Die ländlichen Räume in den neuen Ländern sind besonders stark vom wendebedingten Strukturwandel betroffen. Dieser wirkt sich auch auf die Entwicklung der Frauenbeschäftigung aus. Landfrauen stellen inzwischen den überwiegenden Anteil der Langzeitarbeitslosen dar. In dem Beitrag wird zunächst eine Differenzierung in drei Gruppen von Frauen im ländlichen ostdeutschen Raum vorgenommen, die ihre berufliche Qualifikation und ihre Arbeitsmarktchancen miteinschließt. Anschließend werden Erfahrungen der Weiterbildungspolitik und -praxis mit Frauen aus dem ländlichen Raum zusammengefaßt, wobei vor allem der Mißerfolg von Weiterbildungsmaßnahmen kommentiert wird. Inzwischen hat die Bildungspolitik auf diese Erfahrungen reagiert und spezifische beschäftigungswirksame Programme und Projekte gefördert, die entweder regionale bzw. strukturelle Nischen des Arbeitsmarktes bearbeiten oder auf das Umfeld individueller bzw. organisierter Existenzgründung abzielen.
Vor dem Hintergrund der 10. Novellierung des Arbeitsförderungsgesetzes von 1993 wurden Untersuchungen zur Situation arbeitsloser Aussiedler/-innen sowie zur Angebotspraxis der Bildungsträger durchgeführt. Insgesamt haben sich die Ausgangsbedingungen für eine berufliche und soziale Integration von Aussiedlern erheblich verschlechtert. Kosteneinsparungen und die 10. Novellierung des Arbeitsförderungsgesetzes gefährden ihre berufliche Integration. Von Arbeitslosigkeit betroffen sind besonders Angehörige von Organisations-, Verwaltungs- und Büroberufen sowie Arbeitskräfte aus der Land- und Forstwirtschaft, Akademiker und Frauen. Um den Eingliederungsprozess von Aussiedlern in die Berufs- und Arbeitswelt wirksam zu unterstützen, müsste eine langfristig angelegte Förderpolitik stabile Finanzierungsgrundlagen zur Verbesserung sprachlicher und beruflicher Fähigkeiten schaffen.
Im Mittelpunkt der Ausführungen steht ein Modellversuch zur Motivation und Umschulung arbeitsloser Frauen, für den ein Umschulungskonzept in Form eines Lernortverbunds zwischen Berufsbildungsstätte und Fachbetrieben ausgearbeitet wurde. In der Kombination von außerbetrieblichen und betrieblichen Ausbildungsteilen liegt die Chance zu einer zielgruppen- und beschäftigungssystemorientierten Gestaltung der Umschulungsmaßnahmen. Der betriebliche Ausbildungsteil geht weit über ein bloßes Betriebspraktikum hinaus und erfordert eine intensive Kooperation zwischen den beiden Lernorten. Den Ausbildungprozeß beratend und unterstützend zu begleiten, ist Aufgabe von Sozialpädagoginnen, die auch für die Vorbereitung der Kooperationsbetriebe und der Umschülerinnen zuständig sind, mit dem Ziel, möglichst realistische Vorstellungen und Erwartungen zu entwickeln. Die Betriebe sind stärker in die Ausbildungsverantwortung einbezogen und identifizieren sich in höherem Maße mit dem Ausbildungserfolg ihrer Umschülerinnen. Umgekehrt ist auch die Entwicklung einer Betriebsbindung auf seiten der Frauen festzustellen.
Der Beitrag dokumentiert Eckpunkte folgender EG-Programme: PETRA (Aktionsprogramm der Europäischen Gemeinschaft für die Berufsbildung Jugendlicher und ihre Vorbereitung auf das Erwachsenen- und Erwerbsleben*), FORCE (Das Aktionsprogramm der Europäischen Gemeinschaft für die Entwicklung der Weiterbildung), EUROTECNET (Aktionsprogramm der Europäischen Gemeinschaft im Bereich der Berufsbildung und der neuen Informationstechnologien), IRIS (europäische Netz von Gemeinschaftsprogrammen zur Berufsausbildung von Frauen), ERGO (Aktionsprogramm der Europäischen Gemeinschaft für die Langzeitarbeitslosen), LINGUA (Aktionsprogramm der Gemeinschaft zur Förderung der Fremdsprachenkenntnisse) und Die Gemeinschaftsinitiativen EUROFORM, NOW und HORIZON.
In dem Beitrag werden am Beispiel des Modellprojektes "Motivation und Umschulung längerfristig arbeitsloser Frauen in Zusammenarbeit mit Klein- und Mittelbetrieben", das seit 1984 an der Münchner Volkshochschule durchgeführt wird, die Bedingungen und Erfahrungen einer integrierten Bildungsmaßnahme diskutiert. Eine solche Bildungsmaßnahme beinhaltet das Zusammenwirken beruflicher, allgemeiner und persönlicher Bildungsprozesse, in denen auch bisherige und künftige Lebensentwürfe und das Spannungsverhältnis zwischen den unterschiedlichen Anforderungen des privaten Lebens und des Erwerbsbereichs Lerngegenstand sind. Die Autorinnen gehen davon aus, daß ein integriertes Bildungskonzept und weitere innovative Ansätze dazu beitragen können, daß die hohen Abbruchquoten bei Umschulungen gesenkt und die berufliche Handlungsfähigkeit von Frauen gestärkt werden.
Der Beitrag berichtet kurz über einen Modellversuch, in dessen Rahmen seit Oktober 1985 Frauen gemeinsam mit Männern in Zukunftsberufe (Energiegerätemechaniker und Informationselektroniker) umgeschult werden. Während der vorgeschalteten Orientierungsphase und der eigentlichen Umschulung zeigten sich unterschiedliche Lernhaltungen und Aneignungsweisen von Frauen und Männern: Frauen bevorzugen eher kooperative Arbeits- und Lernformen wie Gruppenarbeit, während Männer eher allein und selbständig arbeiten. Handwerkliche Arbeiten erledigen die Frauen überwiegend sorgfältiger und präziser, dafür aber langsamer als die Männer. Die technische Fachsprache bereitet den Frauen größere Schwierigkeiten als den Männern, ebenso das abstrakte Denken.
"Weiterbildung von Frauen" als Schwerpunktbereich der Weiterbildungsforschung ist relativ neu: angesichts einer gegenüber den Männern überproportional hohen Frauenarbeitslosigkeit setzten erst Ende der siebziger Jahre Bemühungen ein, Frauen verstärkt für Weiterbildung zu aktivieren. Es stellte sich jedoch sehr bald heraus, daß sich das Weiterbildungsverhalten von Frauen nicht entsprechend einer gewünschten höheren Beteiligung an berufsfördernden Maßnahmen verändern ließ.
Wie die statistischen Aufgaben über arbeitslose junge Frauen zeigen, schützt Berufsausbildung nicht generell vor Arbeitslosigkeit, vor allem nicht bei einer Konzentration weiblicher Auszubildender auf relativ wenig Ausbildungsberufe, Wirtschaftszweige und auf die untersten Stufen im beruflichen Qualifizierungssystem. Das vorliegende Material über dieEntwicklung des Ausbildungsplatzangebots für Mädchen zeigt keinen Abbau der Benachteiligung der Mädchen im Berufsbildungssystem und den daran anknüpfenden Beschäftigungs-, Aufstiegs- und Einkommenschancen. Es ist ehernoch zu vermuten, daß sich mit steigenden Zahlen von Schulabsolventen bei gleichbleibendem oder sogar schrumpfendem Angebot an Ausbildungsplätzen die Benachteiligungen weiter verstärken werden. Eine Forderung nach globaler Erhöhung des Ausbildungsplatzangebots ohne Struktur- und Qualitätsanforderungen würde die Benachteiligungen in der Frauenerwerbstätigkeit sowie deren Auswirkungen auf die soziale Sicherung der Frau festschreiben.
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