Im Zuge der Diskussion um die Attraktivität des dualen Systems stellt sich die Frage, ob eine vollqualifizierende schulische Berufsausbildung eine Alternative zur Lehre darstellt. Dazu wurden Absolventen und Absolventinnen stärker besetzter Berufsrichtungen und, zur Ergänzung, höherer Handelsschulen nach ihren beruflichen Zielen, der Einschätzung ihrer Ausbildung und dem Übergangsverlauf befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass je nach Fachrichtung schwerpunktmäßig unterschiedliche Ziele und Qualifikationserwartungen mit dem Berufsfachschulbesuch verknüpft wurden. Der Übergangsverlauf an der zweiten Schwelle stellt sich im Vergleich mit Absolventen des dualen Systems nicht schlecht dar. Dass der Besuch der Berufsfachschule als Ersatz für eine Ausbildung im dualen System herhalten musste, geben insgesamt nur fünf Prozent der Befragten an. Eine Konkurrenz zur betrieblichen Ausbildung oder Warteschleifenfunktion lässt diese Befragung nicht erkennen. Vielmehr stellt die Berufsfachschule ein ebenso qualifiziertes wie qualifizierendes Angebot bereit, das ihren Absolventen anderweitig offensichtlich nicht zur Verfügung steht.
Mit Fakten zu argumentieren ist besser als mit Ideologien. Dies ist das Ziel der nachfolgenden Darstellung der Bildungs- und Ausbildungssituation junger Ausländer. Wenn heute häufig von den Gefahren einer sozialen Deklassierungund Kriminalisierung junger Ausländer die Rede ist, so muß man auch die selbstkritische Frage stellen: "Haben wir alles getan, um dieses zu verhindern?" Die nachfolgenden Daten sprechen leider dagegen.
In der bildungspolitischen Diskussion wird häufig die Auffassung vertreten, daß nur solche ausländischen Jugendlichen die Chance einer erfolgreichen Berufsausbildung haben, die die allgemeinbildende Schule in der Bundesrepublik Deutschland vollständig durchlaufen haben. Da die zahlreichen ausländischen Jugendlichen mit höherem Einreisealter gegenwärtig meist keinen Zugang zur dualen Regelausbildung finden, ziehen solche Diskussionsbeiträge die Ausbildungsfähigkeit von Späteinsteigern überhaupt nicht in Betracht. Eben solche Späteinsteiger nehmen zu 65,7 Prozent an den Modellversuchen zur Ausbildung von ausländischen Jugendlichen teil. Eine vergleichende Analyse hat ergeben, daß Späteinsteiger mit langjährigem Heimatschulbesuch günstigere Einstiegsbedingungen auch für den ausbildungsbegleitenden Spracherwerb haben als Jugendiche mit längerer Aufenthaltsdauer in der Bundesrepublik Deutschland und weder hier noch im Herkunftsland abgeschlossener Schulbildung.
Im Rahmen einer gemeinsamen vom BIBB und dem Europäischen Zentrum für die Förderung der Berufsbildung (CEDEFOP) von der Gesellschaft für Wohnungs- und Siedlungswesen als Auftragnehmer 1979/80 durchgeführten Untersuchung wurden rund 2.500 ausländische Jugendliche der sechs Hauptanwerbeländer im Alter von 15 bis 25 Jahren befragt. Die Interviews wurden jeweils in der Mutterspache durch Interviewer anhand strukturierter Fragebogen für drei Befragungsgruppen (Schüler an allgemeinbildenden Schulen, Erwerbstätige inklusive Auszubildende, Nichterwerbstätige d. h. Arbeitslose, im Haushalt mithelfende Familienangehörige usw.) durchgeführt. Ziel der Untersuchung war die Gewinnung repräsentativer Daten über die Bildungs-, Beschäftigungs-, Familien- und Wohnsituation, Ausmaß der Informations- und Sprachdefizite sowie lntegrationsaspekte, die für die berufliche und soziale Situation von Belang sind .
Mitte 1978 haben das Bundesinstitut für Berufsbildung und das europäische Zentrum für die Förderung der Berufsbildung (CEDEFOP) vereinbart, mit einem umfassenden Forschungsprojekt die besonderen Schwierigkeiten und Möglichkeiten füreine berufliche Qualifizierung ausländischer Jugendlicher zu untersuchen. Die Untersuchung soll zugleich Probleme einbeziehen, wie sie auch in anderen Staaten der Europäischen Gemeinschaft erkennbar sind. Methodisch ist die Untersuchung als ein Pilotprojekt anzusehen, das Ausgangspunkt für ähnliche Untersuchungen in anderen Ländern sein kann.
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