Empirisch-statistische Erkenntnisse über die Strukturen des Qualifikationserwerbs von Selbständigen, die ja in ihrer weit überwiegenden Mehrheit Inhaber kleinerer oder mittlerer Unternehmen sind, liegen bislang nur punktuell vor bzw. sind nicht mehr aktuell. Anhand der Daten der BIBB/IAB-Erwerbstätigenbefragung von 1985/1986 wird im folgenden Beitrag ein Überblick über die berufliche Aus- und Weiterbildung der zum Befragungszeitpunkt in der Bundesrepublik Deutschland als Selbständige Tätigen gegeben.
1985/86 hat das Bundesinstitut für Berufsbildung gemeinsam mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung eine breit angelegte repräsentative Erhebung bei rund 26.500 deutschen Erwerbstätigen durchgeführt. In vielen Teilen war diese Erhebung so angelegt, dass sie mit der im Jahre 1979 durchgeführten Untersuchung der beiden Institute vergleichbar ist. Dies gilt insbesondere für die Merkmale der Aus- und Weiterbildung. In dem Beitrag wird zunächst die Qualifikationsstruktur der deutschen Erwerbstätigen und ihre Veränderung seit 1979 dargestellt. Anschließend wird der Verbleib der Erwerbstätigen im unmittelbaren Anschluss an eine betriebliche Berufsausbildung und die weitere Qualifizierung dieses Personenkreises behandelt.
Im Zeichen anhaltender globaler und zunehmender struktureller Arbeitsmarktprobleme wurde im Spätsommer 1985 in mehreren Geprächen zwischen Bundesregierung, Gewerkschaften und Arbeitgebern die Qualifizierungsoffensive ins Leben gerufen. Sie zielt primär darauf ab, durch eine Ausweitung der über das Arbeitsförderungsgesetz (AFG) geförderten beruflichen Bildungsmaßnahmen die Wiederbeschäftigungschancen von Arbeitslosen zu verbessern. Seit Inkrafttreten der 7. AFG-Novelle am 1. Januar 1986, die die Qualifizierungsoffensive von gesetzgeberischer Seite her gestützt hat, sind nun mehr als 18 Monate vergangen, die ebenso wie einige kritische, zum Teil auch mehr polemische Stellungnahmen - wie der in Heft 1/87 dieser Zeitschrift veröffentlichte Aufsatz von Dobischat und Neumann - Anlaß für eine Zwischenbilanz sein sollen. Die finanzielle Entwicklung bei der Bundesanstalt für Arbeit (BA) soll ferner Grund für einige Bemerkungen über die Perspektiven der Qualifizierungsoffensive sein.
Vor anderthalb Jahrzehnten, in den Jahren 1982 bis 1986, stand das berufliche Bildungssystem vor ähnlichen Herausforderungen, wie sie gegenwärtig angesichts einer angespannten Lehrstellensituation zu bewältigen sind. Der Beitrag untersucht die Entwicklung des Übergangs von den allgemeinbildenden Schulen in die betriebliche Berufsausbildung unter den Bedingungen wachsender Schulentlassjahrgänge und steigender Arbeitslosigkeit. Die Veränderungen der Übergangsquoten (Anteile eines Jahrgangs, die in eine betriebliche Berufsausbildung einmünden) im Zeitverlauf, Bildungsbereitschaft und Übergangsverhalten sowie der Übergang einzelner Gruppen (Ausländer, Frauen) werden betrachtet. Beide Krisen am Lehrstellenmarkt, die gegenwärtige wie die der Jahre 1984/85 resultieren aus einer ähnlichen Problemkonstellation: Ein demographisch bedingter Anstieg der Schulentlassjahrgänge und hohe Arbeitslosigkeit. Betroffen von den negativen Veränderungen sind vor allem schulisch geringer qualifizierte Jugendliche, Ausländer und Frauen.
Die Versicherungswirtschaft verfügt über ein dreistufiges abgestimmtes und aufbauendes Berufsbildungssystem mit folgenden Abschlüssen: Versicherungskaufmann, Versicherungsfachwirt und Versicherungsbetriebswirt. Die Neuordnung erstreckte sich auf die Ausbildungsordnung zum Versicherungskaufmann, die am 01.08.1996 in Kraft getreten ist, und die Fortbildung zum Geprüften Versicherungsfachwirt. Hier handelte es sich um die Neuordnung der Prüfungsregelungen im Rahmen einer bundeseinheitlichen Prüfungsordnung, die am 16.03.1998 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurden. Der Beitrag beschreibt die veränderten Qualifikationsanforderungen in der Versicherungswirtschaft, erläutert das Leitziel der beruflichen Handlungskompetenz in der neugestalteten Ausbildungsordnung und geht auf unterstützende Maßnahmen zur Umsetzung der Ausbildungsordnung und des Rahmenlehrplans ein. Außerdem wird das Strukturkonzept der Prüfungsordnung zum anerkannten Abschluss "Geprüfter Versicherungsfachwirt/Geprüfte Versicherungsfachwirtin" dargestellt.
In dem Beitrag wird die Angebotsentwicklung auf dem Lehrstellenmarkt im Zehnjahreszeitraum von 1985 bis 1995 analysiert. Als zentrales Ergebnis wird festgehalten, "dass der Anteil der Ausbildungsbetriebe an der Gesamtzahl aller Betriebe im Beobachtungszeitraum von einem Drittel auf knapp ein Viertel gesunken ist. Gleichzeitig ist auch der Anteil der Auszubildenden an den Beschäftigten von knapp neun auf etwas mehr als fünf Prozent zurückgegangen. Parallel dazu hat sich die betriebliche Ausbildung von einer kleinbetrieblichen hin zu einer mehr großbetrieblich orientierten Ausbildung entwickelt." Während im gewerblichen Sektor die zurückgehende Ausbildungsbereitschaft durch die rückläufigen Beschäftigtenzahlen erklärbar ist, hat der Dienstleistungssektor trotz beträchtlicher Beschäftigungszuwächse in den letzten Jahren sein Ausbildungsengagement vermindert. Die Analyse zeigt insgesamt, dass entgegen der weitverbreiteten Auffassung zwischen Beschäftigungssystem und dem System der betrieblichen Ausbildung keine linearen Interdependenzbeziehungen bestehen.
Im Rahmen der BIBB/IAB-Erhebung 1991/92 wurden auch die Personen erfaßt, zu deren Aufgaben die Ausbildung von Lehrlingen gehört. Ihre Erwerbssituation wird untersucht und mit den Angaben der übrigen Befragten verglichen. Rund 5,3 Millionen Erwerbstätige beteiligen sich an der Qualifizierung von Auszubildenden. Die überwiegend männlichen Ausbilder sind schulisch und beruflich deutlich besser qualifiziert als Nichtausbilder und interessieren sich stärker für Weiterbildungsmaßnahmen. Ihre Arbeitsbedingungen sind tendenziell härter, die an sie gestellten Arbeitsanforderungen vielseitiger als die anderer Arbeitnehmer, und ihre wöchentliche Arbeitszeit ist überdurchschnittlich hoch. Trotzdem äußern sich Ausbilder deutlich zufriedener über ihre Tätigkeit.
Ziel der Untersuchung war, die Entwicklung der Aufwendungen für die betriebliche Aus- und Weiterbildung im Jahre 1990 zu untersuchen. Als Datenbasis dienten rd. 200 Geschäfts- und Sozialberichte von Groß- und Mittelbetrieben. Ein zentrales Ergebnis ist, daß die betrieblichen Aufwendungen sowohl für die Ausbildung als auch für die Weiterbildung gestiegen sind. Entgegen den Erwartungen aufgrund der BIBB-Untersuchung von 1985 sind die Aufwendungen für die Erstausbildung nicht hinter denen für die Weiterbildung zurückgefallen. Obwohl es sich nicht um eine repräsentative Untersuchung handelt und die Bewertungsansätze in den Geschäfts- und Sozialberichten nicht verglichen werden können, zeigen die Ergebnisse wichtige Entwicklungstendenzen auf.
Von 1985 bis 1990 lief in Wolfsburg in Kooperation zwischen den Berufsbildenden Schulen und der Volkswagen AG der Modellversuch 'Lernortübergreifende Integration neuer informationsverbreitender Technologien in die Ausbildung von Industriekaufleuten'. Der Modellversuch wurde vom Seminar für Wirtschaftspädagogik der Universität Göttingen wissenschaftlich begleitet. Die praktischen Umsetzungsmöglichkeiten für eine handlungsorientierte Lerngestaltung werden in diesem Artikel beschrieben. Die entwickelten Lernarrangements als die Kernelemente zur Erzeugung von Lernhandeln wurden weiterentwickelt und auf die Berufsbilder 'Kauffrau/Kaufmann für Bürokommunikation' und 'Speditionskaufmann/-kauffrau' übertragen und verändert.
In dem Beitrag wird der Frage nachgegangen, welche hierarchischen Positionsstufen und sozialen Lagen die Ausbildungsberufe des Handels ihren Absolventen eröffnen. Die Überprüfung erfolgte getrennt für Betriebe des Facheinzelhandels und für Filialunternehmen (Waren- und Kaufhäuser, Lebensmittelsupermärkte, Waren-/ Discountläden). Die empirischen Daten stammen aus der BIBB/IAB-Befragung von 1985. Die Analyse des Facheinzelhandels stützt sich auf 1.035, die der Filialbetriebe auf 470 Befragte. Die Ergebnisse bestätigen, dass die Fachausbildungen im Einzelhandel nur begrenzte Chancen für die Erreichung attraktiver Positionen und Arbeitssituationen in den Handelsbetrieben eröffnen. Eine einfache verallgemeinernde Aussage über die Statuszuweisungsfunktionen der Ausbildungsberufe, wie etwa die, dass die Verkäuferausbildung ihre Absolventen im Handel generell eher in die unteren sozialen Positionen führt und die Ausbidung zum Einzelhandelskaufmann generell größere Chancen für den Zugang zu hohen Positionen und damit zu "besseren Lebenslagen" eröffnet, wird durch die Analyse nicht gestützt.
Der Beitrag berichtet über den Modellversuch WOKI, dessen Ziel es war, übertragbare 'Lernarrangements' zu entwickeln, um an den Lernorten Schule und Betrieb angehenden Industriekaufleuten die für die Fabrik der Zukunft nötige berufliche Handlungskompetenz - insbesondere Schlüsselqualifikationen - zu vermitteln. WOKI hat zentrale Probleme einer zukunftsorientierten Ausbildung im dualen System angesprochen, übergreifende und stimmige inhaltliche Lösungen konzipiert und zu einem beträchtlichen Teil auch in 'Lernarrangements' methodisch umgesetzt. Seine Konzeption und seine Ergebnisse sind auf überregionalen Tagungen ebenso wie auf internationalen Symposien in der Bundesrepublik, in der ehemaligen DDR, in Großbritannien und in den USA vorgestellt und diskutiert worden. Das Verzeichnis von Veröffentlichungen enthält bisher mehr als 60 Titel. An mehreren Standorten sind Ergebnisse des Modellversuchs bereits übernommen worden. Mehrere mittelständische Unternehmen haben als 'Transfer-Betriebe' Lernarrangements erprobt.
Von 1986-1988 wurden im Forschungsprojekt "Öffnung des Berufsspektrums für junge Frauen der Bergischen Region" im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft Berufseinmündung und Berufsverlauf in sechs atypischen Berufen untersucht. Einer davon war der der Speditionskauffrau. 68 weibliche und 95 männliche Auszubildende dieses Berufes im ersten und dritten Lehrjahr wurden zur Ausbildungsmotivation, zum Ausbildungsverlauf, zu ihren beruflichen Zukunftsplänen und zu ihren Erwartungen an den Beruf befragt. Die Ergebnisse zeigen, daß schon die Motivation und Interessen differieren, mit denen junge Frauen und junge Männer die Ausbildung aufnehmen, daß sich die Unterschiede in Interessen und Aufgabenwahrnehmung während der Ausbildung vertiefen und schließlich mit dem ersten Arbeitseinsatz nach der Ausbildung Weichen für die weiteren Berufsperspektiven gestellt werden. Trotz der ursprünglichen Präferenz von speditionellen Tätigkeiten der Frachtabfertigung und Frachtorganisation entscheiden sich die jungen Frauen dann eher für den Arbeitsplatz in kaufmännischen oder Verwaltungsabteilungen - vermutlich schon im Hinblick auf die spätere Vereinbarkeit der Berufsausübung mit Aufgaben in der Familie. Längerfristig wird die Ausbildung zur Speditionskauffrau mehr als eine von mehreren möglichen kaufmännischen Erstausbildungen gesehen und eventuell auf eine breitere Verwertbarkeit hin ausgebaut, weniger als spezifische Ausbildung für den Spediteurberuf.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat gemeinsam mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit (IAB) 1979 und 1985/86 jeweils eine repräsentative Erhebung bei mehr als 25.000 Erwerbstätigen in der Bundesrepublik (0,1-Prozent-Stichprobe) durchgeführt. Dabei ging es um die Erfassung der allgemeinen und beruflichen Qualifikation der Befragten, ihres Berufsverlaufs und ihrer aktuellen Berufssituation. Für 1991/92 ist eine Wiederholung dieser Erhebung geplant, um den strukturellen Wandel in der Arbeitswelt und in der Erwerbsbevölkerung seit der letzten Untersuchung zu erfassen. Dabei werden auch die neuen Bundesländer mit einzubeziehen sein. Zur Vorbereitung wurde im September/Oktober 1990 eine repräsentative "Probeerhebung" bei rund 1.000 Erwerbstätigen im Gebiet der ehemaligen DDR durchgeführt. In dem Beitrag werden erste Ergebnisse über die unterschiedlichen Ausbildungsgänge, die gegenwärtige Beschäftigungssituation und die beruflichen Perspektiven aufgezeigt.
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