1996 gab das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie ein sogenanntes Bildungs-Delphi in Auftrag. Erforscht werden sollte das Expertenurteil zur Frage, was die Bildungssysteme in Zukunft leisten sollten und wie sie sich wahrscheinlich bis 2020 entwickeln werden. Für die Berufsbildung stellten Helmut Kuwan, Joachim Gerd Ulrich und Heinz Westkamp die Ergebnisse 1998 in einem BWP-Artikel vor. 22 Jahre später wagt die BWP im Interview mit einem der drei Autoren den Blick zurück, aber auch in die Zukunft.
Strukturen und Prozesse in Wirtschaft und Gesellschaft sind ständigen technologischen Veränderungen und Entwicklungen unterworfen. Allerdings ist nicht klar, wo genau die Ursachen für diese Veränderungen liegen und wer sie antreibt. Auch auf die Frage, welche langfristigen Wirkungen zu erwarten sind, gibt es keine eindeutige Antwort. In Interviews mit zwölf internationalen Theoretikerinnen und Theoretikern unterschiedlicher Denkrichtungen über die Verknüpfungen von technologischer und gesellschaftlicher Entwicklung soll eine Debatte zur Beantwortung dieser Fragen eröffnet werden.
Mit der zunehmenden Anzahl unbesetzter Ausbildungsplätze hat sich die Forderung nach mehr Durchlässigkeit im Bildungssystem auf die Frage ausgeweitet, wie sich Studienaussteiger/-innen für eine duale Ausbildung gewinnen lassen. Hierfür sind Erkenntnisse über die Interessenlage und mögliche Vorbehalte aufseiten von Betrieben und Studienaussteigerinnen und -aussteigern hilfreich. Der Beitrag nähert sich diesen auf Grundlage einer Expertenbefragung an.
Für international agierende Unternehmen nimmt das Thema der Fachkräftequalifizierung weltweit an Bedeutung zu. In diesem Kontext wird die Übertragbarkeit des deutschen dualen Berufsbildungssystems in andere Länder kontrovers diskutiert. Der Beitrag setzt sich mit der Frage auseinander, inwieweit die Auslandsstandorte deutscher Unternehmen dem deutschen Qualifizierungsmuster folgen. Auf der Grundlage des theoretischen Zugangs der internationalen Unternehmensführung werden mittels Expertenbefragungen exemplarisch deutsche Niederlassungen in den Ländern China und USA auf ihre Ausbildungsstrategien hin untersucht. Die Befunde zeigen, dass die Qualifizierungspraktiken der Gastländer in den deutschen Niederlassungen dominieren.
Die Zahl der zum 30.09. unbesetzten Ausbildungsstellen hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht und ist laut BIBB Datenreport 2013 zwischen 2005 und 2012 von 12.600 auf 33.300 gestiegen. Um diesem Trend zu begegnen und mehr junge Menschen für eine duale Berufsausbildung zu gewinnen, haben sich Bundesregierung und Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft 2010 darauf verständigt, den „Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs“ zu verlängern und weitere Anstrengungen zur Imageförderung der dualen Berufsausbildung zu unternehmen. Der Beitrag geht der Frage nach, welche Wirkung diese Maßnahmen entfalten können.
Dieser Beitrag beleuchtet die betrieblichen Handlungsmöglichkeiten zur Deckung des Qualifikationsbedarfs mit besonderer Berücksichtigung der betrieblichen Aus- und Weiterbildung. Es werden Teilergebnisse aus einer Expertenbefragung vorgestellt, die gegenwärtige Annahmen zu Akademisierungstendenzen in den Betrieben, zu Konkurrenzen zwischen beruflich und hochschulisch ausgebildeten Fachkräften und einem Bedeutungsverlust beruflich-betrieblicher Bildung kritisch beleuchten. Sie zeigen, dass Betriebe verstärkt auf interne Rekrutierungsmuster setzen und verschiedene Initiativen entwickeln, die Vorteile der betrieblichen Kompetenzentwicklung mit akademischem Wissenserwerb verknüpfen. Statt breitflächiger Akademisierung setzen Betriebe auf Belegschaften mit vielfältigem Bildungshintergrund.
Angesichts der Probleme vieler Jugendlicher beim Übergang Schule - Berufsausbildung wird diskutiert, wie sich das Ausbildungssystem gegenüber den Jugendlichen stärker öffnen kann. Im Rahmen eines Expertenmonitors nahmen Ende 2010 rund 500 Fachleute zu verschiedenen Reformvorschlägen Stellung. Ihre Einschätzungen werden in diesem Beitrag vorgestellt. Demnach sind in Deutschland nur jene Konzepte konsensfähig, welche die bestehenden Zugangsregeln in die Berufsausbildung unberührt lassen. Reformen, die die betriebliche Entscheidungsautonomie bei der Lehrstellenbesetzung einschränken, haben somit kaum eine Realisierungschance. Breite Zustimmung finden dagegen Neuerungen des Übergangssystems und intensivierte Unterstützungsmaßnahmen für Betriebe und Jugendliche.
Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) gab eine Delphi-Studie (eine auf die Zukunft ausgerichtete Expertenbefragung) in Auftrag, die sich mit der Zukunft des deutschen Bildungssystems bis zum Jahre 2020 beschäftigte. Untersucht wurden die Auswirkungen der Wissensgesellschaft auf die Bildungsprozesse und -strukturen. Zum einen wurden die Experten befragt, was die Bildungssysteme ihrer Ansicht nach in Zukunft leisten sollten, zum anderen sollten sie einschätzen, wie sich die Bildungssysteme wahrscheinlich entwickeln werden. Der Beitrag stellt die Ergebnisse des Bildungs-Delphi 1997/98 zum Bereich der beruflichen Bildung dar. Dem Urteil der Experten zufolge besteht im Bildungssystem Veränderungsbedarf, wobei dem Hochschul- und allgemeinbildenden Schulsystem ein höherer Reformbedarf attestiert wird. Im Bereich der beruflichen Bildung erwarten die Experten die Reform und Modernisierung der Berufsschulbildung, die Differenzierung der beruflichen Erstausbildung (zweijährige und überwiegend praktische Bildungsgänge, Zusatzqualifikationen), die Tertiarisierung der dualen Ausbildung (höherer Anteil von Absolventen der Berufs- und Wirtschaftsakademien), eine enge Verzahnung von Aus- und Weiterbildung, die Medialisierung und die Internationalisierung der beruflichen Bildung (wie z.B. neue international anerkannte Abschlüsse). Zweifel hegen die Experten in bezug auf Fortschritte bei der Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung und der verbesserten Förderung von Benachteiligten und Behinderten. Übersichten stellen die überwiegend erwünschten und zugleich erwarteten Entwicklungen dar sowie erwünschte Entwicklungen, die aber nur von einer Minderheit der Experten auch erwartet werden.
Der Technikeinsatz in Wirtschaft und Gesellschaft ist einer der Hauptfaktoren des beruflichen Qualifikationsbedarfs. Der Deutsche Delphi-Bericht, der in dem Beitrag rezensiert wird, ist eine Vorausschau von Sachverständigen auf die technische Entwicklung bis etwa 2020. Im Mittelpunkt der Besprechung steht die Frage, ob die Delphi-Studie eine Hilfe für das Erkennen technikinduzierter Problemlagen in der Berufsbildungsforschung sein kann. Der Beitrag kommt zu dem Schluß, daß eine direkte inhaltliche Nutzanwendung des Delphi-Berichtes für Folgeanalysen in der Qualifikationsforschung gering ist. Dennoch können seine richtungweisenden Ergebnisse und ihre Folgen für die berufliche Qualifizierung von Bedeutung sein. Das Bundesinstitut für Berufsbildung müßte nun Expertenbefragungen in allen Technikfeldern durchführen, die von Relevanz für die zukünftigen Qualifikationsanforderungen sind und dabei neue Merkmale der zukünftigen Arbeits- und Berufswelt feststellen. Eine weitere indirekte Nutzanwendung besteht in der Übernahme der Delphi-Methode auf die Forschungsplanung in der beruflichen Bildung, insbesondere zur Unterstützung der Szenario-Technik.
Im Rahmen eines Forschungsauftrages soll die curriculare Gestaltung fachpraktischer Berufsausbildung für zehn industrielle Metallberufe abgeklärt werden. Insbesondere werden Informationen erwartet über eine optimale sachliche und zeitliche Gliederung des ersten Ausbildungsjahres in der Organisationsform des kooperativen Berufsgrundbildungsjahres in Abstimmung mit der anschließenden Fachbildung. Für die bevorstehende Neuordnung der industriellen Metallberufe sind die Untersuchungsergebnisse insofern von Bedeutung, als mittels eines umfangreichen Erhebungsinstrumentariums (Inhaltsanalyse, Arbeitsanalyse, Expertenbefragung) Ausbildungsinhalte auf ihre Relevanz hinsichtlich der Anforderungen eines vom technischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Wandel geprägten Beschäftigungssystems überprüft werden.
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