Der Beitrag geht der Frage nach, inwieweit Berufe auch ohne abgeschlossene Ausbildung oder mit einem fachfremden Abschluss ausgeübt werden. Eine entsprechende Öffnung von Berufen kann eine Chance für verschiedene Bevölkerungsgruppen darstellen, die sonst erschwerten Zugang zum Beschäftigungssystem haben. Jedoch wirft dies auch Fragen zur Qualität und Attraktivität von Berufen auf. Mögliche Folgen werden abschließend erörtert.
Gleich zwei Beiträge aus namhafter Feder bzw. berufenem Mund nehmen in diesen Tagen die berufliche Bildung ins Visier. Bundespräsident Johannes Rau hat Mitte Juli in Berlin dargelegt, was er sich unter einer zeitgemäßen Bildung vorstellt. Manches korrespondiert mit der Eröffnungsrede von Maria Jepsen, Bischöfin für Hamburg und Mitglied der EKD-Synode, auf den 11. Hochschultagen Berufliche Bildung im März 2000 in Hamburg. Rau wie Jepsen befassen sich kritisch mit der Trias Arbeit – Beruf – Bildung, der eine verhaltener, die andere bewusst kämpferisch.
Von 1986-1988 wurden im Forschungsprojekt "Öffnung des Berufsspektrums für junge Frauen der Bergischen Region" im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft Berufseinmündung und Berufsverlauf in sechs atypischen Berufen untersucht. Einer davon war der der Speditionskauffrau. 68 weibliche und 95 männliche Auszubildende dieses Berufes im ersten und dritten Lehrjahr wurden zur Ausbildungsmotivation, zum Ausbildungsverlauf, zu ihren beruflichen Zukunftsplänen und zu ihren Erwartungen an den Beruf befragt. Die Ergebnisse zeigen, daß schon die Motivation und Interessen differieren, mit denen junge Frauen und junge Männer die Ausbildung aufnehmen, daß sich die Unterschiede in Interessen und Aufgabenwahrnehmung während der Ausbildung vertiefen und schließlich mit dem ersten Arbeitseinsatz nach der Ausbildung Weichen für die weiteren Berufsperspektiven gestellt werden. Trotz der ursprünglichen Präferenz von speditionellen Tätigkeiten der Frachtabfertigung und Frachtorganisation entscheiden sich die jungen Frauen dann eher für den Arbeitsplatz in kaufmännischen oder Verwaltungsabteilungen - vermutlich schon im Hinblick auf die spätere Vereinbarkeit der Berufsausübung mit Aufgaben in der Familie. Längerfristig wird die Ausbildung zur Speditionskauffrau mehr als eine von mehreren möglichen kaufmännischen Erstausbildungen gesehen und eventuell auf eine breitere Verwertbarkeit hin ausgebaut, weniger als spezifische Ausbildung für den Spediteurberuf.
Nach über 15 Jahren an der Spitze des Bundesinstituts für Berufsbildung wurde Präsident Friedrich Hubert Esser am 16. Juni 2026 offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Rund 150 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Berufsbildungspraxis und Gesellschaft kamen im BIBB zusammen, um auf sein langjähriges Wirken sowie auf gemeinsame Stationen seiner Präsidentschaft zurückzublicken.
Junge Menschen aus Drittstaaten, die eine Ausbildung in Deutschland aufnehmen möchten, benötigen Informationen und praktische Unterstützung. Dabei treffen sie auf unterschiedliche Akteure und Institutionen mit vielfältigsten Unterstützungsangeboten. Diese Heterogenität in einem stark fragmentierten Prozess führt zu Verwirrung und begünstigt Fehlvorstellungen. Auf Basis einer qualitativen Befragung von Expertinnen und Experten aus Beratung, Verwaltung, Rekrutierungsagenturen und weiteren intermediären Institutionen werden Brüche in der Begleitung und Unterstützung dieser jungen Menschen aufgezeigt. Der Beitrag benennt abschließend Ansatzpunkte für eine verbesserte Prozesssteuerung.
Die Besetzung von Ausbildungsstellen stellt viele Betriebe vor Herausforderungen. Wenn Bewerber/-innen oder gar angehende Auszubildende wieder abspringen, verschärft das diese Problematik zusätzlich. Eine Befragung von 377 Ausbildungsbetrieben mit dem Referenz-Betriebs-System (RBS) geht der Frage nach, wie häufig und wann solche Absprünge auftreten und welche Gründe Betriebe dahinter vermuten. Die Spiegelung an den Motiven junger Menschen zeigt, dass die Annahmen der Betriebe nicht falsch sind, aber einen relevanten Aspekt des Rekrutierungsprozesses unterschätzen.
Das Gesundheitswesen in Deutschland kränkelt. Zumindest steht es vor großen Herausforderungen. Infolge der demografischen Entwicklungen steigt der Versorgungsbedarf der Bevölkerung und die Koordination der unterschiedlichen Versorgungsbereiche wird immer komplexer. Gleichzeitig klagt die Branche über einen wachsenden Personalmangel. Wie kann vor diesem Hintergrund eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung der Bevölkerung gewährleistet werden? Welche Baustellen im Gesundheitswesen müssen in Angriff genommen werden, welche Rolle spielt dabei die digitale Transformation und wie muss das Fachpersonal in den Gesundheitsberufen qualifiziert werden? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt Dr. Katja Vonhoff in diesem Interview.
Das deutsche Gesundheitswesen befindet sich insbesondere durch demografische Entwicklungen, Fachkräftemangel, wirtschaftliche sowie technologische Veränderungen im Wandel und steht vor großen Herausforderungen. Davon betroffen ist eine Vielzahl nichtakademischer Gesundheitsberufe. Welche sind das und auf welchen Wegen der beruflichen Bildung werden sie ausgebildet? Der Beitrag gibt einen Überblick über die heterogene Ausbildungslandschaft im Gesundheitswesen und umreißt einige bereits angestoßene Reformen.
Trotz erster ordnungspolitischer Vorgaben hat sich das interprofessionelle Lehren und Lernen in der Ausbildung in den Gesundheitsberufen noch nicht flächendeckend in Deutschland durchgesetzt. Im Projekt interEdu wurde ein Rahmencurriculum zur Förderung von Kompetenzen für die interprofessionelle Zusammenarbeit in der Pflegeausbildung entwickelt und praktisch erprobt. Hintergründe und erste Erfahrungen werden im Beitrag vorgestellt.
Zwischenmenschliche Interaktionen im Arbeitsalltag von Medizinischen Fachangestellten stellen häufig hohe sozial-emotionale Anforderungen an sie. Um Überforderung und Belastungen vorzubeugen, sollten bereits Auszubildende einen guten Umgang mit diesen Anforderungen lernen. Im Beitrag wird anhand einer Befragung von Auszubildenden untersucht, inwiefern Ausbildungsbetriebe den zwischenmenschlichen Umgang, gute Kommunikation und den Umgang mit Emotionen im Team thematisieren und inwiefern dies mit der Ausbildungszufriedenheit zusammenhängt.
Pflegefachpersonen übernehmen ein breites Spektrum beruflicher Aufgaben, das über die direkte pflegerische Versorgung von Patientinnen und Patienten hinausreicht. So arbeiten sie ebenso in Tätigkeitsfeldern, in denen sie prüfen, beraten, organisieren oder begutachten. Vor diesem Hintergrund geht der Beitrag der Frage nach, inwiefern Auszubildende diese Tätigkeitsfelder überhaupt als potenzielle pflegeberufliche Handlungsfelder wahrnehmen.
Infolge der demografischen Entwicklung in Deutschland wird mit einem steigenden Bedarf an Gesundheits- und Pflegeleistungen gerechnet. Das Poster zeigt die bisherigen sowie die ab 2024 voraussichtlichen Entwicklungen des Arbeitskräfteangebots nach Erwerbspersonen und der Arbeitskräftenachfrage nach Erwerbstätigen in den Gesundheitsberufen, wenn sich die bisher beobachtbaren Trends und Verhaltensweisen fortsetzen.
Durch jährliche Rankings erhalten nach Berufsbildungsgesetz und Handwerksordnung geregelte Ausbildungsberufe mit den meisten Neuabschlüssen viel öffentliche Aufmerksamkeit. Demgegenüber finden Berufe mit sehr wenigen Auszubildenden deutlich weniger Beachtung. Auf Grundlage einer Datenauswertung beleuchtet der Beitrag das Phänomen „Kleinstberufe“ und geht den Fragen nach, wie diese Ausbildungsberufe im deutschen Ausbildungssystem statistisch einzuordnen sind und welche Berufe dieser Gruppe angehören. Vor diesem Hintergrund werden ihre Bedeutung und Ansatzpunkte für den perspektivischen Umgang mit Kleinstberufen thematisiert.
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