Junge Geflüchtete in Deutschland verfolgen im Durchschnitt zunächst eher akademische Berufsbildungsziele und seltener eine berufliche Ausbildung. Der Beitrag geht der Frage nach, ob eine längere Aufenthaltsdauer dazu beiträgt, dass sich ihre Ziele ändern und junge Geflüchtete häufiger eine berufliche Ausbildung anstelle eines Hochschulstudiums anstreben. Hierzu werden die repräsentativen Daten der IAB-BAMF-SOEP-Befragung von 17-jährigen Geflüchteten ausgewertet.
Das BMBF-geförderte Modellvorhaben „VerOnika“ zielt auf die Erprobung verzahnter Orientierungsangebote. Diese sollen den Teilnehmenden gleichwertig Einblicke in ein Hochschulstudium sowie in eine berufliche Ausbildung bieten, um so eine erfahrungsbasierte Bildungsentscheidung zu ermöglichen. Der Beitrag stellt Befunde der wissenschaftlichen Begleitung dieses Modellvorhabens vor. Diese resultieren aus qualitativen und quantitativen Start- und Abschlussbefragungen der Programmteilnehmenden und spiegeln insbesondere deren Perspektive auf die verzahnten Orientierungsprogramme wider.
Vor der konkreten Berufswahl entsteht bei vielen Jugendlichen erstmals das Gefühl, für das eigene Leben verantwortlich zu sein. Der Beitrag schlägt das Konzept der erwerbsbiografischen Selbstverantwortung als eine der konkreten Berufswahl vorgängige Orientierungsleistung vor, um diese Herausforderung theoretisch zu fassen. Es werden Kriterien pädagogischen Handelns zur Entwicklung erwerbsbiografischer Selbstverantwortung formuliert und es wird beispielhaft gezeigt, wie digitale Angebote im Sinne einer tragfähigen pädagogischen Beziehung im Übergang genutzt werden können.
Die Bildungsentscheidungen und die Berufswahl von jungen Frauen und Männern unterscheiden sich. Diese geschlechtsbezogenen Unterschiede bei den Bildungsentscheidungen setzen sich in Erwerbsverläufen und im Beschäftigungssystem fort. Die Beiträge der BWP-Ausgabe versuchen, Antworten auf die Fragen zu geben, wie es zu diesen Unterschieden kommt und welche Folgen damit verbunden sind – bspw. für den beruflichen Erfolg, aber auch für die Struktur von Berufen. Zudem stellt sich die Frage, welche Maßnahmen geeignet sind, geschlechtssegregierenden Tendenzen in Bildung und Beschäftigung entgegenzuwirken.
Alle zwei Jahre erstellt das Research Centre for Education and the Labour Market (ROA) der Universität Maastricht mittelfristige Arbeitsmarktprognosen für 21 Branchen und über 100 Berufsgruppen und Ausbildungstypen. Diese Prognosen werden zusammen mit Indikatoren zur aktuellen Arbeitsmarktsituation in einer Online-Datenbank – dem Arbeitsmarktinformationssystem (AIS) – veröffentlicht. Im Beitrag werden die Grundlagen der Arbeitsmarktprognosen und die Inhalte des AIS vorgestellt. Auch wenn das AIS zahlreiche Daten und Prognosen enthält, die für Arbeitgeber, politische Entscheidungsträger und für die Arbeitsvermittlung von Nutzen sind, legt der Beitrag den Schwerpunkt auf die Bedeutung des AIS zur Unterstützung der Ausbildungsentscheidung junger Menschen.
Immer mehr junge Menschen in Deutschland verlassen die Schule mit einer Hochschulzugangsberechtigung. Im Jahr 2014 entschieden sich zudem erstmalig mehr Schulabsolventinnen und -absolventen für ein Studium als für eine Berufsausbildung. Welche Folgewirkungen diese Entwicklungen für das duale System haben und welche Anforderungen sich daraus für das gesamte Bildungssystem ergeben, erörterten Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser und Prof. Dr. Heinz-Elmar Tenorth am 18. März in Berlin.
Im Rahmen einer Interviewstudie im Kanton Solothurn wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse Determinanten von Berufsbildungsentscheidungen untersucht. Die Ergebnisse führen zu einem Phasenmodell, das Strategien und Kontextmerkmale zur Berufswahl aufzeigt. Insbesondere wird mit Beispielen das Konzept der gebundenen Rationalität illustriert und gezeigt, wie sich Jugendliche durch Ratschläge von glaubwürdigen Vertrauenspersonen sowie durch positive Gefühle in beruflichen Tätigkeiten in ihrem Entscheidungsprozess leiten lassen. Eine effektive Unterstützung der Berufsvorbereitung sollte daher nicht nur die Vermittlung von sachlichen Informationen enthalten, sondern auch die Ermutigung zu einem beruflichen Explorationsprozess, der Erfahrungen im Berufsfeld, Bezugspersonen und Gefühle einschließt.
Das duale System der Berufsausbildung lebt vom Engagement der Betriebe. Ob ein Betrieb am dualen System teilnimmt oder nicht, hängt vom Nutzen, den Kosten und kulturellen Aspekten ab. Wichtige Erkenntnisse dazu liefern die Daten des IAB-Betriebspanels, welches 1993 startete und jährlich ca. 16 Tsd. auswertbare Interviews zur Beschäftigungssituation hervorbringt. Das Analysepotenzial ist damit noch nicht ausgeschöpft, wie die Diskussion ausgewählter Ergebnisse zu wichtigen Bestimmungsfaktoren der Ausbildungsentscheidung der Betriebe in diesem Beitrag zeigt.
In welchem Verhältnis die Ausbildungsvergütungen zu den Löhnen und Gehältern der ausgebildeten Fachkräfte stehen, ist eine bisher weitgehend ungeklärte Frage. Zwar liegen detaillierte Angaben zu Höhe und Struktur der Ausbildungsvergütungen sowie der Löhne und Gehälter vor, der Zusammenhang wurde aber bisher nicht untersucht, da miteinander vergleichbare Daten auf breiter Basis nicht verfügbar sind. Auf der Grundlage ausgewählter tariflicher Vereinbarungen soll in dem Beitrag daher exemplarisch die Relation von Ausbildungsvergütungen zu Löhnen bzw. Gehältern betrachtet werden, und zwar vor dem Hintergrund ihrer Relevanz für Ausbildungsentscheidungen. Ergebnis der Untersuchung ist, dass die Ausbildungsvergütungen im Durchschnitt bei einem Drittel des Lohn- bzw. Gehaltsniveaus liegen. Sowohl die Höhe der Ausbildungsvergütungen als auch ihr Verhältnis zu den Löhnen und Gehältern der Fachkräfte unterscheiden sich je nach Tarifbereich und Region sehr stark. Dies zeigt, dass die Ausbildungsvergütungen als Kostenfaktor der Betriebe eine sehr unterschiedliche Bedeutung haben. Aus Sicht der Jugendlichen zeigen die Ergebnisse, dass von der Vergütung nur bedingt Rückschlüsse auf die späteren Einkommen möglich sind. Die Höhe der Ausbildungsvergütung sollte daher bei der Entscheidung für einen Beruf und Ausbildungsbetrieb kein zu großes Gewicht erhalten.
Seit 1970 hat sich die Zahl der Schulabgänger mit Hochschul- oder Fachhochschulreife um über das Dreifache auf heute rund 300.000 Studienberechtigte erhöht. Dieser gewaltige Anstieg ist das Resultat zweier sich verstärkender Effekte. Der demographische Einfluß der geburtenstarken Jahrgänge der frühen 60er Jahre wurde durch die seit Mitte der 60er Jahre ungebrochene Wertschätzung der Eltern begleitet, ihre Kinder auf eine höhere Schule zu schicken. Die Frage nach dem zweiten Ausbildungsschritt - akademische Ausbildung oder berufliche Ausbildung außerhalb der Hochschule - stellt sich für die Abiturienten der geburtenstarken Jahrgänge anders als für ihre Vorgänger. Die Aufnahmefähigkeit des staatlichen Sektors für Akademiker reduziert sich aus Gründen der Haushaltskonsolidierung und der verjüngten Altersstruktur von Akademikern im Staatsdienst auf den Ersatzbedarf. Die Chancen von Akademikern, einen angemessenen Arbeitsplatz im Produzierenden Gewerbe, im Dienstleistungssektor oder in den Freien Berufen zu finden, werden enger. Angesichts dieser veränderten Berufsperspektiven orientiert sich die Ausbildungsentscheidung um, was zunächst anhand der jährlichen Totalerhebungen des Statistischen Bundesamtes zu den Studienabsichten der Abiturienten gezeigt wird.
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