Ausgehend von den Phänomenen des informellen Lernens wird ein neuer Ansatz für die berufliche Weiterbildung vorgestellt. Die Teilnehmer lernen nicht abstrakt nach einem "Lehrplan" und wenden es dann auf konkrete Handlungssituationen an, sondern sie lernen, indem sie ein reales Problem betriebliches Problem bearbeiten. Dazu bilden sie eine Lerngruppe, in der sie ihr Problem bearbeiten. Sie wird von einem Lernbegleiter moderiert. Der Beitrag beschreibt einen Ansatz aus dem Einzelhandel und erläutert Bedingungen und Hintergründe.
Die Weiterbildungslandschaft wird von institutionellen Angeboten in Form von Seminaren, Kursen etc. dominiert, die nicht auf den tatsächlichen Bedarf der Betriebe zugeschnitten sind. Im Einzelhandel zeigt sich exemplarisch das strukturelle Grundproblem beruflicher Weiterbildung: Sie soll ein praxisorientiertes berufsbegleitendes und situatives Lernen selbstgesteuert ermöglichen, kann dies aber nicht leisten, so lange sie an schulartigen Formen des institutionellen Lernens festhält. Ein Berliner Bildungsträger - das Forum Berufsbildung e.V. entwickelt und erprobt in einem dreijährigen Modellversuch, wie Bildungsdienstleister Einzelhändler individuell und arbeitsnah und zugleich wirtschaftlich vertretbar qualifizieren können. Am Lernbedarf der Einzelhändler orientiert werden Strukturen eines Weiterbildungsangebotes entwickelt, das Lernen in und aus der Arbeit ermöglicht. Die eigene Praxis liefert den Lernstoff, die Arbeitsmittel werden zu Lernunterlagen erweitert. Betriebsberater und Dozenten werden zu Begleitern arbeitsintegrierter Lernprozesse - der Arbeitsplatz wird so zum individuellen Bildungszentrum. Ergänzend werden ein Aufgabenprofil und eine Weiterbildung für die Begleitung solcher Lernprozesse sowie ein Finanzierungsmodell entwickelt. Lernbegleiter bilden die zentrale Innovation des Modellversuchs. Die Verallgemeinerungsfähigkeit dieses individualisierten Lernmodells für Bildungsträger hängt davon ab, inwieweit es tatsächlich die Lernbedürfnisse ihrer Kunden trifft und zu Preisen angeboten werden kann, die zumindest nicht über den konventionellen Angeboten liegen. Der Beitrag stellt das Konzept vor.
Der wirtschaftliche Erfolg von Handwerksbetrieben wird wesentlich durch die kompetente Erledigung kaufmännischer Aufgaben, die Personalführung und die Kundenbetreuung bestimmt. Diese Aufgabe übernimmt überwiegend die Ehefrau, die dafür häufig keine adäquate Ausbildung besitzt und von den Handwerkskammern auch nicht angeboten bekommt. Diese Lücke will der im Beitrag vorgestellte Modellversuch schließen. Es wird ein berufsbegleitendes, handlungsorientiertes modulares Bildungsangebot entwickelt, das möglichst in einheitliche Regelungen münden soll. Die erste Stufe der kaufmännischen Qualifizierung vermittelt die Grundkenntnisse und führt zum Abschluss "Bürokauffrau", die zweite Stufe qualifiziert zur kaufmännischen Führungskraft mit dem neuen Fortbildungsabschluss "Fachwirtin für kaufmännische Betriebsführung im Handwerk". Erprobt wird der Modellversuch in Rheinland-Pfalz und in Bayern.
Im Modellversuch "Informations- und Kommunikationstechniken in der Betriebsführung des Handwerks" (IKTH) wurde multimediale Lernsoftware als Weiterbildungsmittel für Handwerker entwickelt und erprobt. Angesichts des hohen Aufwands der Entwicklung von Lernsoftware stellt der Beitrag die Frage, ob multimediales Lernen eigentlich mit so vielen Vorteilen gegenüber traditionellen Medien verbunden ist, dass der Aufwand gerechtfertigt erscheint. Eindeutige Vorteile hat das Medium, wenn es um EDV als Lerninhalt geht, darüber hinaus dürfte es gerechtfertigt sein bei der Vermittlung von Wissensinhalten. Probleme gibt es, wenn es beim Lesen um Verstehen, um Individualisierung und um persönliche Fähigkeiten gehen soll. Deshalb sollte man eher einen Medienverbund anstreben, als einseitig auf die Multimedialität von Lernprogrammen zu setzen.
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