1996 gab das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie ein sogenanntes Bildungs-Delphi in Auftrag. Erforscht werden sollte das Expertenurteil zur Frage, was die Bildungssysteme in Zukunft leisten sollten und wie sie sich wahrscheinlich bis 2020 entwickeln werden. Für die Berufsbildung stellten Helmut Kuwan, Joachim Gerd Ulrich und Heinz Westkamp die Ergebnisse 1998 in einem BWP-Artikel vor. 22 Jahre später wagt die BWP im Interview mit einem der drei Autoren den Blick zurück, aber auch in die Zukunft.
Alle zwei Jahre erstellt das Research Centre for Education and the Labour Market (ROA) der Universität Maastricht mittelfristige Arbeitsmarktprognosen für 21 Branchen und über 100 Berufsgruppen und Ausbildungstypen. Diese Prognosen werden zusammen mit Indikatoren zur aktuellen Arbeitsmarktsituation in einer Online-Datenbank – dem Arbeitsmarktinformationssystem (AIS) – veröffentlicht. Im Beitrag werden die Grundlagen der Arbeitsmarktprognosen und die Inhalte des AIS vorgestellt. Auch wenn das AIS zahlreiche Daten und Prognosen enthält, die für Arbeitgeber, politische Entscheidungsträger und für die Arbeitsvermittlung von Nutzen sind, legt der Beitrag den Schwerpunkt auf die Bedeutung des AIS zur Unterstützung der Ausbildungsentscheidung junger Menschen.
Arbeitsmarktprognosen zeigen einen dramatischen Abbau von Einfacharbeitsplätzen. Damit verbunden ist das zunehmende Beschäftigungsrisiko von Geringqualifizierten bzw. Beschäftigten ohne formalen Berufsbildungsabschluss. Jüngste Befunde einer repräsentativen Betriebsbefragung des BIBB belegen das Interesse von rund 300.000 Betrieben an einer abschlussorientierten Nachqualifizierung dieser Personengruppe. Auf der Basis von Erkenntnissen aus Modellen zur Flexibilisierung bestehender Berufsbilder durch Ausbildungsbausteine bzw. Teilqualifikationen wird erörtert, wie diese Erfahrungen für die Nachqualifizierung junger Erwachsener nutzbar gemacht werden können.
MINT occupations, the umbrella term for job qualifications involving mathematics, information technology, natural sciences and technology, are often cited as a prime example of the imminent skills shortage. This apparent perception of a skills shortage is the subject of the following article. The principal question is whether there is actually any problem with the supply of newly qualified workers. With the help of reference data from official statistics on this occupational field and the first interpretations of the BIBB-IAB Qualification and Major Occupational Field Projections, the article aims to give a more nuanced description of the real situation in this occupational field.
Bei der Auswahl von Ausbildungsplatzbewerberinnen und -bewerbern orientieren sich die meisten Betriebe an den Schulnoten des Halbjahres- oder Abschlusszeugnisses. Ergänzend werden oft Einstellungstests durchgeführt, mit denen spezifische, für den Ausbildungsberuf relevante Kompetenzen ermittelt werden sollen. Doch lassen sich damit verlässliche Rückschlüsse auf einen späteren Ausbildungserfolg der Bewerber/-innen ziehen? Mit Hilfe eines Datensatzes, der gleichzeitig Informationen zu Schulnoten, Ergebnissen von Einstellungstests jugendlicher Bewerber/-innen und auch Leistungsdaten aus ihrer Ausbildung enthält, wird dieser Frage nachgegangen.
Die Wege junger Menschen von der Schule in eine Berufsausbildung und ins Erwerbsleben sind vielfältiger geworden. Damit sind auch die Anforderungen an die Qualifikationen und das berufspädagogische Handeln der Fachkräfte gestiegen. Welche Kompetenzen gefragt sind, um Jugendliche auf ihrem Weg in einen Beruf erfolgreich zu begleiten, beleuchten die Beiträge in diesem Heft. Hierzu werden die Anforderungen an den unterschiedlichen Lernorten Betrieb, überbetriebliche Bildungsstätten und Berufsschule sowie das professionelle Handeln am Übergang in den Blick genommen. Angesichts der differenzierten Anforderungen stellt BIBB-Forschungsdirektor Professor Dr. Reinhold Weiß im Editorial die Bedeutung des non-formalen Lernens für die Professionalisierung des Bildungspersonals heraus. Weitere Beiträge der Ausgabe befassen sich mit der Bildungsberichterstattung als Teil des kommunalen Übergangsmanagements, mit den Motiven und Zugängen ehrenamtlicher Prüferinnen und Prüfer, mit Möglichkeiten zur Prognose des Ausbildungserfolgs, sowie mit dem Einsatz des ProfilPass im Rahmen der betrieblichen Ausbildung.
Wird es im Jahr 2020 ausreichend Bewerber/-innen für betriebliche Ausbildungsstellen geben? Oder werden den Betrieben die Bewerber/-innen ausgehen und die jährlich abgeschlossenen Ausbildungsverträge drastisch schrumpfen? Demografischer Wandel, sinkende Zahlen der Schulabgänger/-innen und steigender Fachkräftebedarf werden in den nächsten Jahren den Ausbildungsstellenmarkt prägen. Im Beitrag wird daher untersucht, in welche Richtung sich die duale Berufsausbildung in Deutschland in den nächsten Jahren voraussichtlich entwickeln wird.
Seit die Konjunktur wieder Fahrt aufgenommen hat, werden zunehmend Klagen laut, dass Unternehmen offene Stellen nicht mit entsprechend qualifizierten Fachkräften besetzen können. Doch auch unabhängig von den konjunkturell bedingten Engpässen weisen unterschiedliche Modellrechnungen zum künftigen Fachkräftebedarf auf eine demografiebedingte Zuspitzung des Mismatches von Arbeitsangebot und -nachfrage für bestimmte Qualifikationen und in einzelnen Regionen hin. Anfang des Jahres hat die Bundesagentur für Arbeit ein Positionspapier vorgelegt, in dem Potenziale unterschiedlicher Maßnahmen aufgezeigt werden, die dazu beitragen sollen, die Fachkräftedebatte auf eine solide Datenbasis zu stellen und einen drohenden Fachkräftemangel abzuwenden. Im Interview erläutert Frank-Jürgen Weise hierzu erforderliche Schritte.
Die in der Überschrift angerissene Frage weist auf eine gängige terminologische Ungenauigkeit hin, die häufig zu Missverständnissen bei der Interpretation empirischer Befunde führt. So wird vielfach der drohende Fachkräftemangel mit einem demografisch bedingten Arbeitskräftemangel vermischt. Es scheint daher dringend notwendig, zunächst die verwendeten Begriffe sauber zu definieren und abzugrenzen, um anschließend die auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich auftretenden Mangelsituationen sichtbar werden zu lassen.
Die Zuwanderung von Hochqualifizierten gewinnt im Rahmen der Fachkräftedebatte sowohl in Deutschland als auch europa- und weltweit an Bedeutung und wird infolge des demografischen Wandels oder im Rahmen der EU bezüglich der Einführung der Blauen Karte EU diskutiert. Der Beitrag befasst sich mit Voraussetzungen, Implikationen und Nutzen einer gesteuerten Zuwanderung. Auf der Grundlage von Fachkräfteprognosen wird der Bedarf an hoch qualifizierten Migrantinnen und Migranten dargestellt und auf Kosten der Nichtintegration hingewiesen. Zudem werden die Ergebnisse einer Befragung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vorgestellt, die Aufschluss über Motive und Bleibeabsichten hoch qualifizierter eingewanderter Fachkräfte geben. Die Autoren plädieren abschließend für eine ganzheitliche Migrations- und Integrationspolitik und benennen zentrale Handlungsfelder.
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