Schwindendes Vertrauen in demokratische Institutionen, zunehmende Politikverdrossenheit und ein Erstarken extremistischer und populistischer Orientierungen sind Themen, mit denen sich die Berufsbildung mehr denn je auseinandersetzen muss. In November 2023 ehrte die Handwerkskammer Düsseldorf BIBB-Präsident Esser mit dem Georg-Schulhoff-Preis. Mit dem Preis werden Personen und Institutionen ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise um die Berufsbildung verdient gemacht haben. In seiner Dankesrede stellte Esser Demokratiebildung als wichtigen Aspekt einer ganzheitlichen beruflichen Bildung in den Mittelpunkt – ein Thema, das ihn in seiner Bedeutung für unsere liberale Gesellschaft und die nachwachsenden Generationen weiter beschäftigt.
Der beruflichen Ausbildung wird für die Demokratiebildung von jungen Erwachsenen eine zentrale Rolle zugeschrieben. Im Mittelpunkt des Beitrags stehen die Potenziale und Herausforderungen der Demokratiebildung an den Lernorten Berufsschule und Ausbildungsbetrieb. Die Erkenntnisse werden vor dem Hintergrund gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen diskutiert.
Demokratische Gesellschaften leben vom freiwilligen Engagement ihrer Bürger/-innen. Dies setzt Autonomie im Handeln, Denken und Urteilen voraus. Der klassische Begriff dafür heißt "Mündigkeit". Er bezeichnet die individuelle Fähigkeit von Gesellschaftsmitgliedern, ein aufgeklärtes, verantwortungsbewusstes und selbstbestimmtes Leben zu führen. Diese Definition lässt jedoch die Frage offen, welche besonderen Kompetenzen zur Wahrnehmung politischer Teilhaberechte in demokratischen Gesellschaften erforderlich sind. Der folgende Beitrag gibt Antworten. Dazu werden Debattenhintergründe und ausgewählte Konzepte demokratischer Handlungskompetenz seit den 1990er-Jahren vorgestellt und darauf aufbauend die Möglichkeiten demokratischer Kompetenzförderung in der Berufsbildung skizziert.
Sowohl die Politikdidaktik als auch die Berufs- und Wirtschaftspädagogik fordern seit Jahrzehnten die Integration des Politisch-Demokratischen in die berufliche Bildung. Auch die Kultusministerkonferenz hebt als Lernziel die Mitgestaltung der Arbeitswelt und Gesellschaft in sozialer, ökonomischer, ökologischer und individueller Verantwortung hervor. Gleichwohl bestehen nach wie vor vielfach Umsetzungsdefizite. Der Beitrag verfolgt das Ziel, das Verhältnis von beruflicher Handlungskompetenz und Demokratiekompetenz konzeptionell zu bestimmen. Anhand von zwei Praxisbeispielen werden das Politische des Beruflichen und didaktisch-methodische Zugänge für die Lernorte aufgezeigt. In der abschließenden Reflexion werden konzeptionelle und bildungspolitische Schlussfolgerungen gezogen und Empfehlungen ausgesprochen.
Ein ganzheitlicher Bildungsauftrag ist laut Berufsbildungsgesetz Kernelement der Ausbildung im dualen System. Angesichts zunehmender Politikverdrossenheit und Populismus fragen sich ausbildende Betriebe verstärkt, welche Aspekte politischer Bildung sie vermitteln können, ohne Gefahr zu laufen, seitens der Auszubildenden als weltanschaulich tendenziös oder manipulativ wahrgenommen zu werden. Der Beitrag zeigt auf, welche Anknüpfungspunkte hierfür die seit 2021 geltenden Standardberufsbildpositionen bieten. Ziel ist es u. a., übergreifende Kompetenzen, die auch Teil der beruflichen Handlungsfähigkeit in einer modernen Arbeitswelt sind, über die gesamte Ausbildung zu fördern. Dazu gehören auch gesellschaftlich-demokratische Kompetenzen und Werte wie Partizipation, Diskursfähigkeit, Solidarität und Toleranz.
According to the Vocational Training Act, a holistic educational remit forms a core element of training in the dual system. In light of increasing political disenchantment and popularism, more and more companies providing training are wondering which aspects of civic education they can impart without running the risk of being perceived by the trainees as ideologically biased or manipulative. This article illustrates the points of reference offered in this regard by the standards in all occupational profile positions, which have been applicable since 2021. One of the aims is to foster cross-cutting competencies, which also form part of the employability skills set in the modern world of work, over the entire apprenticeship. These also include societal and democratic competencies and values such as participation, the ability to enter into discourse, solidarity and tolerance.
Die bundesweite "Initiative Betriebliche Demokratiekompetenz" unterstützt über ein Projekt-Netzwerk Betriebe und Berufsschulen, sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus stark zu machen. Ziel ist es, über demokratiefördernde Formate Ungleichheitsideologien entgegenzuwirken und demokratische Kompetenzen zu entwickeln. Der Beitrag zeigt auf, warum der Fokus auf die Arbeitswelt für die Förderung demokratischer Haltungen und Kompetenzen gewinnbringend sein kann, und gibt Einblicke in die praktische Arbeit des Netzwerks.
The national “Democratic Competence for Companies Initiative” (Initiative betriebliche Demokratiekompetenz) has established a project network to support companies and vocational schools in effectively combating racism and right-wing extremism. The aim is to use formats which promote democracy as a vehicle to counter inequality ideologies and to develop democratic competencies. This article illustrates why focusing on the world of work can be beneficial in terms of encouraging democratic attitudes and competencies. It also provides insights into the network’s practical operation.
Welchen Beitrag können Unternehmen leisten, um das Vertrauen junger Menschen in demokratische Institutionen zu stärken und sie für Demokratie zu begeistern? Die Allianz der Chancen, eine branchenübergreifende Initiative von Unternehmen und Institutionen, hat sich zum Ziel gesetzt, mit einem Workshop-Konzept ein klares Zeichen für Demokratie zu setzen. Hintergrund, Entwicklung und Inhalte des modulbasierten Konzepts werden im Beitrag vorgestellt.
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