Immer mehr deutsche Unternehmen sind im Ausland tätig und kooperieren mit internationalen Unternehmen. Auslandspraktika in der beruflichen Bildung – am besten bereits während der Ausbildung – eignen sich besonders, um Fachkräftenachwuchs hierfür zu qualifizieren und interkulturelle Kompetenz zu vermitteln. »Berufsbildung ohne Grenzen« ist ein Beratungsnetzwerk, um insbesondere kleine und mittlere Unternehmen bei der Organisation und Umsetzung solcher Praktika zu unterstützen.
Viele Länder streben eine verstärkte Beteiligung von Betrieben in der beruflichen Ausbildung an. Die Transparenz von Kosten und Nutzen betrieblicher Bildungsaktivitäten hilft zum einen den staatlichen Behörden, diesen Prozess adäquat zu steuern, und kann zum anderen dazu genutzt werden, Unternehmen zu überzeugen, ihr Engagement in der beruflichen Bildung zu intensivieren. Der Beitrag stellt die Herausforderungen dar, die bei der Durchführung einer Kosten-Nutzen-Analyse in Vietnam gemacht worden sind. Diskutiert werden dabei insbesondere die Anwendbarkeit des BIBB-Kosten-Nutzen-Modells, die Durchführung der Erhebung und die Interpretation der Ergebnisse unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Kontextbedingungen.
Für international agierende Unternehmen nimmt das Thema der Fachkräftequalifizierung weltweit an Bedeutung zu. In diesem Kontext wird die Übertragbarkeit des deutschen dualen Berufsbildungssystems in andere Länder kontrovers diskutiert. Der Beitrag setzt sich mit der Frage auseinander, inwieweit die Auslandsstandorte deutscher Unternehmen dem deutschen Qualifizierungsmuster folgen. Auf der Grundlage des theoretischen Zugangs der internationalen Unternehmensführung werden mittels Expertenbefragungen exemplarisch deutsche Niederlassungen in den Ländern China und USA auf ihre Ausbildungsstrategien hin untersucht. Die Befunde zeigen, dass die Qualifizierungspraktiken der Gastländer in den deutschen Niederlassungen dominieren.
Der Masterstudiengang Electrical and Microsystems Engineering an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg kann in Vollzeit, Teilzeit oder dual studiert werden. Praxisphasen waren von Beginn an wichtiger Bestandteil dieses Studiengangs. Im Projekt Jambadua wurde nun in Kooperation mit der Universiti Tunku Abdul Rahman und deutschen Unternehmen in der Region Penang in Malaysia ein dual internationales Studienmodell konzipiert. Hintergründe der Kooperation und die Entwicklung des Studienmodells werden im Beitrag beschrieben.
Beim Verkauf komplexer Technologien an ausländische Unternehmen spielt die Qualifizierung der dortigen Fachkräfte eine entscheidende Rolle. Ausbildende Ingenieurinnen und Ingenieure, die ausländische Fachkräfte mit neuen Technologien vertraut machen sollen, bringt dies jedoch in ein Dilemma: Sie sollen hochspezialisiertes Fachwissen vermitteln, ohne dabei Betriebsgeheimnisse zu verraten. Eine an der ENSTA Bretagne in Auftrag gegebene Studie beschreibt dieses Dilemma und benennt Anforderungen an die Qualifizierung ausbildender Ingenieurinnen und Ingenieure, um diese Gratwanderung besser bewältigen zu können.
Multinationale Unternehmen wählen Englisch als Unternehmenssprache, weil sie davon ausgehen, dass dieses als Lingua Franca die Kommunikation über sprachliche und kulturelle Differenzen hinweg erleichtere. Allerdings unterscheiden sich in interkulturellen Teams die Erwartungen an Kommunikation: so können alltägliche Äußerungen wie Bitten oder Rückfragen bereits als unhöflich verstanden werden, wenn muttersprachliche Muster des Bittens oder Fragens in die Fremdsprache übertragen werden. Mehrsprachige Teams stehen damit vor sprachlichen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt, wenn eine effiziente Zusammenarbeit und Kommunikation möglich sein soll. Im Beitrag werden anhand eines Fallbeispiels mögliche Probleme in der Lingua-Franca-Kommunikation sowie Lösungsstrategien skizziert. Hierbei werden beobachtbare Sprachpraxis sowie Einschätzungen der Teammitglieder gegenübergestellt und die Rolle der Sprachpolitik des Unternehmens herausgestellt.
International aktive Unternehmen wie die Fraport AG sind auf interkulturell kompetente Beschäftigte angewiesen, die sprachlich versiert und mit großem Feingefühl mit Menschen anderer Kulturen umgehen können. Um Frankfurt als internationales Drehkreuz weiter auszubauen und der internationalen Ausrichtung des Konzerns Rechnung zu tragen, wird auch die berufliche Erstausbildung junger Menschen zunehmend international gestaltet. In dem kooperativen, dualen Studiengang Bachelor Luftverkehrsmanagement ist die Förderung der interkulturellen Kompetenz und der Fremdsprachenkompetenz fester Bestandteil des Curriculums.
Unternehmen sprechen von Globalisierung und meinen damit nicht nur den internationalen Warenverkehr, sondern auch den damit einhergehenden wachsenden internationalen Einsatz ihrer Mitarbeiter/-innen. Während sich Produkte so verändern und verschicken lassen, wie dies für das jeweilige Zielland angebracht ist, verhält es sich jedoch mit dem Humanfaktor 'Auslandsentsendete (Expatriate) anders. Aus Erfahrungen in interkulturellen Trainings wird im Beitrag beschrieben, wie Unternehmen den Expatriates und ihren Familien einen guten Start ermöglichen können und welche häufig anzutreffenden Trugschlüsse dabei vermeidbar sind.
Schon heute zeichnet sich in bestimmten Regionen und Branchen ein Mangel an Fachkräften ab, der sich – bedingt durch demografische Entwicklungen – künftig noch verschärfen könnte. Die Artikel dieser Ausgabe stellen Analysen und Prognosen zum Qualifikations- und Fachkräftebedarf auf nationaler und internationaler Ebene vor. Zudem zeigen Sie Perspektiven auf, wie durch eine bedarfsorientierte Fachkräftequalifizierung in Unternehmen sowie durch Initiativen der Bildungs- und Beschäftigungspolitik einem drohenden Fachkräftemangel entgegengewirkt werden kann. Dass die Fachkräftesicherung eine originäre Aufgabe der Berufsbildung ist, betont der neue BIBB-Präsident Professor Dr. Friedrich Hubert Esser in seinem Editorial und benennt vier Aufgaben, die ganz oben auf der bildungspolitischen Agenda stehen. Weitere Beiträge in dieser Ausgabe befassen sich mit dem Einfluss der Betriebsgröße bei der Ausbildungsplatzsuche und den Finanzierungsgrundlagen der beruflichen Weiterbildung.
Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt ist nach wie vor ein verbreitetes Phänomen von erheblichem Ausmaß. Dies ist nicht nur eine soziale Herausforderung, sondern auch ein wirtschaftliches Kernproblem. Denn Diskriminierung ist mit Fehlentscheidungen der Unternehmen verbunden, die Produktivität kosten und wirtschaftliche Nachteile bringen können. Internationale Erfahrungen zeigen, dass anonymisierte Bewerbungsverfahren helfen können, Diskriminierung im Bewerbungsprozess zu reduzieren. Ein Modellprojekt testet aus diesem Grund derzeit, inwieweit sich anonymisierte Bewerbungsverfahren in Deutschland umsetzen lassen und welche Effekte resultieren. Der Beitrag gibt Einblick in Hintergründe und Stand der Debatte um anonymisierte Bewerbungsverfahren und stellt das deutsche Modellprojekt vor.
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