Ausbildungsberufe sind Konstrukte an der Nahtstelle zwischen Bildungs- und Beschäftigungssystem. Abgeleitet aus Erwerbstätigkeiten erfüllen sie im Rahmen des Berufsprinzips ökonomische und sozialintegrative Funktionen. Die vorhandenen Konstruktionsprinzipien für Ausbildungsberufe enthalten einen großen Interpretationsspielraum. Innerhalb dieses Spielraums hat die beschleunigte Entwicklung flexibler und gestaltungsoffener Ausbildungsberufe seit Mitte der 1990er Jahre neue Strukturelemente zur Differenzierung von Ausbildungsberufen hervorgebracht, deren Anwendung und Kombinationsmöglichkeiten nicht immer konsistent erscheinen. Der Beitrag beleuchtet vorhandene Strukturierungsformen von Ausbildungsberufen im Kontext ihrer historischen Entwicklung und plädiert für eine kritische und systematisierende (Neu-) Betrachtung dieser Strukturierungsformen und ihrer Begründungen.
Einzelne Regionen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Strukturen und Schwerpunkte in der Berufsausbildung. Betrachtet werden eingangs Faktoren, die die Herausbildung und Gestaltung von regionalen Ausbildungslandschaften beeinflussen. In einem zweiten Schritt wird am Beispiel der Mikrotechnologie untersucht, ob und inwiefern sich in den einzelnen Regionen unterschiedliche Ausbildungsbedarfe zeigen und wie auf diese reagiert wird. Diskutiert werden schließlich Flexibilitätsspielräume in den Ordnungsmitteln sowie erforderliche Maßnahmen, um diese zu nutzen bzw. auszubauen.
Die Diskussion um mangelnde Ausbildungsplätze, nicht ausbildungsreife Jugendliche und den europäischen Qualifikationsrahmen hat die Flexibilisierungsdebatte von Berufen in der Ordnungsarbeit neu entfacht. Dabei stellt sich die Frage nach der gesellschaftlichen Bedeutung des Berufsprinzips im Allgemeinen und die der Handlungsorientierung und gestaltungsoffenen Strukturkonzepte im Besonderen. Welche Möglichkeiten bietet die Flexibilisierung von Berufen und welche Auswirkungen hat diese auf das Berufsprinzip? In diesem Zusammenhang werden die Positionen der politischen Parteien und Sozialpartner bei der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) dargestellt. Abschließend entwickelt der Autor Thesen für eine Weiterentwicklung des Berufsprinzips.
Die gestaltungsoffenen Ausbildungsberufe erlauben den Betrieben, Flexibilitätsspielräume in der Ausbildung sinnvoll zu nutzen und mit betrieblichen Abläufen zu verbinden. Allerdings haben vor allem kleine und mittlere Unternehmen Schwierigkeiten mit der Umsetzung solcher innovativer Berufsbilder und benötigen Unterstützung von außen. Eine Vernetzung von betrieblichem Ausbildungsengagement mit den Leistungen eines externen Bildungsdienstleisters kann die Modernisierung der Ausbildung nachhaltig absichern. Ein Modellversuch zum "externen Ausbildungsmanagement" greift diese Problematik auf.
Mit dem Einsatz von Service-Aus- und Weiterbildnern wurde im Rahmen des Modellversuchs "Entwicklung innovativer Potenziale in der gestaltungsoffenen Berufsausbildung durch den Einsatz eines Service-Aus- und Weiterbildners in KMU (EPOS)" eine neue Bildungsdienstleistung geschaffen, die KMU dazu anregt und befähigt, ihren Nachwuchs selbst auszubilden und die Potenziale der gestaltungsoffenen Ausbildungsordnungen voll auszuschöpfen. Als Mitarbeiter eines Ausbildungszentrums unterstützen diese Fachpädagogen die ausbildenden Fachkräfte bei der Ausbildung und tragen dazu bei, mit ihrer berufspädagogischen Vor-Ort-Kompetenz" die Vorzüge des Lernortes Betrieb voll zu entfalten. Der Beitrag gibt einen Überblick, mit welchen Methoden dieser Prozess gestaltet wird.
Bei der Neu- und Umgestaltung des dualen Systems kommt den betrieblichen Akteuren aufgrund ihrer Nähe zum aktuellen Wissens- und Handlungsbedarf eine entscheidende Bedeutung zu. Das Nürnberger Ausbildungsmodell ist aus der betrieblichen Praxis heraus entwickelt worden und versteht sich in der weitgehend ordnungspolitisch geprägten Diskussion um die Modernisierung der Ausbildung als Reformanstoss von unten. Von einem Kreis betrieblicher Experten (Ausbildungsleiter, Führungskräfte, Fachkräfte, Ausbilder) wurde eine Ausbildungsstruktur modellhaft für einen industriellen Metallberuf entwickelt, die dem Qualifikationsbedarf der Betriebe entspricht und zugleich über die Ebene des Einzelbetriebs hinaus allgemein umsetzbar ist. Der Beitrag, der auf den Ergebnissen dieser Arbeiten basiert, stellt Grundzüge einer gestaltungsoffenen Ausbildung nach dem Nürnberger Modell vor. Entwickelt wurde eine modulare Ausbildungsstruktur, die auf breite Basisqualifizierung setzt und zu einem definierten Berufsabschluss führt. Die Modulstruktur kann als integriertes Aus- und Weiterbildungskonzept betrachtet werden, das den wechselnden spezifischen Anforderungen der Betriebe an die Qualifikation ihrer Mitarbeiter entspricht. Insgesamt wird durch das Ausbildungsmodell deutlich, welches Innovationspotential auf regionaler Ebene entfaltet werden kann.
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