Sprachverwendung in Schrift und in sozialer Interaktion ist für kaufmännische Berufe wesentlich. Das zeigt dieser Beitrag mit Verweisen auf die Geschichte der kaufmännischen Berufe und Inhaltsanalysen aktueller kaufmännischer Ausbildungsordnungen. Vorgestellt werden Erkenntnisse aus dem BIBB-Forschungsprojekt "Gemeinsamkeiten und Unterschiede kaufmännisch-betriebswirtschaftlicher Aus- und Fortbildungsberufe (GUK)", die die Bedeutung von Sprache für kaufmännisches Handeln veranschaulichen. Hierbei wird deutlich, dass für die professionelle Ausübung kaufmännischer Tätigkeiten die auf Sprache basierende Kontrolle komplexer Geschäftsprozesse sowie die kommunikative Vermittlungstätigkeit zentral sind. Deren systematische Vermittlung wird jedoch überwiegend in den arbeitsplatzfernen Sprachunterricht der Berufsschule delegiert.
Mit zunehmender Internationalisierung der Arbeitsmärkte gewinnen die Fremdsprachenkenntnisse von Beschäftigten neben ihren fachlichen Qualifikationen an Bedeutung. An der Ecole Nationale Supérieure des Techniques Avancées (ENSTA) Bretagne wurde der Erwerb der Zweitfremdsprache im Rahmen einer kompetenzorientierten Ausrichtung des Ingenieurstudiums neu konzipiert. Ziel ist es, Ingenieurinnen und Ingenieure berufs- und anwendungsbezogen so zu qualifizieren, dass sie nach ihrem Studium sowohl technologisch anspruchsvolle Tätigkeiten als auch Führungsaufgaben in internationalen Arbeitskontexten übernehmen können. Am Beispiel des Erlernens einer zweiten Fremdsprache wird im Beitrag dargestellt, wie der Fremdsprachenerwerb in das Ingenieurstudium integriert wird, das in weiten Teilen projektförmig organisiert ist und auf Selbstlernphasen basiert. Abschließend werden erste Erfahrungen in der Umsetzung bilanziert.
Im Bereich des Sprachtrainings hat die Henkel AG & Co. KGaA einen Paradigmenwechsel vom herkömmlichen Sprachunterricht zum prozessorientierten Kommunikationstraining vollzogen. Ausgehend von einer systematischen Bedarfserhebung wird dieses konsequent auf die am Arbeitsplatz der Beschäftigten benötigten Sprachkompetenzen ausgerichtet. Im Beitrag werden Aufbau und Durchführung der Sprachenfortbildung beschrieben, bei der auch die Qualifizierung der eingesetzten Trainer/-innen eine wesentliche Rolle spielt. Es werden zudem Maßnahmen und Werkzeuge benannt, die zur kontinuierlichen Evaluation und Dokumentation relevanter Trainingsdaten implementiert wurden und nun eine systematische Qualitätsverbesserung und Effizienzmessung der angebotenen Trainings ermöglichen.
Neue Ansätze der Sprachförderung entwickeln Konzeptionen, die alle Beteiligten und den konkreten Gegenstand des kommunikativen Geschehens einbeziehen. Es wird ein Weg aufgezeigt, der Handlungs- und Sprachkompetenzentwicklung miteinander verknüpft und so einen Beitrag zur Integration durch Qualifikation leistet. Sprachvermittlung wird in Qualifizierungsmaßnahmen integriert und nicht als gesonderter Sprachunterricht konzipiert und durchgeführt.
International haben Zertifikate im fremdsprachlichen Bereich eine große Bedeutung, während sie sich in Deutschland nur langsam durchsetzen. Um die Transparenz von Sprachzertifikaten sicherzustellen, entwickelt das europäische Projekt LangCred im Rahmen des LINGUA-II-Programms ein Informationssystem, das Zertifikate bzw. Diplome zur berufsbezogenen Sprachverwendung in einem System transnationaler Zertifizierung zusammenführt. Die Datenbank umfasst etwa 200 Zertifikate. Der Beitrag befasst sich mit der Frage, ob in Deutschland überhaupt ein Informationsbedarf hinsichtlich der in Europa verfügbaren Sprachzertifikate besteht. Dargestellt werden die wichtigsten Ergebnisse einer schriftlichen Befragung von Lehrgangsanbietern, Institutionen mit Multiplikator- und Disseminationsfunktionen und Unternehmen. Der positiven Resonanz von Sprachschulen und Weiterbildungseinrichtungen stehen Skepsis und Desinteresse deutscher Unternehmen an Zertifikaten gegenüber.
Im Rahmen der Europäischen Union ist Transparenz in der beruflichen Bildung unbestritten erforderlich. Dies bringt aber die Gefahr einer europaweiten Standardisierung von Bildungsgängen mit sich. An dem im Fremdsprachenbereich angesiedelten LINGUA-Projekt LangCred wird diese Problematik exemplarisch verdeutlicht. Dem Versuch dieses Projekts, eine umfassende Übersicht über alle in der Europäischen Union angebotenen Fremdsprachenzertifikate zu schaffen, steht eine Reihe bildungspolitischer und wettbewerbsrechtlicher Bedenken gegenüber. So ist damit zu rechnen, dass durch LangCred indirekt ein transnationaler Standard für Prüfungen entwickelt wird, da die Datenbank notwendigerweise auch einheitliche Beschreibungs- und Bewertungskriterien für die Zertifikate enthalten muss. Weiterhin können sich Auswirkungen auf die Qualitätsbewertung von Fremdsprachenzertifikaten, auf die Ausbildungs- und Unterrichtspraxis und auf die Sprachpolitik einzelner Länder ergeben.
In den letzten fahren ist der Zustrom von Aussiedlern aus ost- und südosteuropäischen Ländern in die Bundesrepublik Deutschland sprunghaft angewachsen. War noch in den 60er und 70er fahren eine zunehmende, aber doch relativ geringe Zuwanderung zu verzeichnen, so steigerte sich ihre Zahl von 79 000 Personen 1987 auf 202 000 1988 und über 377 000 im Jahre 1989. 1990 sind es rund 400 000, wobei sich das Schwergewicht der Auswanderung von Polen auf die Sowjetunion verlagert hat. Als Herkunftsland sind in erster Linie Polen, Rumänien und die Sowjetunion zu nennen. Die wesentlichen Ursachen für das starke Anwachsen des Aussiedlerzustroms sind vor allen Dingen in der Liberalisierung der Ausreisebedingungen und in den unsicheren politischen sowie schlechteren wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen in den Herkunftsländern zu suchen. Da in den bisherigen Hauptherkunftsländern noch Millionen deutschstämmige Menschen leben - Schätzungen gehen von mindestens 3,5 Millionen aus-, wird bis Mitte der 90er Jahre mit jährlichen Zuwanderungsraten zwischen 300 000 bis 400 000 Personen gerechnet.
In der bildungspolitischen Diskussion wird häufig die Auffassung vertreten, daß nur solche ausländischen Jugendlichen die Chance einer erfolgreichen Berufsausbildung haben, die die allgemeinbildende Schule in der Bundesrepublik Deutschland vollständig durchlaufen haben. Da die zahlreichen ausländischen Jugendlichen mit höherem Einreisealter gegenwärtig meist keinen Zugang zur dualen Regelausbildung finden, ziehen solche Diskussionsbeiträge die Ausbildungsfähigkeit von Späteinsteigern überhaupt nicht in Betracht. Eben solche Späteinsteiger nehmen zu 65,7 Prozent an den Modellversuchen zur Ausbildung von ausländischen Jugendlichen teil. Eine vergleichende Analyse hat ergeben, daß Späteinsteiger mit langjährigem Heimatschulbesuch günstigere Einstiegsbedingungen auch für den ausbildungsbegleitenden Spracherwerb haben als Jugendiche mit längerer Aufenthaltsdauer in der Bundesrepublik Deutschland und weder hier noch im Herkunftsland abgeschlossener Schulbildung.
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