Wenn es um ehrenamtliches Engagement in der Berufsbildung geht, richtet sich der Fokus meist auf das Prüfungswesen. Doch engagieren sich darüber hinaus weitere Akteure ehrenamtlich, so z.B. in Mentoringangeboten, der außerschulischen Bildungsarbeit, aber auch im Rahmen der Selbstverwaltung. Gleichzeitig gewinnt zivilgesellschaftliches Engagement als Gegenstand beruflicher Bildung an Bedeutung. Das Lernen durch Engagement vermittelt wichtige Schlüsselkompetenzen auch über den beruflichen Kontext hinaus. Diese Vielfalt macht die BWP-Ausgabe sichtbar und unterstreicht die Potenziale des Ehrenamts für das Individuum und das System.
Seit dem 1. August 2026 ist Dr. Sandra Garbade Präsidentin des Bundesinstituts für Berufsbildung. Als gelernte Bankkauffrau, Diplom-Handelslehrerin und promovierte Wirtschaftspädagogin bringt sie eine typische BIBB-Biografie mit, zudem viel Erfahrungen und Expertise aus ihren vielseitigen beruflichen Tätigkeiten. Im Interview wirft sie einen Blick auf die aktuellen Herausforderungen der Berufsbildung und erläutert, wie sie die berufliche Bildung gemeinsam mit allen Akteuren gestalten und weiter profilieren möchte.
Freiwilliges Engagement hat in der Berufsbildung eine zunehmend wichtige strukturelle Bedeutung: Ob im Prüfwesen oder in Form von Mentoring sichert es zentrale Funktionsbereiche des Systems und trägt gleichzeitig gesellschaftlich zur Stärkung öffentlicher Daseinsvorsorge und Demokratie bei. Bislang wird dieses freiwillige Engagement jedoch noch unzureichend systematisch erhoben – das so wichtige Rückgrat bleibt weitgehend unsichtbar. Die Autorinnen fordern deshalb u. a. mehr Sichtbarkeit und eine verbesserte Daten- und Wissensbasis sowie eine stärkere institutionelle Verankerung von Engagement als Bildungs- und Lerngegenstand.
Arbeitsgruppe "Mentoring und Berufsausbildungsverläufe" des Netzwerks "Educational Inequality across the Life Span" (EQUALNET)
Ehrenamtliches Engagement ist ein zentraler Pfeiler des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Im Bildungsbereich haben sich zunehmend Mentoring-Partnerschaften etabliert, die junge Menschen individuell begleiten und so Übergänge im Bildungssystem erleichtern. Ein zentrales Beispiel dafür ist das bundesweite Programm VerAplus des Senior Expert Service, eingebunden in die Initiative Bildungsketten. Im Beitrag wird anhand von administrativen Programmdaten untersucht, welche Senior Expertinnen und Experten sich im Mentoring ehrenamtlich engagieren und wie die Begleitungen zeitlich ausgestaltet werden.
Mit dem Ziel Ausbildungserfolge zu verbessern, unterstützt die Initiative VerAplus junge Menschen durch ehrenamtliche Begleitung. Bundesweit 5.000 Fachleute im Ruhestand engagieren sich hier als Mentorinnen und Mentoren. Eine wichtige Rolle bei der Organisation des Angebots vor Ort spielen die rund 80 ehrenamtlichen Regionalkoordinatorinnen und -koordinatoren. Ihre Aufgabe ist es, VerAplus in der Region zu etablieren und die ehrenamtlichen Senior Expertinnen und Experten zu gewinnen und zu unterstützen. Wie dies gelingen kann, erläutert Alfred Greis am Beispiel der Region Konstanz.
Ergänzend zu institutionellen Unterstützungsangeboten kann ehrenamtliches Mentoring bei der Begleitung sozial benachteiligter Jugendlicher in Ausbildung einen wirksamen Beitrag leisten. Wirksames Ehrenamt setzt jedoch Ressourcen und sorgfältige Programmstrukturen voraus. Dazu zählen im Programm ROCK YOUR LIFE! vier Säulen: kriteriengeleitete Auswahl und Matching der Paare, fundierte Qualifizierung und kontinuierliche Begleitung der Mentorinnen und Mentoren sowie eine Anerkennungskultur, die Engagement sichtbar macht. Der Beitrag gibt Einblicke, wie dies im Programm umgesetzt wird.
Das Ehrenamt bildet die personelle Grundlage der handwerklichen Selbstverwaltung und sichert damit auch die Praxisnähe und Legitimation beruflicher Bildung im Handwerk. Im Beitrag wird erläutert, welche Funktion das Ehrenamt für die Selbstverwaltung des Handwerks erfüllt, wie jedoch diese Struktur unter veränderten Motivlagen und Rahmenbedingungen zunehmend unter Druck gerät. Auf der Grundlage von Expertenworkshops wird abschließend aufgezeigt, welche Ansätze geeignet sein könnten, die Zukunftsfähigkeit dieses Systems zu sichern.
Wie viel Zeit investieren ehrenamtlich Prüfende in ihr Engagement und wann wird das persönlich maximal leistbare Zeitbudget überschritten? Der Beitrag beantwortet diese Fragen auf Basis einer Befragung von Prüfenden zu ihrer Tätigkeit im Jahr 2024 und zeigt, in welchen Gruppen und Aufgabenprofilen zeitliche Grenzen besonders häufig erreicht oder überschritten werden. Damit stellt der Beitrag Ergebnisse zum Zeitaufwand und zu den persönlichen Zeitgrenzen Prüfender in der dualen Berufsbildung bereit, die wichtige Hinweise für die weitere Diskussion um Gewinnung und Bindung ehrenamtlich Prüfender geben können.
Neuordnungsverfahren von Aus- und Fortbildungsordnungen sind auf die Mitwirkung von sogenannten Sachverständigen angewiesen, die in ihrer Funktion ehrenamtlich tätig sind. Anliegen des Beitrags ist es, auf diesen bislang wenig beachteten Bereich der Mitwirkung Ehrenamtlicher in der Berufsbildung aufmerksam zu machen. Ausgehend von Anforderungsprofil und Aufgaben der betrieblichen Sachverständigen wird aufgezeigt, welche Bedeutung das ehrenamtliche Engagement in Neuordnungsverfahren hat und aus welchen Motiven sich die Sachverständigen engagieren.
Der Bildungsauftrag beruflicher Schulen umfasst neben der Vermittlung fachlicher Kompetenzen auch die Befähigung junger Menschen, Verantwortung in Beruf und Gesellschaft zu übernehmen. Der Beitrag stellt das Modellprojekt "Lernen durch Engagement – für die Stärkung von Demokratiekompetenz an beruflichen Schulen" vor, das fachliches Lernen und gesellschaftliches Handeln miteinander verbindet und einen handlungsorientierenden Ansatz zur Demokratiebildung liefert.
Gesellschaftliches Engagement gilt in der beruflichen Bildung oft als "nice to have": wünschenswert, aber nicht zwingend als Kernbestandteil der Ausbildung. Gleichzeitig wird seit Jahren gefordert, überfachliche Kompetenzen, gesellschaftliche Verantwortung und demokratische Teilhabe stärker zum Gegenstand beruflicher Bildung zu machen. Das Projekt Open up! ermöglicht Auszubildenden einen zeitlich begrenzten und didaktisch gerahmten Einsatz in sozialen Einrichtungen, in dem sie Erfahrungen mit gesellschaftlicher Vielfalt, sozialer Ungleichheit und Verantwortung sammeln können.
Erwachsene mit geringen Grundkompetenzen nehmen nur selten an Weiterbildung teil. Im Rahmen der AlphaDekade arbeiteten deshalb verschiedene Projekte durch den Einsatz von Ehrenamtlichen daran, Hürden für gering literalisierte Erwachsene beim Einstieg ins Lernen abzubauen. Dieser Beitrag bündelt die Erfahrungen der vom Bundesbildungsministerium geförderten Projekte.
Die Ausbildungszufriedenheit gilt als zentraler Faktor für den Verbleib in der Pflegeausbildung und den Einstieg in den Beruf. Im Beitrag werden Ergebnisse einer bundesweiten Panelbefragung von Auszubildenden in der generalistischen Pflegeausbildung vorgestellt, die Aufschluss darüber geben, welche Faktoren die Ausbildungszufriedenheit am Lernort Praxis über den Ausbildungsverlauf prägen. Betrachtet werden gestaltbare Ausbildungsbedingungen und individuelle Merkmale.
Die zweijährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) gilt in der Schweiz als Ausbildungsangebot für Jugendliche mit schulischen Schwierigkeiten. Die Ergebnisse der in diesem Beitrag vorgestellten Studie zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild: Aus Sicht der Betriebe richtet sich das EBA an eine deutlich heterogenere Zielgruppe und ist somit ein wichtiger Bestandteil ihrer Fachkräftestrategie. Es eröffnet neue Rekrutierungsmöglichkeiten, berücksichtigt unterschiedliche Lernvoraussetzungen und schafft langfristige Entwicklungsperspektiven für Betriebe und Lernende.
Das komplexe Verhalten abwassertechnischer Systeme zu vermitteln, ist eine Herausforderung für die Aus- und Weiterbildung in den umwelttechnischen Berufen. Computersimulationen können dabei unterstützen. Sie ermöglichen die Analyse von Standardszenarien und Störfällen und bieten Einblick in sonst nicht zugängliche Prozesszustände. Der Beitrag stellt eine digitale Lern- und Simulationsumgebung vor und zeigt am Beispiel einer Lerneinheit auf, wie diese die Ausbildung bereichern kann.
Prüfungen übersetzen die in Ausbildungsordnungen beschriebenen beruflichen Anforderungen in überprüfbare Leistungen. Die bundeseinheitlich geltenden Prüfungsregelungen müssen rechtlich belastbar, fachlich angemessen und für die Prüfungspraxis durchführbar sein. Zugleich sollen sie die Vergleichbarkeit von Prüfungsleistungen sichern. Die neue Hauptausschussempfehlung 186 gibt hierfür eine Richtlinie vor. Der Beitrag benennt die wichtigsten Neuerungen für die Ordnungspraxis und Prüfungsdurchführung.
Das Orthopädietechnik-Handwerk unterstützt Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen durch individuell angepasste Hilfsmittel wie z. B. Prothesen, Einlagen oder Rollstühle. Der Steckbrief gibt einen Einblick in die für den Beruf typischen Aufgaben und Tätigkeiten, nennt Zahlen zur Ausbildung und stellt ein Projekt vor, wie das Handwerk kriegsversehrte Menschen in der Ukraine unterstützt.
Die Sommersitzung des Hautpausschusses fand unter Leitung von Dr. Thomas Koppe, Beauftragter der Arbeitgeber, statt. Im Mittelpunkt der Sitzung standen zwei Themenschwerpunkte: Zum einen besuchte Bundesbildungsministerin Karin Prien den Hauptausschuss für einen bildungspolitischen Austausch. Zum anderen wurde beraten, wie Ordnungsverfahren beschleunigt und überflüssige Bürokratie abgebaut werden können.