Bankenkrise, Panama Papers, Diesel-Skandal – es gibt genug Anlässe, sich über Werte und ethisch verantwortliches Handeln in Wirtschaft und Gesellschaft zu verständigen. Dieses Bedürfnis äußerten auch zum wiederholten Mal Expertinnen und Experten, die das BIBB regelmäßig im Rahmen seines Themenradars zu als wichtig erachteten Themen der Berufsbildung befragt. Doch um welche Werte geht es? Und können Werte Orientierung für das Handeln in einer schnelllebigen und nervösen Zeit geben? Im Interview erläutert Gesine Schwan die Bedeutung von Grundwerten für eine demokratische Gesellschaft und betont den Bildungsauftrag, Verantwortung für das Gemeinwesen zu fördern.
Im Zuge kultureller und wirtschaftlicher Entwicklungen wandeln sich die gemeinsamen Werte innerhalb einer Gesellschaft. Dies gilt auch für die auf den Erwerbskontext bezogenen Arbeitswerte: Was den Menschen an ihrer Arbeit wichtig ist, verändert sich stetig. Der Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Arbeitswerte im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung verändern. Weiterhin werden Hinweise für die betriebliche Praxis gegeben, wie Arbeitswerte in der Ansprache und beruflichen Entwicklung von Nachwuchskräften Berücksichtigung finden können.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat Ende 1991 eine Untersuchung zu Berufswahl, Ausbildungsverlauf und zu normativen Strukturen von Jugendlichen begonnen. Das Projekt will Daten von Schulabgängern aus den neuen Bundesländern bereitstellen und mit Daten von Jugendlichen aus den alten Bundesländern vergleichen. Der Beitrag stellt erste Ergebnisse der Studie vor. Dabei nimmt der Autor Bezug auf Wertorientierungen und Einstellungen von Jugendlichen und auf den Wertewandel, der sich als Folge des gesellschaftlichen Wandels bei den Jugendlichen in den neuen Bundesländern feststellen läßt. Abschließend wird der Frage nachgegangen, inwieweit das Berufsbildungssystem die normativen Strukturen der Auszubildenden beeinflussen kann und welche Aufgaben sozialisatorischer Art dabei auf die an der Berufsausbildung Beteiligten zukommen.
Die Probleme, die in den vergangenen Jahren am Ausbildungsstellen- und Arbeitsmarkt für Jugendliche aufgetreten sind, haben die Einstellung der Auszubildenden zu Berufsausbildung und Arbeit nicht beeinträchtigt. Nach der Repräsentativstudie des BIBB von 1985 bei rund 1.000 Auszubildenden und einer Vergleichsgruppe von rund 300 fertigen Fachkräften äußern sich 90% der befragten Jugendlichen zufrieden über ihre Ausbildung. Die Zufriedenheit ist im Laufe der letzten Dekade sogar noch gestiegen. Die Jugendlichen üben aber auch Kritik. Zu wenig Wert wird in den Augen der Jugendlichen gelegt auf Umgang mit neuen Technologien, Kreativität, Eigeninitiative und Kritikfähigkeit. Zuviel Wert liegt auf den sogenannten Arbeitstugenden: Pünktlichkeit, Bereitschaft und Unterordnung, Ordnungssinn und Disziplin. Für die Zeit nach der Ausbildung sieht ein Drittel der Jugendlichen kaum Chancen, Arbeit im erlernten Beruf zu finden. Mittelfristig befürchten Auszubildende jedoch kaum Arbeitslosigkeit oder beruflichen Abstieg: nur 2% rechnen damit, 5 Jahre nach der Ausbildung arbeitslos oder als ungelernter Arbeiter beschäftigt zu sein. Ein Leben ohne Arbeit ist für das Gros der Jugendlichen nicht vorstellbar.
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