Demokratische Gesellschaften leben vom freiwilligen Engagement ihrer Bürger/-innen. Dies setzt Autonomie im Handeln, Denken und Urteilen voraus. Der klassische Begriff dafür heißt "Mündigkeit". Er bezeichnet die individuelle Fähigkeit von Gesellschaftsmitgliedern, ein aufgeklärtes, verantwortungsbewusstes und selbstbestimmtes Leben zu führen. Diese Definition lässt jedoch die Frage offen, welche besonderen Kompetenzen zur Wahrnehmung politischer Teilhaberechte in demokratischen Gesellschaften erforderlich sind. Der folgende Beitrag gibt Antworten. Dazu werden Debattenhintergründe und ausgewählte Konzepte demokratischer Handlungskompetenz seit den 1990er-Jahren vorgestellt und darauf aufbauend die Möglichkeiten demokratischer Kompetenzförderung in der Berufsbildung skizziert.
Ein ganzheitlicher Bildungsauftrag ist laut Berufsbildungsgesetz Kernelement der Ausbildung im dualen System. Angesichts zunehmender Politikverdrossenheit und Populismus fragen sich ausbildende Betriebe verstärkt, welche Aspekte politischer Bildung sie vermitteln können, ohne Gefahr zu laufen, seitens der Auszubildenden als weltanschaulich tendenziös oder manipulativ wahrgenommen zu werden. Der Beitrag zeigt auf, welche Anknüpfungspunkte hierfür die seit 2021 geltenden Standardberufsbildpositionen bieten. Ziel ist es u. a., übergreifende Kompetenzen, die auch Teil der beruflichen Handlungsfähigkeit in einer modernen Arbeitswelt sind, über die gesamte Ausbildung zu fördern. Dazu gehören auch gesellschaftlich-demokratische Kompetenzen und Werte wie Partizipation, Diskursfähigkeit, Solidarität und Toleranz.
Neben Zeitmangel und fehlenden Fortbildungen ist beim Ausbildungspersonal auch mangelndes Bewusstsein für strukturelle Diskriminierung ein Hindernis, demokratische und gesellschaftliche Teilhabe in der Ausbildung zu vermitteln. Im Erasmus+-Projekt #GetInvolved wurde ein Selbstmonitoring-Tool entwickelt, mit dem Betrieben ein Werkzeug an die Hand gegeben wird, um die eigenen Teilhabestrukturen analysieren und verbessern zu können.
Aus der Vergangenheit lernen, in der Gegenwart handeln und in der Zukunft davon profitieren ist ein Leitgedanke, der bei der Lektüre des Beitrags von Reinhard Kwetkus gleich in zweifacher Hinsicht Anwendung findet: sowohl mit Blick auf den hier thematisierten Gegenstand "Partizipation" als auch auf die hier zu beantwortende Frage, welche Impulse aus dem 1983 veröffentlichten Beitrag für den aktuellen Diskurs zur Partizipation im Kontext der Demokratiebildung gewonnen werden können.
Selbst für Zugezogene, die im Ausland eine Berufsausbildung oder ein Hochschulstudium absolviert haben, ist die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt oftmals ein mehrjähriger Prozess. Anhand der IAB-SOEP-Migrationsstichprobe für die Befragungsjahre 2013 bis 2019 wird aufgezeigt, dass selbst diese gut qualifizierte Personengruppen nach Zuzug zunächst Sprachkurse belegen und weitere Bildungsabschlüsse erwerben. Zudem wird herausgestellt, dass ihre Bildungspartizipation nicht nur vom Niveau der vor Zuzug erworbenen Qualifikation abhängt, sondern auch vom rechtlichen Zuzugsweg und der Berufswahl.
Partizipative Forschung ist ein Weg, um den digitalen Wandel in Arbeit und Beruf zu analysieren und zu gestalten. Partizipation meint hier, dass die Personen und Gruppen am Forschungs- und Gestaltungsprozess mit ihrem Wissen und ihren Interessen beteiligt werden, die von einer konkreten Digitalisierungsmaßnahme betroffen sind. Auf diese Weise lässt sich die digitale Arbeitswelt nicht nur nachhaltig gestalten, vielmehr wird auch Wissen erzeugt, das sowohl Beschäftigte als auch Entscheider/-innen dazu befähigt, den Herausforderungen der Digitalisierung angemessen zu begegnen. Im Beitrag werden Grundannahmen und Funktionen des Forschungsansatzes vorgestellt und anhand von Gestaltungsfeldern veranschaulicht.
Zur Entwicklung eines schulinternen Curriculums für die ab 2020 geltende generalistische Pflegeausbildung benötigen Schulleitungen und Lehrende einen Einblick in das Berufsfeld professionelle Pflege. Das Forschungsprojekt KraniCH (Kompetenzorientiertes, anschlussfähiges Curriculum Hannover) setzt an der Berufspraxis an und bindet die schulischen Akteure als Co-Forschende aktiv ein.
Der Beitrag beschreibt und begründet das Forschungsdesign, berichtet und reflektiert die Erfahrungen der Co-Forschenden und skizziert erste Ergebnisse der Berufsfeldanalyse.
Der Anteil jener Jugendlichen, die nach der allgemeinbildenden Schule ein Studium aufnehmen, steigt seit Jahren stetig an. Dennoch ist laut Zahlen der Autorengruppe Bildungsberichterstattung auch die Partizipation am deutschen Berufsbildungssektor anhaltend stark. Allerdings wird nicht zuletzt aufgrund demografischer Entwicklungen und rückläufiger Bewerberzahlen das Bemühen von Unternehmen bei der Rekrutierung von Nachwuchskräften künftig größere Anstrengungen erfordern. Um potenzielle Bewerber-/innen gezielt anzusprechen und für eine Ausbildung im Unternehmen zu gewinnen, wird es in Zukunft wichtiger denn je sein, ihre Erwartungen an eine berufliche Ausbildung zu erkennen und zu verstehen. Der Beitrag legt hierzu Ergebnisse aus dem von der Europäischen Kommission geförderten Forschungsprojekt 7EU-VET vor.
Die Inklusionsdebatte hält der Benachteiligtenförderung einen Spiegel vor, in dem diese sich in ihren widersprüchlichen Zielen und Funktionen abbildet. Die Forderungen nach Partizipation und Teilhabe geben Anlass, Benachteiligtenförderung kritisch zu reflektieren, weiterzuentwickeln und in eine inklusive Berufsbildung einzubringen. In der Praxis zeichnen sich erste Schritte dazu ab, die in diesem Beitrag skizziert werden.
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