Für den großen Wirtschaftsbereich Einzelhandel wurden die Ausbildungsberufe Verkäufer/-in und Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel grundlegend modernisiert. Es wurde ein Gesamtkonzept entwickelt, das identische Inhalte in den ersten beiden Ausbildungsjahren enthält und flexible Auswahlmöglichkeiten bietet. Auf diese Weise soll die Durchlässigkeit zwischen beiden Ausbildungsberufen und damit auch die Durchstiegsmöglichkeiten für Verkäufer(innen) verbessert werden. Wesentliche inhaltliche Neuerungen bestehen bei der Neufassung der Warenkunde, der Warenwirtschaft, des Rechnungswesens, der Anwendung der Informations- und Kommunikationstechniken und der Kundenorientierung sowie in der Aufnahme der unternehmerischen Selbständigkeit als Zusatzqualifikation.
Die Neuordnung der Ausbildungsberufe im Einzelhandel, insbesondere Kaufmann/-frau im Einzelhandel und Verkäufer/-in ist in Stillstand geraten, da die Vorstellungen der Sozialpartner zur Neugestaltung zu unterschiedlich sind. In dem Beitrag werden ausgewählte Aspekte zur Struktur Ausbildung und Beschäftigung (Qualifikationsverwertung, Einsatzfelder, Aufstiegschancen) der Kaufleute im Einzelhandel dargestellt, um Stand und Perspektiven dieses Ausbildungsberufes deutlich zu machen und darauf aufbauend eine Neukonzeption der Ausbildung im Einzelhandel zu entwickeln. Der Vorschlag zur Neuordnung der Ausbildung soll die Diskussion um eine Einigung über die Eckwerte einen Schritt näherbringen.
In dem Beitrag wird der Frage nachgegangen, welche hierarchischen Positionsstufen und sozialen Lagen die Ausbildungsberufe des Handels ihren Absolventen eröffnen. Die Überprüfung erfolgte getrennt für Betriebe des Facheinzelhandels und für Filialunternehmen (Waren- und Kaufhäuser, Lebensmittelsupermärkte, Waren-/ Discountläden). Die empirischen Daten stammen aus der BIBB/IAB-Befragung von 1985. Die Analyse des Facheinzelhandels stützt sich auf 1.035, die der Filialbetriebe auf 470 Befragte. Die Ergebnisse bestätigen, dass die Fachausbildungen im Einzelhandel nur begrenzte Chancen für die Erreichung attraktiver Positionen und Arbeitssituationen in den Handelsbetrieben eröffnen. Eine einfache verallgemeinernde Aussage über die Statuszuweisungsfunktionen der Ausbildungsberufe, wie etwa die, dass die Verkäuferausbildung ihre Absolventen im Handel generell eher in die unteren sozialen Positionen führt und die Ausbidung zum Einzelhandelskaufmann generell größere Chancen für den Zugang zu hohen Positionen und damit zu "besseren Lebenslagen" eröffnet, wird durch die Analyse nicht gestützt.
In den industriellen Metall- und Elektroberufen ist die Umstellung auf die neuen Ausbildungsgänge bereits nahezu abgeschlossen. Wie die Daten der Berufsbildungstatistik zeigen, haben 1988, dem zweiten Jahr des Geltens der Ausbildungsordnungen, über 90 % der Auszubildenden Verträge in den neuen Berufen erhalten. Dies ist um so bemerkenswerter, als den Betrieben auch für 1988 noch eine Übergangsfrist eingeräumt worden war. Die Befürchtung, daß vor allem kleine Betriebe die Umstellung soweit wie möglich hinausschieben würden, hat sich somit nicht bestätigt.
Der Argumente für und wider einen zweijährigen Ausbildungsgang sind in den vergangenen Jahren viele gewechselt worden. Die Fragestellung allerdings, die in der "Lebensmittelzeitung" Nr. 47 vom 25.11.1983 aufgeworfen wurde, ist neu und hebt sich gegenüber den bisher für einen zweijährigan Ausbildungsgang vorgebrachten Begründungen deutlich ab: "Länger ausbilden, um die Abwanderung von Fachkräften aus dem Handel zu unterstützen?"
Seit 1968 existiert die gegenwärtig geltende Ausbildungsordnung für die Stufenausbildung zur/zum Verkäuferin/Verkäufer und zum/zur Einzelhandelskaufmann/Einzelhandelskauffrau. Die Problematik dieser Stufenausbildung prägt praktisch seit Inkrafttreten der Ausbildungsordnung die Diskussion und hat jahrelang bestimmenden Einfluß auf die Neuordnungsgespräche genommen. Gemessen an dieser zwischen den Tarifparteien umstrittenen Kernfrage erscheint das Thema Warenkunde als nahezu zweitrangig, obwohl gerade in diesem Bereich entscheidende Weichen für die fachlichen Qualifikationen des künftigen Verkaufspersonals gestellt werden. Der folgende Beitrag befaßt sich mit Inhalt und Struktur der "fachlichen Ausbildungspläne" - so die bisherige Bezeichnung für die warenbezogenen Ausbildungspläne - im Einzelhandel.
Der Autor erläutert die Notwendigkeit der Neuordnung, stellt dar, wie Qualifikationsanforderungen ermittelt wurden und informiert über die Leitlinien der Neuordnung.
Die schulische Vorbildung der Auszubildenden ist einem raschen Wandel unterworten. Während 1970 80% den Hauptschulabschluß aufwiesen, waren es 1978 nur noch 60%. Die einzelnen Schulabschlüsse sind über die Ausbildungsberufe zunehmend ungleichmäßig verteilt. Die Absolventen weiterführender Bildungsgänge bevorzugen kaufmännische und Laborantenberufe, in denen sie teilweise zu über 90% vertreten sind. Alleine die Abiturientenerreichen in manchen Berufen bereits einen Anteil von 30%. Hauptschüler sind mit hohen Quoten nur noch im gewerblichen Bereich und bei den Verkäufern/Verkäuferinnen zu finden. Die Ausbildungsberufe weisen also eine ausgeprägte Schichtung nach der schulischen Vorbildung auf. ln gewisser Weise ist die Dreigliedrigkeit des Schulsystems auch im Ausbildungssystem zu finden.
Das Berufsbild Verkäufer(in) mit der Anschlußmöglichkeit Elnzelhandelskaufmann (Stufenausbildung) zählt zu den wenig attraktiven Ausbildungsgängen im dualen System, wenngleich dieser Ausbildungsgang quantitativ an der Spitze aller Ausbildungsberufe rangiert. Hier handelt es sich um einen typischen Sackgassenberuf für Mädchen. Daß der Verdrängungseffekt auf dem Ausbildungsmarkt von Nachfragern mit höheren Bildungsabschlüssen gegenüber Hauptschülern mittlerwelle auch im Einzelhandel spürbar wird, widerspricht dieser Tatsache nicht. Aufgrund der gegenwärtigen Ausbildungsengpässe kann auch der Einzelhandel immer mehr Bestauslese durchsetzen. Dies bedeutet keineswegs, daß die Ausbildungsqualität und die Berufsmotivation dieser Jugendlichen zufriedenstellen kann.
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