Der Aufbau eines Netzes von überbetrieblichen Berufsbildungsstätten im östlichen Teil Deutschlands ist berufsbildungspolitisch eine sehr bedeutsame Aufgabe, die wesentlich höhere konzeptionelle Anforderungen stellt, als dies bei der Schaffung überbetrieblicher Ausbildungskapazitäten in den alten Bundesländern der Fall war. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, wird im folgenden beschrieben, welche Probleme aus heutiger Sicht zu meistern sind, was bei der Förderung ÜBS in den neuen Bundesländern zu bedenken ist und was gefördert werden kann.
Ausgehend von der Diskussion über eine Systemkrise der dualen Berufsausbildung in Deutschland werden im Beitrag in einer längerfristigen Betrachtung (Zeitraum 1960er bis 1990er Jahre) Analysen zur Entwicklung der betrieblichen Ausbildung und ausgewählter Rahmenbedingungen skizziert. Hierbei zeigt sich in den letzten Jahren ein deutlicher Zusammenhang zwischen der äußerst ungünstigen Beschäftigungsentwicklung und dem Abbau betrieblicher Ausbildungskapazitäten. Empirische Belege für eine im Wesentlichen hausgemachte Krise des dualen Systems lassen sich dagegen nicht ableiten. Für die Zukunft der dualen Berufsausbildung bedeutet dies eine im Vergleich zu früheren Phasen stärkere Anbindung des betrieblichen Ausbildungsangebots an den aktuellen und künftigen Fachkräfte- und Qualifikationsbedarf der Wirtschaft.
Warum bilden Unternehmen immer weniger Jugendliche aus? Warum beteiligt sich ein Grossteil der Betriebe grundsätzlich nicht an Ausbildung? Wird die duale Ausbildung in Zukunft an Stellenwert verlieren oder gibt es Ansatzpunkte zur Stabilisierung oder sogar zur Erhöhung des aktuellen Ausbildungsplatzangebots? Dies waren zentrale Fragestellungen einer repräsentativen Befragung von 2.000 Unternehmen zwischen Oktober und Dezember 2004 des Bundesinstituts für Berufsbildung. Insgesamt zeigt sich eine relativ zurückhaltende Bewertung der Effektivität von Unterstützungsmaßnahmen, da die Ausbildungsbeteiligung stark an die jeweiligen betrieblichen Rahmenbedingungen gebunden bleibt.
Den Themenschwerpunkt der Ausgabe bildet die Förderung Jugendlicher mit besonderem Bedarf an Unterstützung. Unter anderem werden in den insgesamt zehn Beiträgen zu diesem Thema Entwicklungstrends in der Benachteiligtenförderung beleuchtet, ein Blick auf die Ausbildungsorganisation in England geworfen, die Bedeutung von Softskills geprüft und die Perspektiven von Jugendliche mit Migrationshintergrund untersucht.
Im Blickpunkt widmen sich Heike Solga und Gert G. Wagner der Frage, welche Rolle die Wissenschaft in der Ressortforschung und insbesondere im BIBB einnimmt. Im einleitenden Kommentar von Manfred Kremer, Präsident des BIBB und Professor Dr. Reinhold Weiß, Forschungsdirektor des BIBB, werden die zentralen Herausforderungen für das Bundesinstitut für Berufsbildung in den kommenden Jahren vorgestellt und reflektiert. Ein Beitrag zu Möglichkeiten und Grenzen von Ausbildungskapazitäten rundet die Ausgabe 1/2006 ab.
Ausbildungsverbünde sind ein Instrument, betriebliche Ausbildungsplätze zu schaffen und eine angemessene Qualität der Erstausbildung in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sicherzustellen. Dabei wird die Berufsausbildung unter gegenseitiger Nutzung von Ausbildungskapazitäten gemeinsam organisiert und getragen. Im Beitrag werden Anliegen, Durchführung und Ergebnisse eines Modellversuchs zur inhaltlichen Ausgestaltung und Weiterentwicklung der Ausbildungsverbünde zu modernen Dienstleistern in Thüringen dargestellt. Es wird insbesondere der Frage nachgegangen, ob und wie Ausbildungsverbünde qualitativ weiterentwickelt werden können, um als dauerhafte Einrichtungen berufliche Bildung in KMU fördern und unterstützen zu können.
Ab Mitte der 90er Jahre wurden in vielen Branchen tarifliche Vereinbarungen zur Ausbildungsförderung geschlossen. Hiermit sollten zum einen die betrieblichen Ausbildungskapazitäten erhöht bzw. gesichert, zum anderen die Chancen von Ausbildungsabsolventen für eine Übernahme in ein Beschäftigungsverhältnis verbessert werden. Angesichts des erheblichen Rückgangs des Ausbildungsplatzangebotes rückt in jüngster Zeit die tarifliche Ausbildungsförderung wieder verstärkt ins Blickfeld. Hierbei stellt sich die Frage, unter welchen Voraussetzungen tarifliche Vereinbarungen wirksam zur Entspannung der Situation auf dem Lehrstellenmarkt beitragen können. Der Beitrag gibt einen Überblick über die Entwicklung der Vereinbarungen und referiert Fallstudienergebnisse zur Wirksamkeit tariflicher Ausbildungsförderung.
Die Kosten der betrieblichen Berufsausbildung sind in letzter Zeit wieder stark in die Diskussion geraten. Aufgrund der wirtschaftlichen Rezession der letzten Jahre haben insbesondere Unternehmen der Großindustrie ihre Ausbildungskapazitäten aus Kostengründen drastisch verringert. Wie die in diesem Beitrag dargestellten Ergebnisse zeigen, erreichen die Ausbildungskosten zum Teil eine beträchtliche Höhe. Dennoch kann kein Unternehmen davon ausgehen, daß sich diese Kosten durch Einstellung der Berufsausbildung einsparen lassen. Vielmehr entstehen bei der Fachkräfterekrutierung über den Arbeitsmarkt in der Regel höhere Kosten. Es wird auch darauf eingegangen, welche Kostenvorteile sich für ausbildende gegenüber nichtausbildenden Betrieben ergeben.
Der Aufbau eines Netzes von überbetrieblichen Berufsbildungsstätten im östlichen Teil Deutschlands ist berufsbildungspolitisch eine sehr bedeutsame Aufgabe, die wesentlich höhere konzeptionelle Anforderungen stellt, als dies bei der Schaffung überbetrieblicher Ausbildungskapazitäten in den alten Bundesländern der Fall war. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, wird in dem Beitrag beschrieben, welche Probleme aus heutiger Sicht zu meistern sind, was bei der Förderung überbetrieblicher Bildungsstätten in den neuen Bundesländern zu bedenken ist und was gefördert werden kann.
Die Neuordnung der industriellen Metall- und Elektroausbildung hat besonders kleine und mittlere Betriebe aufgrund ihrer in der Regel eng begrenzten Ausbildungskapazitäten vor nicht unerhebliche organisatorische, fachliche und pädagogische Umsatzungsprobleme gestellt. Die zentrale Rolle in diesem noch längst nicht abgeschlossenen Umsetzungsprozeß spielen die haupt- und nebenamtlichen Ausbilder und Ausbilderinnen, weil ihre fachlichen und sozialen Fähigkeiten ausschlaggebend für Effektivität und Qualität, also den Erfolg der neugeordneten Berufsausbildung sind. Daher ist es Zielsetzung des Modellversuches MODAL, von dessen Einleitungsphase der folgende Bericht handelt, ausbildungspraxisname und betriebsorientierte Handlungshilfen und Weiterbildungskonzptionen zu entwickeln, in denen die aktuellen Problem- und Fragestellungen des betrieblichen Ausbildungspersonals zu den neuen Ausbildungszielen, -inhalten und -methoden aufgegriffen und bearbeitet werden."
Die Umsetzung der Neuordnung der industriellen Metall- und Elektroberufe in betriebliche Ausbildungspläne sowie die Entwicklung auf die neuen Prüfungsanforderungen zugeschnittener Lehr- und Lerneinheiten ist gegenwärtig eine zentrale Aufgabe der Mehrzahl der ausbildenden Betriebe im Metall- und Elektrobereich. Dies bedeutet insbesondere für die kleinen und mittelständischen Betriebe eine nicht unwesentliche Belastung ihrer personellen und sachlichen Kapazitäten. Die Ausbildung muß inhaltlich umgestellt werden und die Ausbilder müssen ihren Sach- und Qualifikationsstand erweitern. Ferner müssen evtl. zusätzliche Ausbildungskapazitäten in der betrieblichen Kosten-Nutzen-Kalkulation berücksichtigt werden. Ein Modellversuch soll bei der Umsetzung der Neuordnung in die Praxis helfen. In dem Artikel werden dessen Ziele beschrieben und es wird die Ausbildungssituation in den Berufsfeldern Wirtschaft und Verwaltung, Metall und Elektro diskutiert. Abschließend werden die derzeitigen Beratungs- und Fortbildungsangebote zur Qualifizierung der Ausbilder genannt.
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