Angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit in den südlichen EU-Mitgliedstaaten wächst aktuell das Interesse an Modellen dualer und alternierender Berufsausbildung. Mit Bezug auf die neu formulierte EU-Strategie auf dem Gebiet der Berufsbildungspolitik warnt der Autor jedoch vor einer kurzfristig gedachten Transferierbarkeit des deutschen Ausbildungsmodells zur Lösung sozialer Probleme. Im historischen Rückblick wird deutlich, dass es sich hierbei um ein Arrangement handelt, das in langjähriger Entwicklung entstanden ist und im Lauf der Zeit hochkomplexe Beziehungen zu zahlreichen weiteren gesellschaftlichen Subsystemen eingegangen ist. Trotz vieler Vorzüge des kooperativen Ausbildungssystems weist der Autor abschließend darauf hin, dass auch in Deutschland das Problem der Jugendarbeitslosigkeit und sozialen Integration von Jugendlichen nicht gänzlich gelöst ist und mahnt Reformbedarf an.
Für gewaltsame Delinquenz bei Jugendlichen, die in der Berufsausbildung stehen oder Facharbeiter sind, spielt der Gruppenzusammenhang eine große Rolle. Gewaltsames Handeln wird in diesem Artikel als Bewältigungsstrategie der Identitätsentwicklung im Jugendalter verstanden, die heute unter den Bedingungen der Individualisierung der Gesellschaft stattfinden muss. Die besonderen Möglichkeiten der Berufsausbildung im Betrieb und in der Berufsschule, der "Dekomposition" von Denken, Fühlen und Handeln bei den gewaltbereiten Jugendlichen entgegenzuwirken, werden aufgezeigt. Angestrebt wird eine Ich-Stärkung durch die Verbesserung von Realitätswahrnehmung, Reflexionsfähigkeit und den Aufbau echter Sozialbeziehungen und die Festigung des Vertrauens in die eigene Entwicklungsfähigkeit.
Es kann davon ausgegangen werden, daß die interpersonalen Beziehungen maßgeblich die Ausbildungsergebnisse beeinflussen und sich vor allem auf den Prozeß der schrittweisen Identifizierung mit Beruf und Betrieb sowie auf die Festigung damit verbundener Persönlichkeitseigenschaften und Verhaltensweisen bei den Lehrlingen auswirken. Im Rahmen einer vom Zentralinstitut für Berufsbildung der DDR durchgeführten Untersuchung zur Nutzung von Erziehungspotenzen im berufspraktischen Unterricht wurde der Frage nach dem Niveau der interpersonalen Beziehungen als einer wesentlichen Determinante für die Entwicklung aktiven Lern- und Arbeitsverhaltens der Jugendlichen nachgegangen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung weisen aus, daß teilweise noch größere Reserven bei einer zielgerichteten, planmäßigen berufspädagogischen Führung und Gestaltung interpersonaler Beziehungen durch die Lehrkräfte bestehen. Noch zu oft wird die Bedeutung dieser Beziehungen für den Bildungs- und Erziehungserfolg unterschätzt.
Keine Arztpraxis kommt ohne sie aus: Unter den medizinischen Berufen haben die Medizinischen Fachangestellten eine der vielfältigsten Aufgaben. Neben der Betreuung der Patientinnen und Patienten, der Assistenz bei der Untersuchung und Behandlung und der Betriebsorganisation werden auch soziale Kompetenzen immer relevanter. Der Steckbrief beschreibt, warum das so ist und nennt aktuelle Zahlen zur Ausbildung.
Sowohl die Politikdidaktik als auch die Berufs- und Wirtschaftspädagogik fordern seit Jahrzehnten die Integration des Politisch-Demokratischen in die berufliche Bildung. Auch die Kultusministerkonferenz hebt als Lernziel die Mitgestaltung der Arbeitswelt und Gesellschaft in sozialer, ökonomischer, ökologischer und individueller Verantwortung hervor. Gleichwohl bestehen nach wie vor vielfach Umsetzungsdefizite. Der Beitrag verfolgt das Ziel, das Verhältnis von beruflicher Handlungskompetenz und Demokratiekompetenz konzeptionell zu bestimmen. Anhand von zwei Praxisbeispielen werden das Politische des Beruflichen und didaktisch-methodische Zugänge für die Lernorte aufgezeigt. In der abschließenden Reflexion werden konzeptionelle und bildungspolitische Schlussfolgerungen gezogen und Empfehlungen ausgesprochen.
Technologischer Wandel führte nicht nur zu gesteigerter Produktivität und größerem Wohlstand in den letzten Jahrzehnten, sondern gilt auch als prominenter Ungleichheitstreiber. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass die Digitalisierung in den 1990er Jahren in Deutschland die soziale Ungleichheit nicht in allen Aspekten erhöht hat: Durch technologischen Fortschritt sank der Einfluss des Elternhintergrunds auf die Löhne und erhöhte in dieser Hinsicht die Chancengleichheit im Arbeitsleben. Dies gilt vor allem für Beschäftigte mit Abitur.
Angesichts des Lehrkräftemangels in gewerblich-technischen Fachrichtungen im berufsbildenden Bereich gilt es, die Ausbildung des entsprechenden Lehrpersonals zu fördern. Der Beitrag stellt ein kooperatives Studienangebot zwischen Universität und Fachhochschulen für das Lehramt an berufsbildenden Schulen in der Fachrichtung Ingenieurpädagogik vor und geht der Frage nach, wie das Studiencommitment und die soziale Integration der Studierenden in diesem Kooperationsangebot durch ein Blended Learning-Konzept gefördert werden können.
Weitgehender Konsens in Berufsbildungspraxis, -politik und –forschung besteht darüber, dass Ausbilder/-innen für ihre komplexen Aufgaben hinreichend pädagogisch qualifiziert sein müssen. Wie diese Qualifizierung gestaltet und organisiert ist und ob und wie sie gesetzlich festgeschrieben oder standardisiert werden soll, ist weniger konsensual. Maßstäbe in dieser Hinsicht haben vor 50 Jahren die bayerischen Modellseminare gesetzt, die im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales entwickelt und durchgeführt wurden. Der Rückblick macht deutlich, dass sie aus heutiger Sicht in didaktischer, konzeptioneller und vor allem systematischer Perspektive auffällig "aktuell" sind.
EPIZ – Zentrum für Globales Lernen in Berlin unterstützt das Konzept einer global orientierten politischen Bildung, um jungen Menschen in der Ausbildung die Bezüge zwischen globalem und lokalem Handeln zu vermitteln. Der Beitrag beschreibt die Notwendigkeit von Globalem Lernen in der beruflichen Bildung, veranschaulicht die methodische Herangehensweise und stellt exemplarische Bildungsmaterialien vor.
In den Diskussionen um Nachhaltigkeit steht in der öffentlichen Wahrnehmung die Erreichung der Klimaziele im Mittelpunkt. Fragen nach den Arbeitsbedingungen, die Überwindung von sozialen Spaltungen sowie die Schaffung gleichberechtigter Zugänge zu guter Bildung für alle treten dem gegenüber oftmals in den Hintergrund. Im Beitrag werden die beiden Sustainable Development Goals 4 und 8 aus gewerkschaftlicher Sicht betrachtet.
Bei der Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung kommt der beruflichen Aus- und Weiterbildung eine Schlüsselfunktion zu. Menschen sollen dafür sensibilisiert werden, ihr Handeln mit Blick auf ökologische, wirtschaftliche und soziale Auswirkungen zu reflektieren. Doch wie lässt sich dieser Anspruch einlösen und strukturell im Bildungssystem verankern? Die BWP-Ausgabe verfolgt das Ziel, Nachhaltigkeit in den drei Dimensionen – sozial, ökonomisch und ökologisch – zu beleuchten sowie Hintergründe und Zusammenhänge zu veranschaulichen. Zudem werden Ansatzpunkte aufgezeigt, wie Nachhaltigkeit in Curricula Eingang finden und in der Bildungspraxis mit Leben gefüllt werden kann.
Als zentraler Bestandteil des Gesundheitssystems haben Medizinische Fachangestellte (MFA) insbesondere in der aktuellen Pandemiesituation eine hohe Systemrelevanz. Auszubildende für diesen Beruf zu gewinnen und langfristig zu halten, ist folglich ein wichtiges gesellschaftliches Ziel. Anhand von Daten einer Online-Umfrage wird in diesem Beitrag beleuchtet, welche konkreten Belastungen sich für diese Zielgruppe während der Ausnahmesituation der Corona-Pandemie ergeben und welche Rolle sie für die Arbeitszufriedenheit der Auszubildenden spielen.
„Das Berufsbildungssystem ist in der Krise!“ Die Anlässe für solche Äußerungen sind vielfältig und führ(t)en immer wieder dazu, bestehende Strukturen, insbesondere die Ordnungsarbeit der beruflichen Bildung, in Frage zu stellen – so auch in der im Herbst 2020 veröffentlichten Denkschrift von Dieter Euler und Eckart Severing. Vor diesem Hintergrund gibt der Beitrag Einblicke in die Ordnungsarbeit am BIBB und zeigt auf, wie es durch konsensuale Zusammenarbeit gelingt, Berufe im Spannungsfeld von Kontinuität und Wandel zu entwickeln. Dabei wird verdeutlicht, wie Ordnungsarbeit neue Entwicklungen frühzeitig erkennt, zeitnah in Ausbildungsberufe integriert und so gestaltet, dass sie langfristig und in der Fläche ausgebildet werden können.
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