Schwindendes Vertrauen in demokratische Institutionen, zunehmende Politikverdrossenheit und ein Erstarken extremistischer und populistischer Orientierungen sind Themen, mit denen sich die Berufsbildung mehr denn je auseinandersetzen muss. In November 2023 ehrte die Handwerkskammer Düsseldorf BIBB-Präsident Esser mit dem Georg-Schulhoff-Preis. Mit dem Preis werden Personen und Institutionen ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise um die Berufsbildung verdient gemacht haben. In seiner Dankesrede stellte Esser Demokratiebildung als wichtigen Aspekt einer ganzheitlichen beruflichen Bildung in den Mittelpunkt – ein Thema, das ihn in seiner Bedeutung für unsere liberale Gesellschaft und die nachwachsenden Generationen weiter beschäftigt.
Social partnership is a core principle of vocational education and training, and the same is true of examinations. Despite differing individual perspectives, both sides face the same challenges. These must be resolved jointly. The Vocational Education and Training Modernisation Act (BBiMoG) made changes aimed at reducing the workload of volunteer examiners whilst also seeking to enhance the attractiveness of the role. Digitalisation too is an intrinsic source of potential for the modernisation of examinations. Franziska Hamann-Wachtel of the service sector trade union ver.di and Andrea Sitzmann from the Lower Franconia Chamber of Crafts and Trades (HWK) explain how all of this is currently reflected in examination practice and talk about the areas in which further development and action are required.
Sozialpartnerschaft ist ein zentrales Prinzip der Berufsbildung – so auch in Prüfungen. Trotz unterschiedlicher Perspektiven im Einzelnen stehen beide Seiten vor denselben Herausforderungen, die es gemeinsam zu lösen gilt. Mit dem Berufsbildungsmodernisierungsgesetz (BBiMoG) wurden Änderungen vorgenommen, die das Prüferehrenamt entlasten und gleichzeitig seine Attraktivität stärken sollen. Zudem birgt die Digitalisierung Potenziale zur Modernisierung von Prüfungen. Wie sich dies aktuell in der Prüfungspraxis widerspiegelt und wo weiterer Entwicklungs- und Handlungsbedarf besteht, erläutern Franziska Hamann-Wachtel, ver.di, und Andrea Sitzmann, HWK für Unterfranken.
A further vocational orientation tool is being established in Germany: trainees visit schools and talk to pupils about their occupations. This article presents the concept and uses the theory of impression management and self-to-prototype matching to explain the particular areas of potential it offers. The verdict is that training ambassador visits do not merely embrace the function of transmitting authentic information about an occupation. They also do a great deal to provide pupils with important indications from an identity psychology perspective. A clear and visual demonstration is offered as to what kinds of young people aspire to become plumbers, bakers, or management assistants in e-commerce. The article concludes by referring to a study which aims to investigate this approach in greater detail.
Partizipative Forschung ist ein Weg, um den digitalen Wandel in Arbeit und Beruf zu analysieren und zu gestalten. Partizipation meint hier, dass die Personen und Gruppen am Forschungs- und Gestaltungsprozess mit ihrem Wissen und ihren Interessen beteiligt werden, die von einer konkreten Digitalisierungsmaßnahme betroffen sind. Auf diese Weise lässt sich die digitale Arbeitswelt nicht nur nachhaltig gestalten, vielmehr wird auch Wissen erzeugt, das sowohl Beschäftigte als auch Entscheider/-innen dazu befähigt, den Herausforderungen der Digitalisierung angemessen zu begegnen. Im Beitrag werden Grundannahmen und Funktionen des Forschungsansatzes vorgestellt und anhand von Gestaltungsfeldern veranschaulicht.
Die berufliche Pflege, einschließlich der Pflegebildung, ist spätestens seit den 1990er-Jahren erheblichen Dynamiken ausgesetzt. Reformprozesse verdichten sich sowohl in ihrer zeitlichen Taktung als auch in ihrer Eingriffstiefe. Derzeit sind drei politische Strategien erkennbar, die sich unmittelbar auch auf die Weiterentwicklung der beruflichen Pflegebildung auswirken: die Professionalisierung der Pflege, die Einbindung von zivilgesellschaftlichem Engagement in die Pflegearbeit und die technische Unterstützung der Pflegearbeit. Der vorliegende Beitrag skizziert diese Entwicklungen sowie Konsequenzen für die Fachkräftequalifizierung in der Pflege.
The growing worldwide interest in dual initial vocational training has intensified international cooperation among stakeholders and institutions involved in vocational education and training. This issue of BWP (Vocational Training in Research and Practice) points out the parameters, approaches and strategies of international cooperation, and sheds light on selected cooperations between Germany and individual partner countries. In 2013 the German government passed a common strategy on international vocational training cooperation from a single source. Government department representatives deliver an initial verdict on its success.
Bei der Beantwortung der Frage nach der Ähnlichkeit von Berufen und der Möglichkeit, diese stärker zusammenzufassen, wird im Folgenden ein empirisch gestütztes Konzept der Verdichtung von Erwerbsberufen vorgestellt, das auf der Basis von Tätigkeits- und Branchenschwerpunkten 54 Berufsfelder definiert.
Vor dem Hintergrund einer europäischen Qualitätsdiskussion in der Berufsbildung hält der Präsident des BIBB, Manfred Kremer, die Entwicklung von Kompetenzstandards für das berufliche Bildungspersonal für dringend notwendig. Das BIBB verfolgt den Ansatz eines gestuften Qualifizierungsmodells, das von der Ausbildereignungsprüfung über den geprüften Berufsausbilder bis zum geprüften Berufspädagogen reicht, und geeignet ist, solche Standards für das berufliche Bildungspersonal zu konstituieren. Ein besonderes Augenmerk verdienen die ausbildenden Fachkräfte, die an der Berufsausbildung mitwirken, aber gemäß BBiG nur über die persönliche Eignung und die für die Vermittlung der Ausbildungsinhalte erforderlichen beruflichen Kompetenzen verfügen müssen. Für diese Gruppe sollte ein umfassendes, in den Ausbildungsprozess integriertes Angebot zur Kompetenzentwicklung entwickelt werden.
Mit dem Weiterbildungssparen will die Bundesregierung die individuelle Weiterbildungsbeteiligung erhöhen. Eine Weiterbildungsprämie von bis zu 154 Euro soll Weiterbildungsanreize für Geringverdiener schaffen. Fraglich ist, ob diese finanziellen Anreize allein ausreichen. Es sind nicht nur finanzielle Gründe, die eine Weiterbildungsteilnahme verhindern, sondern auch unzureichende Informationen und institutionelle Rahmenbedingungen. In diesem Beitrag stellen die Autoren zentrale Befunde zu den Gründen für die Nichtteilnahme an Weiterbildung dar und plädieren vor diesem Hintergrund für einen integrierten Förderansatz. Sie empfehlen, eine verbraucherorientierte Weiterbildungsberatung auszubauen und die Betriebe stärker einzubeziehen.
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