Computer sind für kaufmännische Auszubildende ein alltägliches Arbeitsmittel, bei der Durchführung von Abschlussprüfungen werden sie bisher kaum genutzt. In einem Forschungsprojekt des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) wurde ein computergestützter Aufgaben-Prototyp zur Erfassung beruflicher Handlungskompetenz entwickelt und erprobt. Die Ergebnisse wurden mit denen der regulären Abschlussprüfung, den Berufsschulnoten und einer Einschätzung der beruflichen Handlungskompetenz durch Lehrer und Ausbilder verglichen. Wie die Untersuchungsergebnisse zeigen, ist mit dem entwickelten Aufgabensatz noch kein Durchbruch zu handlungsorientierten computergestützten Prüfungen gelungen. Es sind noch wesentlich stärker auf die Simulation beruflicher Handlungsabläufe ausgerichtete Prüfungsformen zu entwickeln und erproben.
Der Praxisbezug von Prüfungen innerhalb der dualen Ausbildung und damit ihre Aussagekraft für die spätere Bewährung im Beruf werden häufig in Frage gestellt sowohl durch einzelne Prüfer, Betriebsvertreter als auch durch die zuständigen Arbeitgeber- oder Arbeitnehmerorganisationen. Es ist offen, ob die Kritik verallgemeinert werden kann und ob sie für alle Prüfungsformen und Berufe gilt. Deshalb wurden Betriebe um ihre Einschätzung von Prüfungen u.a. hinsichtlich Praxisnähe, Relevanz für Einstellungsentscheidungen, erfassbarer Personenmerkmale und Nutzen gebeten. Die Befragungsergebnisse zeigen, dass Prüfungen durchaus differenziert beurteilt werden und die Kritik an den Abschlussprüfungen nicht von allen Betrieben getragen wird. Zusätzlich erfolgt dies nach Beruf und Wirtschaftsbereich unterschiedlich. Das deutet darauf hin, dass keine flächendeckende Reform des Prüfungswesens, sondern die Neugestaltung der Prüfungsanforderungen einiger Berufe notwendig ist. Der Beitrag stellt die Ergebnisse der 1998 vom BIBB durchgeführten Betriebsbefragung vor.
Das deutsche Prüfungswesen verändert sich derzeit massiv durch die Einführung neuer Prüfungsmethoden. Nach Auffassung vieler Prüfungsexperten erfassen bisherige Prüfungen nur punktuelle Kenntnisse in der schriftlichen Prüfung und isolierte manuelle Fertigkeiten im praktischen Teil. Die neuen Prüfungsmethoden wie ganzheitliche oder komplexe Aufgabe, Kundenberatungsgespräch oder Fachgespräch sowie Projekt- oder Betriebsaufgabe bieten Chancen für praxisnahe und handlungsorientierte Prüfungen, ihre Einführung ist allerdings mit grossem Aufwand und einigen Gefahren verbunden. Der Beitrag befasst sich anhand eines anschaulichen Modells mit der Frage, welche Aspekte beruflicher Handlungskompetenz sich mit welchen Prüfungsmethoden erfassen lassen. Kernfrage bei der Modernisierung ist, wie sich Aussagekraft und Validität von Prüfungsmethoden im Hinblick auf die Erfassung von beruflicher Handlungskompetenz verbessern lässt. Die Aussagekraft von Prüfungsmethoden in 15 neuen oder neugeordneten Berufen ist Untersuchungsgegenstand eines derzeit laufenden Evaluierungsverfahrens des Bundesinstituts für Berufsbildung.
Computer sind aus Beruf und Ausbildung in fast allen Wirtschafts- und Dienstleistungsbereichen nicht mehr wegzudenken. Auch gibt es immer weniger Ausbildungen, in denen nicht in irgendeiner Form der Umgang mit diesem Werkzeug vermittelt wird. Dagegen wird in Prüfungen nur bei wenigen Berufen verlangt, dass am Computer gearbeitet wird. Wenn die Prüfung aber der Erfassung beruflicher Handlungskompetenz dienen soll, geht kein Weg an der Entwicklung computergestützter Prüfungsmethoden vorbei. Das Bundesinstitut für Berufsbildung führt deshalb ein Forschungsprojekt zu neuen computergestützten Prüfungsformen durch. Der Beitrag gibt einen Überblick über den Stand der Entwicklung und über bereits vorliegende Erfahrungen, auf die man bei der Erarbeitung neuer Prüfungsmethoden zurückgreifen kann.
Zur Erfassung der beruflichen Handlungskompetenz enthalten neue Ausbildungsordnungen Ansätze zur praxisnahen, handlungsorientierten, integrierten und ganzheitlichen Gestaltung von Prüfungen. Die Abschlussprüfungen müssen die Anforderungen abdecken, die durch Ausbildungsordnungen und Rahmenlehrpläne festgelegt sind. In dem Beitrag werden die herkömmlichen Prüfungen kritisiert und neue Prüfungsmethoden und -strukturen dargestellt.
Vor über 25 Jahren wurde in Musterprüfungsordnungen für Ausbildungen, Fortbildungen und Meisterprüfungen ein Umrechnungsverfahren festgelegt, der degressive 100-Punkte- Schlüssel. Diese Methode gerät immer wieder in die bildungspolitische Diskussion, obwohl, wie empirisch gezeigt wird, das eigentliche Problem in der Auffassung daüber besteht, wie schwierig Prüfungen sein sollen, welche Durchfallquote und welche Quote guter Leistungen akzeptabel erscheinen, und wie stark die Leistungen der Prüfungsteilnehmer streuen dürfen. Der Beitrag beschreibt das Umrechnungsverfahren und den Punkteschlüssel, vergleicht sie mit anderen Umrechnungsschlüsseln und kommt zu dem Schluss, dass die Zweckmäßigkeit eines Umrechnungsschlüssels von den Rahmenbedingungen und Anforderungen der Prüfung abhängt. Unter den heutigen Bedingungen bei Prüfungen im dualen System ist der praktizierte degressive Umrechnungsschlüssel am geeignetsten.
Im Rahmen des deutsch-irischen Kooperationsprojekts "Pilot comparison of German and Irish craftsperson qualification - a new approach to transparency of qualifications based on empirical project" wurde ein neuartiger, empirischer Weg zum Vergleich von Ausbildungsstandards eingeschlagen: jungen irischen Elektroinstallateuren und Kraftfahrzeugmechanikern wurde die Möglichkeit zur Teilnahme an einer in englischer Sprache durchgeführten deutschen Gesellenprüfung gegeben. Der Beitrag berichtet über den Ablauf der Prüfungen und die Erfahrungen der irischen Prüfungsteilnehmer mit den schriftlichen und praktischen Prüfungsteilen. Die Evaluierung der Prüfungsdurchführung zeigt, dass es möglich ist, eine deutsche Abschlussprüfung in den genannten Berufen mit relativ geringen Veränderungen in einem anderen Land und in einer anderen Sprache einzusetzen.
International haben Zertifikate im fremdsprachlichen Bereich eine große Bedeutung, während sie sich in Deutschland nur langsam durchsetzen. Um die Transparenz von Sprachzertifikaten sicherzustellen, entwickelt das europäische Projekt LangCred im Rahmen des LINGUA-II-Programms ein Informationssystem, das Zertifikate bzw. Diplome zur berufsbezogenen Sprachverwendung in einem System transnationaler Zertifizierung zusammenführt. Die Datenbank umfasst etwa 200 Zertifikate. Der Beitrag befasst sich mit der Frage, ob in Deutschland überhaupt ein Informationsbedarf hinsichtlich der in Europa verfügbaren Sprachzertifikate besteht. Dargestellt werden die wichtigsten Ergebnisse einer schriftlichen Befragung von Lehrgangsanbietern, Institutionen mit Multiplikator- und Disseminationsfunktionen und Unternehmen. Der positiven Resonanz von Sprachschulen und Weiterbildungseinrichtungen stehen Skepsis und Desinteresse deutscher Unternehmen an Zertifikaten gegenüber.
Im Rahmen der Europäischen Union ist Transparenz in der beruflichen Bildung unbestritten erforderlich. Dies bringt aber die Gefahr einer europaweiten Standardisierung von Bildungsgängen mit sich. An dem im Fremdsprachenbereich angesiedelten LINGUA-Projekt LangCred wird diese Problematik exemplarisch verdeutlicht. Dem Versuch dieses Projekts, eine umfassende Übersicht über alle in der Europäischen Union angebotenen Fremdsprachenzertifikate zu schaffen, steht eine Reihe bildungspolitischer und wettbewerbsrechtlicher Bedenken gegenüber. So ist damit zu rechnen, dass durch LangCred indirekt ein transnationaler Standard für Prüfungen entwickelt wird, da die Datenbank notwendigerweise auch einheitliche Beschreibungs- und Bewertungskriterien für die Zertifikate enthalten muss. Weiterhin können sich Auswirkungen auf die Qualitätsbewertung von Fremdsprachenzertifikaten, auf die Ausbildungs- und Unterrichtspraxis und auf die Sprachpolitik einzelner Länder ergeben.
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