Seit den 2000er Jahren wird in allgemeinen bildungspolitischen Rahmenkonzepten und Kompetenzkatalogen die Bedeutung transversaler Kompetenzen betont. Darunter werden Kompetenzen verstanden, die für alle Individuen in modernen Wissensgesellschaften als zentral erachtet werden, um private, gesellschaftliche und berufliche Situationen bewältigen und mitgestalten zu können. Die verschiedenen Beschreibungen und Definitionen weisen viele Gemeinsamkeiten auf, wie ein Vergleich von drei internationalen Kompetenzkatalogen zeigt. Aufgrund theoretischer Überlegungen und empirischer Befunde muss die Transversalität von Kompetenzen jedoch kritisch hinterfragt werden. Im Beitrag wird erörtert, unter welchen Bedingungen Kompetenzen breit übertragen und transversal genutzt werden können und ob kontextunabhängige Kompetenzen eine realistische Vorstellung sind.
Daten aus wissenschaftlichen Forschungsprojekten oder amtlichen Statistiken spielen in der Wissensgesellschaft eine zentrale Rolle. Sie liefern die Grundlage für eine evidenzbasierte Politik und stoßen weitere Forschungsarbeiten an. Angesichts einer kontinuierlich wachsenden Zahl an digitalen Daten wird es umso wichtiger, in diesem Feld Transparenz zu wahren, Zugänge zu Daten zu sichern und gleichzeitig wissenschaftliche Standards für die Aufbereitung und Nutzung solcher Daten zu gewährleisten. Dies ist eine zentrale Aufgabe des im Jahr 2004 gegründeten Rats für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD). Schwerpunkte und Ziele seiner Arbeit sowie aktuelle Herausforderungen erläutert die Vorsitzende, Professor Regina T. Riphahn.
Kann das duale Berufsbildungssystem gut genug auf Arbeit in der Wissensgesellschaft vorbereiten? Diese Frage wird mitunter mehr oder weniger skeptisch beantwortet. Insbesondere werden Zweifel geäußert, wieweit das Lernen in betrieblichen Arbeitsprozessen den steigenden kognitiven Anforderungen an Arbeitstätigkeiten gerecht werden kann. Im Gegensatz zu diesen pessimistischen Einschätzungen wird in diesem Beitrag gezeigt, dass gerade duales Lernen dann besonders gut auf die Wissensgesellschaft vorbereitet, wenn dafür die mit ihr verbundenen informationstechnischen Möglichkeiten genutzt werden. Denn die Wissensgesellschaft macht Lernen als Teil der Arbeitstätigkeit auf allen Hierarchieebenen notwendig und schafft gleichzeitig mit ihren neuen Informationstechnologien die Voraussetzungen für dieses Lernen. Zunächst sollen hier Trends der Wissensgesellschaft als lernender Gesellschaft beschrieben werden, um dann zu zeigen, wie sich diese Trends für die Weiterentwicklung der beruflichen Ausbildung nutzen lassen.
Das Lernen in der Arbeit besitzt durch seinen Ernstcharakter für Beschäftigte ein hohes motivationales Potenzial. Für Unternehmen stellt es in der Wissensgesellschaft eine wichtige Produktivkraft zum Erhalt der Innovationsfähigkeit dar. Zugleich gelten jedoch die Zufälligkeit dieser Lernart und deren mangelnde Anerkennung im Bildungs- und Beschäftigungssystem als große Schwächen. Diesen Nachteilen durch eine stärkere Systematisierung und Dokumentation arbeitsintegrierten Lernens zu begegnen, war Ausgangspunkt für das in diesem Beitrag geschilderte betriebliche Weiterbildungskonzept. Die arbeitsintegrierte Weiterbildung, die für Mitarbeiter/-innen in Abfallverbrennungsanlagen konzipiert wurde, wird unterstützt durch eine Lernsoftware.
Die Europäische Union hat das Jahr 2009 zum Jahr der Kreativität und Innovation erklärt und macht damit den engen Zusammenhang zwischen der Wissensgesellschaft, Innovationsfähigkeit und internationaler Konkurrenzfähigkeit deutlich. Aber welche Anforderungen stellt der betriebliche Innovationsprozess an die Mitarbeiter/-innen im Detail? Wenn Innovationsprozesse in zunehmendem Maße arbeitsteilig ablaufen, müssen dann nicht soziale Kompetenzen und Teamfähigkeit eine zentrale Rolle spielen? Der Beitrag verortet die häufig inflationär benutzten Begriffe Innovation und Kreativität in ihren wissenschaftlichen Kontexten und trägt damit zu ihrer Versachlichung bei. Zudem geht der Autor der Frage nach, auf welche Weise entsprechende Schlüsselkompetenzen in der allgemeinen und beruflichen Bildung gefördert werden können.
Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten des Berufsbildungssystems werden davon abhängig gemacht, ob es in der Lage ist, die von einer Wissensgesellschaft nachgefragten Kompetenzen zu vermitteln. Hierzu liegen in der gegenwärtigen Diskussion konträre Einschätzungen vor, die in dem Beitrag erörtert werden. Ursache der Meinungsverschiedenheiten sind Unterschiede im Verständnis zukunftsorientierter Kompetenzen und Wissensformen, die sich an der Gegenüberstellung wissensbasierter und erfahrungsbasierter Kompetenzverständnisse zeigen. Der Artikel untersucht die Bezüge zwischen Erfahrungswissen und theoretischem Wissen und verweist auf ihren komplementären Charakter, für den sich auch empirische Belege heranziehen lassen. Abschließend werden Fragen und Forschungsdesiderate für die Berufsbildungs- und Kompetenzforschung thematisiert.
Bildungspolitische Auseinandersetzungen sind in den USA ein ständiges herausragendes Thema nationaler Debatten aller gesellschaftlichen Gruppen. Ein solcher Kommissionsbericht wurde im Dezember 2006 in Washington D.C. vorgestellt: "Tough Choices or Hard Times". Die Analyse trifft auf die derzeitigen Probleme aller Industriestaaten auf ihrem Wege in die globale Wissensgesellschaft zu. Die Reformvorschläge sind radikal, vor allem wenn man sie mit den Reformansätzen in Deutschland vergleicht. Diese sind weniger schmerzhaft. Es lohnt sich, radikaleren Lösungen Aufmerksamkeit zu widmen." Die zehn Vorschläge zur Reform des amerikanischen Bildungswesen sind: (1) Staatliche Examen setzen die Standards. (2) Die verfügbaren Ressourcen werden effizienter genutzt. (3) Aus dem ersten Drittel der besten Studenten werden die Lehrer rekrutiert. (4) Standards, Prüfungen und Curricula werden entwickelt, die die heutigen Bedürfnisse und die Anforderungen von morgen reflektieren. (5) Höchste Anforderungen werden an die Leitung, Finanzierung, Organisation und das Management der Schulen gestellt. (6) Der Kleinkinderziehung wird erste pädagogische Qualität zugewandt. (7) Den schwächsten Lernenden die stärkste Hilfe. (8) Biete allen Beschäftigten die Chance, die notwendigen neuen Qualifikationen zu erwerben. (9) Jedermann erhält ein Bildungskonto. (10) Regionale Wirtschaftsförderung und regionale Berufsbildungsplanung werden miteinander verbunden.
Erfahrungswissen und erfahrungsgeleitetes Arbeiten sind Kompetenzen, die insbesondere mit Berufen, die einen stofflich Bezug haben (wie z.B. in den Berufen aus dem Berufsfeld Metalltechnik), in Verbindung gebracht werden. Derartige Möglichkeiten für den Erwerb von Erfahrungswissen in Berufen mit einem abstrakten Gegenstandsbezug, wie sie die IT-Berufe aufweisen, sind noch weitgehend unbekannt. Im Rahmen des Modellversuchs ELA.IT wird u.a. untersucht, in welcher Weise in den IT-Berufen ein erfahrungsgeleitetes Arbeiten erforderlich ist und wie innerhalb der Erstausbildung für Fachinformatiker/innen der Erwerb entsprechender Kompetenzen unterstützt werden kann. Der Beitrag geht der Frage nach, ob und wie Erfahrung das berufliche Handeln und Können von IT-Fachkräften beeinflusst. Ergebnisse und Lösungsansätze des Modellversuches zeigen, dass Vollständigkeit und Wiederholung von Handlungsvollzügen sowie Interaktion mit dem Referenz-Handlungsfeld der IT-Facharbeit für die Kompetenzentwicklung und Selbstverständigung bereits in der Ausbildung entscheidend sind. Didaktische Konzepte, welche berufliche Handlungsfähigkeit in der Wissensgesellschaft induzieren wollen, müssen zudem Selbstorganisation und informelles Lernen berücksichtigen. Es werden vor allem offene Lern- und Organisationsformen benötigt, die erfahrungsbezogene und selbst organisierte Lernprozesse zulassen. Ein im Modellversuch erprobtes Beispiel hierfür ist der IT-Point.
Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Berufliche Bildung e.V. und Veranstalter der 13. Hochschultage Berufliche Bildung, Prof. Rützel wird zum Konzept der 13. Hochschultage 2004 und zur Rolle des Bundesinstituts für Berufsbildung auf den Hochschultagen befragt.
Prozessorientierung verändert die Anforderungen an Arbeitstätigkeiten. Einheitliche Tätigkeitsprofile gehen verloren und die Anforderungen können sich ständig verändern. Es stellt sich die Frage, ob die Prozessorientierung das bestimmende Merkmal der sich abzeichnenden Entwicklung der beruflichen Bildung ist. Hypothese der Autoren ist, daß mit dem schnellen technischen und organisatorischen Wandel auch fachliche Grundlagen ihre Bedeutung verlieren. Prozessorientierung bedeute, jede erworbene Kompetenz nur als vorläufig und jederzeit veränderbar zu betrachten. Anliegen des Beitrages ist es, ein gemeinsames Verständnis und auch eine gemeinsame Sprache über aktuelle Entwicklungen in der beruflichen Bildung herzustellen. Der Begriff "Prozessorientierung" und seine Dimensionen werden behandelt, auf den Paradigmenwechsel wird eingegangen, mit der Prozessorientierung verbundene Konsequenzen aus dem schnellen technischen und organisatorischen Wandel aufgezeigt und schließlich untersucht, wie Aus- und Weiterbildung auf diese neue Berufswelt vorbereiten kann. Entscheidende Frage für die Zukunft der betrieblichen Ausbildung wird sein, wie gut es gelingt, Wissensarbeit als Kernkompetenz in die Ausbildung zu integrieren. Dazu müssen Berufe nicht mehr statisch durch Inhalte, sondern dynamisch durch Aufgaben definiert werden. Ausbildung ist nur noch als Einstieg in das lebenslange Lernen zu betrachten.
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