In der Debatte um den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) im Herbst 2011 drehte sich alles nur noch um den – relativen – Wert des Abiturs im Gefüge des deutschen Qualifikationssystems. Dabei geriet völlig aus dem Blick, dass der Deutsche Qualifikationsrahmen seinen Ursprung im Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) hat und dass seine Ziele und Zwecke nicht nur nationale sind. Deutschland hatte sich auf den europäischen Prozess eingelassen, um die Verständlichkeit und Vergleichbarkeit von Qualifikationen der verschiedenen Länder in den jeweils anderen Ländern zu verbessern und so die Mobilität der Bürger zu fördern. Zeitgleich mit der DQR-Diskussion wurde das „Gesetz zur Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen“ (BQFG) vorbereitet. Beide Prozesse liefen völlig unabhängig voneinander nebeneinander her, obwohl doch die Bezüge auf der Hand liegen. Dieser Beitrag versucht, eben diese Bezüge deutlich zu machen.
Für die berufliche Bildung sind insbesondere zwei europäische Prozesse, in denen mit Indikatoren und Benchmarks als Instrument der „Offenen Methode der Koordinierung“ gearbeitet wird, von Bedeutung: Zum einen ist dies das dem Arbeitsprogramm „Allgemeine und Berufliche Bildung 2010“ folgende Programm „Allgemeine und Berufliche Bildung 2020“, zum anderen die im Rahmen des Kopenhagen-Prozesses eingeleitete Initiative für einen Europäischen Qualitätsrahmen in der beruflichen Bildung. Im Beitrag werden die in den Programmen festgelegten Ziele, Benchmarks und Indikatoren vorgestellt und mit Blick auf ihre Umsetzung im europäischen Prozess sowie auf ihre potenziellen Wirkungen im nationalen Kontext reflektiert.
Der Beschluss des Europäischen Parlaments und Rats zur Etablierung des Europäischen Qualifikationsrahmens für Lebenslanges Lernen (EQR) stellt den Mitgliedstaaten anheim, ob und wie sie einen Nationalen Qualifikationsrahmen entwickeln. Länder wie England, Schottland und Irland verfügen seit Jahren über Qualifikationsrahmen, die z. T. auch der Konstruktion des EQR zugrunde lagen. Zur Vorbereitung eines Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) lag es nahe, Erfahrungen der genannten Länder näher zu betrachten. Dies geschah im BIBB-Projekt „Nationale Qualifikationsrahmen in England, Irland, Schottland – Konstruktion, Nutzung, Wirkung“, aus dem hier erste Ergebnisse vorgestellt werden. Der Beitrag richtet den Blick vor allem auf die Verfahren zur Entwicklung und wertet Erfahrungen mit der Umsetzung aus. Daraus werden abschließend Schlussfolgerungen für die Erarbeitung eines DQR gezogen.
The process of internationalisation has gathered pace in recent years, spreading through one area of society after another and posing new challenges, not least for vocational education and training (VET). The growing globalisation of the economy and the rapid process of European integration towards a single market for education and employment have given rise to a radically new situation. National VET systems are caught in a cross-current between the imperative of international competition and the necessity for cross-border cooperation. At the same time, there are increasingly stringent requirements for the planning of VET to embrace a European and an international outlook. The paper explains the action to be taken by the Federal Institute for Vocational Education and Training (BIBB) in response to these developments.
In der Diskussion über den Entwurf eines Europäischen (EQR) und die mögliche Entwicklung eines Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) besteht in Deutschland ein breiter Konsens darüber, Bildung im Sinne des Lebensbegleitenden Lernens und der Beschäftigungsfähigkeit der Bürger unter den Makrozielen Transparenz, Durchlässigkeit und Kompetenzorientierung von Qualifikationen zu gestalten. Angestrebt wird dabei ein bildungsbereichsübergreifender und europäisch anschlussfähiger DQR, der sich in seiner Zielsetzung nicht auf die Abbildung von Wissen und Bildungsabschlüssen beschränkt, sondern an Kompetenzen und beruflicher Handlungsfähigkeit ausgerichtet ist. Politik, Berufsbildung und Wissenschaft stehen hier vor einer Reihe von Herausforderungen, die je nach Perspektive unterschiedliche Antworten generieren können." Der Beitrag diskutiert die Herausforderungen für die Berufsbildung und welche Fragen sich hieraus für Ziele, Konstruktionselemente und Verfahren zur Entwicklung eines deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) ergeben.
Looking at developments in other countries and at European level, this article outlines the objectives being pursued with the implementation of qualifications frameworks, what qualifications frameworks can do and possible approaches to them. Understood here as sets of skills, qualifications form the basic unit used in qualifications frameworks. Drawing on the examples provided by Ireland, England, Wales and Northern Ireland, the autors show how qualifications can be positioned in a hierarchical multi-level system with the help of descriptors in order to establish transparency and lateral mobility throughout an entire education system.
Mit Blick auf Entwicklung in anderen Ländern und auf europäischer Ebene wird in dem Beitrag dargestellt, welche Ziele mit der Implementierung von Qualifikationsrahmen verfolgt werden, was Qualifikationsrahmen leisten können und welche Möglichkeiten der Ausgestaltung bestehen. An den Beispielen von Irland, England und Australien wird gezeigt, dass Qualifikationen, verstanden als ein Bündel von Kompetenzen, die Grundeinheit von Qualifikationsrahmen sind, die mit Hilfe von Deskriptoren in einem Mehrebenensystem verortet werden, um Transparenz und Durchlässigkeit innerhalb des gesamten Bildungssystems herzustellen.
Die im Herbst 2004 unter maßgeblicher Mitwirkung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) abgeschlossene "Maastricht-Studie'" diente der Bestandsaufnahme der nationalen Berufsbildungspolitiken in den Staaten der Europäischen Union. Sie zeigt auf, inwieweit die vom Europäischen Rat von Lissabon im Jahre 2000 verabschiedete "Agenda 2010" bereits umgesetzt ist und was im Hinblick auf die dort gesteckten Ziele zu tun bleibt. Vordringlich sind laut Studie Maßnahmen für Geringqualifizierte, die Kompetenzentwicklung älterer Arbeitnehmer, die Verbindung von beruflicher und akademischer Bildung, Investitionen in die Berufsbildung sowie die Förderung der Mobilität.
Im Jahre 2001 hat das CEDEFOP (Europäisches Zentrum für die Förderung der Berufsbildung) damit begonnen, ein Europäisches Referenz- und Fachnetzwerk der Berufsbildung aufzubauen (European Network of Reference and Expertise - ReferNet). An diesem Netzwerk ist auch ein deutsches Konsortium, koordiniert vom BIBB, beteiligt. ReferNet soll das Wissen über die europäischen Berufsbildungssysteme strukturieren und für systemübergreifende Fragestellungen zugänglich machen. ReferNet will auch einen Beitrag zur weiteren Europäisierung der Berufsbildungsforschung leisten. Der Beitrag gibt einen Überblick über die Ziele von ReferNet und berichtet über dessen Implementation in Deutschland und die Wahrnehmung der Aufgaben, die sich drei Schwerpunkten zuordnen lassen: 1. Dokumentation und Verbreitung von Informationen, 2. Informationen über Berufsbildungssysteme und laufende Entwicklungen, 3. Forschung.
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