentität spielen. Befördert durch eine zunehmende Spezialisierung und Ausdifferenzierung von Fächern und Berufen, gerät eine sprachlich konstituierte Fachidentität in interfachlichen oder fachexternen Zusammenhängen nicht selten in Konflikt mit den Erwartungen von Laien in Bezug auf eine verständliche Vermittlung von Expertenwissen. Der Beitrag betont vor diesem Hintergrund die Bedeutung einer Verständigungskompetenz von Expertinnen und Experten und legt abschließend dar, was unter einer "fachlichen Sprachkultiviertheit" im gesellschaftlichen Kontext verstanden werden könnte.
Im Kommentar zum Heft hebt Professor Dr. Reinhold Weiß die Bedeutung der Berufsforschung hervor. Er weist auf ihre Funktion hin, den Strukturwandel zu begleiten, neue Bedarfe zu identifizieren, Ursachen und Wirkungszusammenhänge offenzulegen sowie Gestaltungsvorschläge zu entwickeln. Darüber hinaus muss sie, neben der Untersuchung von Grundlagen der Berufsentwicklung, auch individuellen Perspektiven, insbesondere die Entwicklung beruflicher Identitäten sowie der Gestaltung von Berufsbiografien, erforschen.
Erfahrungsfähigkeit und Erfahrungswissen sind Grundlagen professionellen Handelns und beruflicher Identität. Ein systematischer Aufbau von Kompetenzen zur Nutzung der verschiedenen Arten und Kontexte des Lernens muss sowohl auf individueller als auch auf betrieblicher Ebene konzeptionell und praktisch unterstützt werden. Erfahrungsfähigkeit und Kompetenzen für erfahrungsgeleitetes Arbeitshandeln zu fördern, ist Ziel der Modellversuchsreihe "Erfahrungswissen - die verborgene Seite beruflichen Handelns". Die Bedeutung von erfahrungsgeleitetem Lernen und Handeln erfordert eine Neugewichtung dieses Kernthemas beruflicher Bildung auf breiter Ebene, geeignete Vorgehensweisen, Gestaltungsräume und eine Verbindung mit dem System der formellen beruflichen Bildung. Der Beitrag stellt die übergreifenden Ziele der Modellvorhaben und zentrale Ergebnisse aus einzelnen Modellversuchen dar, die neue Wege des Kompetenzerwerbs aufzeigen.
Ein wesentlicher Grund für den Beschäftigtenabbau in Großbetrieben wird in der abnehmenden Effizienz großbetrieblicher Strukturen gesehen. Sie wird in dieser Studie auf die geringere Zufriedenheit der Beschäftigten zurückgeführt. Untersucht werden verschiedene Aspekte von Berufsausbildung und Erwerbstätigkeit (Bildungsabschluss, Qualifikationsverwertung, Arbeitsteilung, Aufstiegschancen und Verdienstmöglichkeiten) in Abhängigkeit von der Betriebsgröße. Dabei stützt sich die Untersuchung besonders auf die subjektive Zufriedenheit der Erwerbstätigen: Mit steigender Betriebsgröße fällt die Zufriedenheit hinsichtlich beinah aller erfragten Aspekte der Berufstätigkeit (Aufstiegsmöglichkeiten, Betriebsklima, Art und Inhalt der Tätigkeit, Arbeitsbelastung, Möglichkeiten, die eigenen Fähigkeiten anzuwenden) zum Teil beträchtlich. Die für Kleinbetriebe typische hohe Verwertbarkeit und Zufriedenheit weisen auf eine größere Übereinstimmung von erworbener beruflicher Identität und betrieblichen Anforderungen hin. Mit der Arbeitszufriedenheit sinkt dagegen in den Großbetrieben auch die Arbeitsmotivation und damit die Arbeitseffizienz. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, versuchen Großbetriebe, angetrieben durch den verschärften Wettbewerb und unterstützt durch die gewachsenen schulischen und beruflichen Qualifikationen der Erwerbstätigen, die Produktivität durch den Abbau der Arbeitsteilung zu fördern. Daraus folgen ein abnehmender Anteil von Erwerbstätigen in Großbetrieben sowie der Rückzug von Großunternehmen aus der Berufsausbildung.
Ziel des Modellversuchsprogramms des Bundes ist, "an praktischen Beispielen aufzuzeigen, daß eine wesentlich größere Zahl von bisher fast ausschließlich mit Männern besetzten Berufen auch für Frauen geeignet ist". Zur Fragestellung, inwieweit Frauen den durch die Betriebe gesetzten Anforderungtn genügen, gehört neben "technischen" Aspekten wie Körperkraft, durch den Körperbau bedingten Bewegungsradius usw. aber auch die Frage nach der Vereinbarkeit von weiblicher Identität und gewerblich-technischer Berufsausbildung bzw. Berufstätigkeit. Es ist davon auszugehen, daß Mädchen aufgrund ihrer Sozialisation andere Verhaltensweisen und Dispositionen entwickeln als Jungen. Die Lebensperspektive von Mädchen beinhaltet immer auch die Verantwortlichkeit für Kinder, Familie und Haushalt. Die Berufsausbildung und der Wunsch nach Berufstätigkeit stehen neben der Familienorientierung. Mädchen gehen häufig davon aus, daß sie später höchstens "mitarbeiten" können, wenn Haushalt und Familie es zulassen. Auch stark berufsmotivierte Mädchen der Modellversuche streben ein Dreiphasenmodell und/oder Teilzeitsarbeit an.
Das Anliegen dieses Beitrages ist es, über die Tagesfragen hinauszusehen und die fraglos beträchtlichen aktuellen Probleme der Berufsbildung auf ihre strukturellen Momente hin zu durchdenken und grundsätzlich zu fragen, was denn die Ziele und Inhalte der Berufs.blldung sein sollen und in welchen Ausbildungsformen sie realisiert werden können. Eine derartig grundsätzliche Reflexion auf Ziele, Inhalte und Formen, also der Qualität der Berufsbildung, scheint mir dringend erforderlich.
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