Die Autoren skizzieren die Aufgaben und Projekte sowie Perspektiven der europäischen Berufsbildungsforschung im Bundesinstitut für Berufsbildung. Die auf Europa bezogene Berufsbildungsforschung konzentriert sich im wesentlichen auf zwei Felder: die Analyse der Ziele, Konzepte und Instrumente der EU-Politik (Forschungsfeld A) und den internationalen Vergleich von Strukturen und Konzepten der beruflichen Bildung im Hinblick auf Fragen der Weiterentwicklung des deutschen Berufsbildungssystems (Forschungsfeld B). Angesichts vieler gemeinsamer Herausforderungen an die berufliche Bildung in den EU-Mitgliedstaaten sollte die grenzüberschreitende Berufsbildungsforschung verstärkt und weiter ausgebaut und ihr Potential für die nationale Berufsbildungspolitik und -praxis noch stärker genutzt werden.
Die Reform der beruflichen Bildung ist ein dynamischer Prozess, der von sehr unterschiedlichen Herausforderungen beeinflusst wird. Der Abbau an Ausbildungsplätzen, der Einfluss technologischer und wirtschaftlicher aber auch gesellschaftlicher Veränderungen auf Arbeitsorganisation und Berufsanforderungen, die Entwicklung und Erprobung neuer Lehr- und Lernformen, die unterschiedlichen Vorstellungen zur Finanzierung der dualen Berufsausbildung, demographische Veränderungen sowie Auswirkungen der Globalisierung der Märkte und des internationalen Wettbewerbs sind die wesentlichen Entwicklungsströme, die derzeit Einfluss auf die berufliche Aus- und Weiterbildung nehmen. In dem Beitrag setzen sich Mitarbeiter des Bundesinstuts für Berufsbildung mit zentralen Zukunftsfragen der beruflichen Bildung auseinander. Die einzelnen Abschnitte befassen sich mit Überlegungen zum Berufskonzept und der Notwendigkeit, Aus- und Weiterbildung systematischer miteinander zu verzahnen, mit der Verschiebung der Altersstruktur der Erwerbstätigen, den Folgen der fortschreitenden Europäisierung für die nationale Berufsbildungspolitik, Ansätzen zur Modularisierung der beruflichen Bildung und mit verschiedenen Möglichkeiten der Finanzierung der dualen Berufsausbildung.
Das Zusammenwachsen Europas im Bereich der beruflichen Bildung beruht zu einem wesentlichen Teil auf der Mitwirkung der Sozialpartner. Die Bedeutung von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften bei der staatlichen Regulierung der beruflichen Bildung weist in den einzelnen Ländern der Europäischen Union erhebliche Unterschiede auf. Die Ausgangspositionen, die Mitwirkung auf nationaler und auf Gemeinschaftsebene werden an ausgewählten Beispielen dargestellt und unter bildungspolitischen Aspekten erörtert.
Der Schwerpunkt der Aktivitäten der Europäischen Gemeinschaft im Bereich beruflicher Qualifikationen lag bis in die 80er Jahre bei Maßnahmen zur Beseitigung von Hindernissen für die in den Römischen Verträgen verankerte Freizügigkeit der Arbeitnehmer auf dem europäischen Arbeitsmarkt. Das rechtliche Instrumentarium im Hinblick auf die Anerkennung beruflicher Abschlüsse ist inzwischen weitgehend ausgeschöpft. Das bisher entwickelte Instrumentarium zur Förderung der Transparenz von Qualifikationen kann in der Praxis nicht überzeugen. Die zukünftigen strategischen Herausforderungen der europäischen Berufsbildungspolitik liegen weniger im Bereich der Anerkennung und Transparenz von Qualifikationen, als darin, die Leistungsfähigkeit der nationalen Berufsbildungssysteme im Hinblick auf die Herausforderungen durch den europäischen Integrationsprozeß und den globalen Wettbewerb mit anderen Wirtschaftszonen zu fördern.
Die Themen des Workshops, zu dem das Bundesinstitut für Berufsbildung Experten aus zehn mittel- und osteuropäischen Staaten eingeladen hatte, waren Fragen der Umgestaltung der beruflichen Bildung in diesen Staaten, Möglichkeiten zur Unterstützung durch ein deutsches Förderprogramm sowie dessen Konzipierung und Umsetzung.
Die international vergleichende Berufsbildungsforschung befindet sich noch weitgehend im Anfangsstadium. Angesichts der Dynamik des europäischen Integrationsprozesses können Erkenntnisse des internationalen Vergleichs wichtige Hinweise auf eine zukunftsorientierte Gestaltung der Berufsbildungspolitik und der Berufsbildungspraxis geben. Über die in der Vergangenheit dominierende Darstellung von ausländischen Berufsbildungssystemen hinaus wird die vergleichende Berufsbildungsforschung zukünftig stärker die Anpassungs- und Gestaltungsprobleme von Politik und Praxis der beruflichen Aus- und Weiterbildung angesichts eines durch den europäischen Binnenmarkt akzentuierten sozioökonomischen Strukturwandels thematisieren müssen. Dabei wird auch die vergleichende Evaluation der Anpassungs- und Leistungsfähigkeit von Berufsbildungssystemen an Bedeutung gewinnen. Damit die vergleichende Berufsbildungsforschung den mit dem Zusammenwachsen Europas verbundenen Aufgaben gerecht werden kann, muß diese Forschungseinrichtung personell und institutionell stabilisiert sowie die grenzüberschreitende Forschungskooperation weiter ausgebaut und finanziell besser abgesichert werden.
Empirisch-statistische Erkenntnisse über die Strukturen des Qualifikationserwerbs von Selbständigen, die ja in ihrer weit überwiegenden Mehrheit Inhaber kleinerer oder mittlerer Unternehmen sind, liegen bislang nur punktuell vor bzw. sind nicht mehr aktuell. Anhand der Daten der BIBB/IAB-Erwerbstätigenbefragung von 1985/1986 wird im folgenden Beitrag ein Überblick über die berufliche Aus- und Weiterbildung der zum Befragungszeitpunkt in der Bundesrepublik Deutschland als Selbständige Tätigen gegeben.
Haben kleinere Betriebe in der Weiterbildung im Vergleich zu großen Betrieben aufgeholt oder sind in den kleinen Betrieben die Probleme gewachsen, den gerade im Zusammenhang mit dem Einsatz moderner Techniken entstehenden Qualifikationsbedarf hinreichend zu befriedigen? Diese Frage spielt in der aktuellen berufsbildungspolitischen Debatte eine zentrale Rolle.
Durch die Informationstechnik entstehen neue Anforderungen an die kaufmänni!lehe Ausbildung, die ein Überdenken ihrerZiele, Inhalte, Methoden und Organisationsformen notwendig machen. Vordringlich stellt sich das Problem, wie für alle Auszubildenden eine qualifizierte Grundbildung auf dem Gebiet der Informationstechnik erreicht werden kann.
Die modernen Informationstechniken gewinnen auch im Einzelhandel zunehmend an Bedeutung. Vor allem mit dem Aufbau von Warenwirtschaftssystemen (WWS) zeichnen sich veränderte Anforderungen an die berufliche Oualifikation der im Einzelhandel Tätigen ab. Durch eine vorausschauende Gestaltung der beruflichen Aus- und Weiterbildung im Einzelhandel können Anpassungsprobleme an die neuen Entwicklungen mit negativen Folgen sowohl für die Betriebe als auch für die Beschäftigten besser vermieden werden.
The documents made publicly accessible on this website, including associated data such as images, graphics and multimedia files, are protected by copyright. The respective authors are responsible for content. Individual reproductions such as copies and print-outs may only be made for private and other personal use (§ 53 German Copyright Law, UrhG). The legally permitted uses for teaching, science and institutions (§§ 60a ff. UrhG), in particular for the purpose of non-commercial scientific research, remain unaffected by this. In addition, reproduction, distribution and making available to the public are only permitted with the express permission of the publisher and with a reference to the source. This applies in particular in respect of reproduction and archiving of documents on electronic data media or on another server. Users themselves are responsible for compliance with legal stipulations and may be held liable in the event of misuse.