Der Strukturwandel in Wirtschaft und Arbeit erfordert gut qualifizierte Fachkräfte, gerade auf mittlerer Qualifikationsebene. Bereits heute zeigen sich jedoch Fachkräfteengpässe in einzelnen Branchen und Berufen. Gleichzeitig nehmen Hinweise zu, dass ein erhebliches Potenzial an Fachkräften nicht genutzt wird. Entgegen dem Trend, den Fachkräftemangel zu beklagen, richtet diese BWP-Ausgabe den Blick auf Fachkräftepotenziale und geht der Frage nach, was heute zu tun ist, um Potenziale durch passgenaue Aus- und Weiterbildung, mehr qualifizierte Zuwanderung und zielführende Integrationsprozesse besser zu erschließen.
Unternehmen benötigen gut qualifiziertes Personal, um konkurrenzfähig zu bleiben. Gerade bei Fachkräften mit Fortbildungsabschluss ergeben sich jedoch zunehmend Besetzungsprobleme. Dies liegt unter anderem an den vermeintlich attraktiveren Karriereperspektiven mit Hochschulabschluss, die mehr Jugendliche in ein Studium ziehen. Im Beitrag wird die Bedeutung beider Qualifikationsniveaus aus Unternehmenssicht anhand ausgewählter Merkmale miteinander verglichen. Zudem werden Ansätze beschrieben, wie Unternehmen Beschäftigte mit Blick auf eine berufliche Fortbildung fördern können.
Im Wettbewerb um leistungsstarken Nachwuchs benötigen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) häufig Hilfestellung: Wie präsentiere ich mich als attraktiver Ausbildungsbetrieb und gewinne so geeignete Bewerber/-innen? Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt mit dem Programm JOBSTARTER plus KMU in diesem Prozess. Im Beitrag werden zwei Instrumente vorgestellt, die im Rahmen des externen Ausbildungsmanagements (EXAM) hier ansetzen.
Junge Menschen haben scheinbar immer weniger Interesse an einer Berufsausbildung und setzen stattdessen verstärkt auf ein Studium. Im Jahr 2013 war die Zahl der Anfänger/-innen im Hochschulsektor erstmals höher als in der dualen Berufsausbildung nach BBiG/HwO. Die Diskussion um die Akademisierung ist in Deutschland durch die Sorge um einen Fachkräftemangel im mittleren Qualifikationssegment geprägt. In welchem Ausmaß sich das Verhältnis zwischen Berufsausbildung und Studium tatsächlich verschiebt, wird in diesem Beitrag auf der Grundlage aktuell verfügbarer Daten aus den amtlichen Statistiken untersucht.
Welche Qualifikationen werden in Zukunft auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt werden – berufliche oder akademische? Und wo wird es möglicherweise zu Engpässen kommen? Im Beitrag werden Ergebnisse der ersten regionalspezifischen BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen (QuBe-Projekt) vorgestellt. Die Analysen zeigen, dass im Zusammenspiel mit der regionalen Bevölkerungsentwicklung und der dortigen Wirtschaftsstruktur die Arbeitsmarktsituation von hohen Arbeitskräfteengpässen bis zu hohen Überhängen an Arbeitskräften reichen kann. Engpässe werden nach den Projektionen auf der qualifikatorischen Ebene in nahezu allen Regionen vor allem im Bereich der mittleren Ausbildungsabschlüsse auftreten, jedoch mit unterschiedlichen Folgen.
Jährlich legen rund 30.000 Absolventinnen und Absolventen ihre Prüfung in bundeseinheitlichen kaufmännischen Fortbildungsberufen auf Meister-/ Bachelorebene ab. Ihre Bedeutung und die Zuordnung der Abschlüsse auf Niveau 6 des DQR förderten in den vergangenen Jahren konzeptionelle Entwicklungen zur Standardisierung dieser Fortbildungsregelungen. Der Beitrag zeigt Funktionen dieser Berufe auf, stellt die handlungs- und prozessorientierte BIBB-Konzeption für berufsübergreifende Qualifikationen (BeQua) vor und gibt Einblick in Strukturdiskussionen, die mit der Umsetzung in künftigen Verordnungen einhergehen.
Gewerbliche Ausbildungsberufe geraten bei der Berufswahl von Jugendlichen in Russland weiter ins Hintertreffen, da akademische Abschlüsse ein höheres gesellschaftliches Ansehen haben und bessere Karrierechancen versprechen. Gleichzeitig mangelt es der Wirtschaft an qualifizierten Fachkräften auf mittlerer Qualifikationsebene. Im Beitrag werden Maßnahmen zur Unterstützung der Berufsorientierung von Schülerinnen und Schülern in der Region Belgorod in Russland beschrieben, die das Interesse an gewerblichen Ausbildungsberufen wieder steigern sollen.
Mit den Herausforderungen des demografischen Wandels für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) beschäftigt sich das Projekt 'female PROFESSIONALS. Frauenpotenziale in Betrieben nutzen!', welches der Bundesarbeitskreis ARBEIT und LEBEN gemeinsam mit seinen Landesarbeitsgemeinschaften und dem Bildungswerk der Wirtschaft Sachsen-Anhalt an sechs Standorten durchführt. Insgesamt werden über hundert KMU bei der Analyse, Förderung und Nutzung der Potenziale ihrer Mitarbeiterinnen um 50 Jahre unterstützt und die Weiterbildungsbeteiligung der Frauen in dieser Altersgruppe durch konkrete Vereinbarungen erhöht.
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern die im Rahmen des Bologna-Prozesses erfolgte Expansion des tertiären Bildungssektors und seine stärkere Orientierung an der Beschäftigungsfähigkeit der Hochschulabgänger/-innen dazu führt, dass Absolventinnen und Absolventen einer Berufsausbildung am Arbeitsmarkt benachteiligt werden. Das Projekt 'Rekrutierung auf der mittleren Qualifikationsebene' weist darauf hin, dass aus Sicht der Rekrutierungsverantwortlichen Bachelorabschlüsse zukünftig zwar vermutlich mehr nachgefragt werden, ohne jedoch die Rolle der Berufsbildung wirklich zu schmälern. Dies lässt sich in der Schweiz auch darauf zurückführen, dass Fachhochschul-Bachelor in der Regel zunächst eine Berufsausbildung absolviert haben
Klein- und Mittelbetriebe (KMU) verfügen seit jeher über nur schwach entwickelte Weiterbildungsstrukturen. Angesichts zunehmender reflexions- und prozessbezogener Qualifikationsanforderungen wächst der Bedarf an Unterstützung und maßgeschneiderten Qualifizierungslösungen, zu denen KMU im Allgemeinen nicht eigenständig in der Lage sind. Bildungsträger haben hier die Chance, diese Qualifizierung durchzuführen und für KMU in einer netzwerkartigen Kooperation zusätzliche Aufgaben des Bildungsmanagements wahrzunehmen. Dies kann aber nicht gelingen, solange sie an der seminar- und lehrgangsförmigen Weiterbildung festhalten. Eine professionelle Qualifizierungs- und Lernprozessbegleitung setzt den Wandel vom Bildungsträger zur Lern- und Bildungsagentur und damit zum Bildungsdienstleister voraus. Dieser Wandel wird hier unter systematischen Gesichtspunkten dargestellt und am Beispiel eines kleinbetrieblichen Bildungsträgers im Bereich der Informationstechnik exemplarisch aufgezeigt.
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