Die Berufsbildungsforschung ist durch eine Vielzahl an Akteuren, Forschungsfeldern, Gegenständen, Fragestellungen und Entwicklungsaufgaben charakterisiert. Sie besitzt demnach ein sehr breites Profil, das sich zusehends ausdifferenziert. Ihr zentraler Anspruch ist es, den Zusammenhang von Beruf, Erwerbsarbeit und Bildung zu erforschen.
Diese Aufgaben profilieren nicht erst seit den 1960er-Jahren ihr Selbstverständnis. Vielmehr reicht ihre Geschichte bis in die vorindustrielle Zeit zurück. Welche Leitmotive die Entwicklung des Selbstverständnisses der Berufsbildungsforschung seit der Industrialisierung Deutschlands maßgeblich beeinflussten, wird im Beitrag an zwei Beispielen beleuchtet, die auf je eigene Weise berufsbildungsgeschichtlich bis in die Gegenwart bedeutsam sind: das Kaiserreich und die Zeit der national sozialistischen Diktatur.
Eine historisch-systematische Forschung, die sich mit dem Professionswissen, den Handlungsstrukturen, den Arbeitssituationen und dem Berufsbewusstsein des betrieblichen Bildungspersonals differenziert beschäftigt, existiert nur in Ansätzen. Dies hängt u. a. damit zusammen, dass die Berufs- und Wirtschaftspädagogik lange Zeit überwiegend Berufswissenschaft der Berufsschullehrkräfte war und das betriebliche Ausbildungspersonal erst seit Erlass des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) zu ihrem Gegenstand gemacht hat. Im Rückblick auf das vergangene Jahrhundert wird im Beitrag verdeutlicht, wie stark die Auffassungen von der betrieblichen Ausbildungstätigkeit vom Menschenbild der jeweiligen Zeit abhängen. Zudem werden Gründe für ein vergleichsweise gering ausgeprägtes professionelles Selbstverständnis des betrieblichen Ausbildungspersonals erörtert. Bei der Beantwortung der Frage, was Berufsausbilder/-innen zukünftig können und demzufolge wissen müssen, gilt es stärker als bisher, Erkenntnisse zu nutzen, welche die berufs- und wirtschaftspädagogische Forschung bereithält.
Betriebliche Fort- und Weiterbildungsmassnahmen werden bislang meist in Form von Präsenzveranstaltungen durchgeführt. Das wird zunehmend als problematisch eingeschätzt, da ein Lernen auf Vorrat, wie es in Seminaren praktiziert wird, immer seltener die Ansprüche betrieblicher Qualifizierungskonzepte erfüllen kann. Intranetgestützte Lernumgebungen versprechen in dieser Situation Lösungen, besonders, wenn es darum geht, konzernweit eine grosse Anzahl von Mitarbeitern zu schulen. Mit der Einführung des Web-Based-Trainings (WBT) Wertmanagement" können bei der Bayer AG mehr als 6000 Führungskräfte in einer intranetbasierten Lernumgebung weitergebildet werden." Das Projekt wurde vom Lehrstuhl für Berufspädagogik der Universität Dortmund hinsichtlich der Nutzung und Akzeptanz evaluiert. In dem Beitrag werden die Untersuchungsergebnisse dargestellt. Diese machen deutlich, dass die optimale Verknüpfung traditioneller und innovativer Lernformen erforderlich ist, um berufliche Bildung qualitativ weiterzuentwickeln.
Im Zuge der Entwicklungen innerhalb der beruflichen Bildung erhält das Thema Kooperation von Berufsschule, Ausbildungsbetrieb und überbetrieblicher Ausbildungsstätte, die Zusammenarbeit von Ausbildern und Berufsschullehrern, aktuelle Relevanz. Aus einer vom Bundesinstitut für Berufsbildung1 in Zusammenarbeit mit dem Lehr- und Forschungsbereich Berufspädagogik der Universität Dortmund durchgeführten Erhebung zu den Gestaltungsmerkmalen der Lernortkooperation2 geht hervor, daß drei Viertel der Ausbilder und mehr als vier Fünftel der Berufsschullehrer eine Notwendigkeit der Zusammenarbeit sehen. Ausbilder und Berufsschullehrer, die in den neugeordneten Berufen ausbilden bzw. unterrichten, messen der Zusammenarbeit einen noch höheren Stellenwert bei.
Bei den folgenden Ausführungen handelt es sich um Vorarbeiten und Überlegungen zu einem geplanten Forschungsprojekt, das sich mit den Tätigkeitsstrukturen, den Arbeitssituationen und dem Berufsbewußtsein von Ausbildungspersonal befassen wird. Da eine solche Untersuchung wegen der erforderlichen qualitativen Methoden auf der vollen Breite gewerblicher Ausbildungsverhältnisse nicht zu leisten ist, soll eine Beschränkung auf den Metallbereich erfolgen, der für die gewerbliche Allsbildung insgesamt von überragender Bedeutung ist. Das Projekt soll im Rahmen des Kooperationsvertrags RuhrUniversität Bochum/IG Metall vom Arbeitsbereich Berufs- und Wirtschaftspädagogik der Ruhr-Universität, der Abteilung Berufsbildung beim Hauptvorstand der IG Metall und vom Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) durchgeführt werden.
Die Relation von Angebot und Nachfrage auf dem Markt der Ausbildungsstellen zeigt eine für Jugendliche bedrohliche Tendenz. Die Ausbildungsplatz-Bilanzen weisen seit einigen Jahren ein Angebotsdefizit aus, und dies, obwohl sich die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse während dieser Zeit außerordentlich stark erhöht hat. Eine wachsende Zahl von Jugendlichen bleibt ohne Ausbildungsmöglichkeit, obwohl sie geeignet und geneigt sind, eine Berufsausbildung im dualen System zu durchlaufen. Die in den letzten Jahren angestiegene und in den nächsten Jahren (bis 1982) noch weiter ansteigende Nachfrage nach Ausbildungsplätzen erfordert also ein zusätzliches Angebot an Ausbildungsplätzen, wenn nicht ein erheblicher Teil eines Altersjahrganges von vornherein deshalb keine Ausbildung beginnen kann, weil nicht die entsprechenden Möglichkeiten bestehen.
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