Angesichts des Fachkräftemangels und einer ausgeprägten Geschlechtersegregation in IT-Berufen greift der Beitrag die zentrale Frage auf, ob durch den Einsatz von beruflichen Rollenvorbildern mehr junge Menschen, insbesondere mehr junge Frauen, für den Beruf Fachinformatiker/-in gewonnen werden können. Mit dem Angebot „Ausbildungsbotschafter“ wird ein innovativer anerkennungssensibler Berufsorientierungsansatz vorgestellt. Erste Ergebnisse aus der BIBB-TUDa-Berufsorientierungsstudie weisen darauf hin, dass berufliche Rollenvorbilder Geschlechterunterschiede in der Wahrnehmung von IT-Ausbildungsberufen reduzieren können.
In view of the shortage of skilled workers and a pronounced underrepresentation of women in IT professions in Germany, this study asks whether vocational role models can attract more young people, especially more young women, to IT professions. This study uses the example of “VET ambassadors” in Germany – a novel career orientation approach based on social identification and social approval – to study the impact of vocational role models on students’ career preferences. Initial results from the BIBB-TUDa-Career Orientation Study suggest that role models may reduce gender differences in students’ occupational knowledge, self-efficacy and career preferences for IT professions.
Regina Dionisius; Stephan Kroll; Joachim Gerd Ulrich
Kehren die jungen Frauen der dualen Berufsausbildung zunehmend den Rücken? Die Ausbildungsmarktstatistiken der letzten zehn Jahre lassen diesen Verdacht aufkommen. Denn während das Ausbildungsinteresse der jungen Männer weiter stieg, begannen von Jahr zu Jahr weniger Frauen eine betriebliche Berufsausbildung. Von 2009 bis 2018 sank die Zahl der registrierten Ausbildungsstellenbewerberinnen bereits um ein Fünftel. Der Beitrag fragt nach den Ursachen für diese auf den ersten Blick ebenso verwirrende wie auch wenig erfreuliche Entwicklung. Die Antworten sind zum Teil überraschend.
Die Beiträge im Themenschwerpunkt dieser Ausgabe stellen zentrale Modelle und Verfahren zur Kompetenzmessung in der Berufsbildung vor und beleuchten diese vor ihrem Entstehungskontext und mit Blick auf ihre Ziele. Damit will die BWP-Ausgabe Transparenz in einem komplexen Feld schaffen und Schnittstellen zu Anwendungsfeldern aufzeigen.Im Editorial betont BIBB-Präsident MANFRED KREMER, dass man um die Entwicklung valider Instrumente zur Kompetenzmessung nicht umhin kommt, wenn man Kompetenzorientierung als Leitkonzept in der Berufsbildung ernst nimmt. Er weist auf den von einer Gruppe ausgewiesener Wissenschaftler/-innen erarbeiteten Vorschlag für ein Forschungsprogramm „Kompetenzdiagnostik in der beruflichen Bildung“ hin, der dieser Ausgabe beiliegt.Im BWP-Interview erläutert der neue Parlamentarische Staatssekretär im BMBF, DR. HELGE BRAUN, die im Koalitionsvertrag vereinbarten bildungspolitischen Ziele für die kommenden vier Jahre.In der neuen Rubrik “Berufsbildung in Zahlen“ wird auf der Grundlage der aktuellen Ausbildungszahlen aufgezeigt, dass sich ein Großteil der abgeschlossenen Ausbildungsverträge auf nur wenige Berufe beschränkt und weibliche Jugendliche den Fokus noch enger ziehen als männliche.
Dargestellt werden die Erfahrungen des IHK-Bildungszentrums Dresden mit dem Girls'Day, das sich zum zweiten Mal an dieser bundesweiten Aktion beteiligt hat.
TASTE - Technik Ausprobieren STärken Entdecken - ist ein Assessment-Verfahren für junge Frauen im Übergang von der Schule in die Ausbildung, das eine mögliche Eignung für eine Ausbildung in den Berufsfeldern IT, Technik und Handwerk feststellt. TASTE fördert die Berufswahlkompetenz junger Frauen, zusätzlich können die Teilnehmerinnen den eigenen Umgang mit einer Minderheitensituation für sich ausprobieren. Das vom BMBF geförderte Verfahren verfolgt den Kompetenzansatz und bewertet Schlüsselqualifikationen in einer typisch-kritischen Situation. Nach der Entwicklungs- und Pilotphase geht es jetzt um den Transfer. Gesucht werden Bildungsträger, Schulkooperationen und Betriebe, die mit diesem Verfahren den Anteil der Mädchen in zukunftsorientierten, bisher noch frauenuntypischen Berufsfeldern erhöhen. Das Projekt wurde 2003 durch einen Sonderpreis im Rahmen des Hermann-Schmidt-Preises für innovative Berufsbildung geehrt.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) untersucht seit Jahren das Berufsbildungsverhalten von Jugendlichen, bevor sie die Schulen verlassen. Den Schwerpunkt dieser Befragungen bildet die Vorausschätzung der Ausbildungsplatznachfrage, wie sie für die berufsbildungspolitische Beurteilung der künftigen Ausbildungsstellensituation notwendig ist. In der jüngsten Befragung wurde neben diesem zentralen Thema nach der Attraktivität von verschiedenen Ausbildungsberufen gefragt. Der Beitrag konzentriert sich auf die Befragungsergebnisse der Schulabgängerinnen. Die Befunde zeigen, dass bei den weiblichen Schulabgängern der anerkannte Ausbildungsberuf im Zentrum der Bildungsabsichten steht, das Interesse an einer dualen Ausbildung aber insgesamt an dem der männlichen Jugendlichen zurückbleibt. Junge Frauen streben häufiger eine schulische Ausbildung an und nutzen diese zur beruflichen Orientierung. Das Image eines Berufes wird weniger von seinen konkreten Inhalten als von einem stabilen Wertemuster geprägt.
Der Übergang junger Frauen zwischen Schule und Schule und Ausbildung ist mit wachsenden Handlungsspielräumen und zunehmenden Risiken verbunden. Der Beitrag greift die zentrale Frage auf, welche Partizipationschancen und Perspektiven an beruflicher Bildung junge Frauen finden, und analysiert exemplarisch ihre Übergangsprozesse und die damit verbundenen Orientierungen und Strategien. Mit Blick auf die Heterogenität der heutigen Generation von Schulabgängerinnen wird auch die Frage behandelt, in welcher Weise sich entsprechende Chancen und Risiken zwischen Schulabgängerinnen aus den neuen und alten Bundesländern sowie ausländischer Herkunft unterschiedlich verteilen. Die Aussagen stützen sich auf Auswertungen bundesweiter Statistiken sowie überregionale Untersuchungen und Studien.
Der Beitrag befasst sich mit den Ursachen der Konzentration der Jugendlichen auf einzelne Ausbildungsberufe mit besonderem Blick auf die geschlechtsspezifische Konzentration und betrachtet abschliessend einige Folgen der unterschiedlichen Verteilung. Die Verteilung von Frauen und Männern auf die Berufe der dualen Berufsausbildung hängt bei den männlichen Jugendlichen in ausgeprägtem Masse von den Entwicklungen des Ausbildungsstellenmarktes ab und ist in erster Linie Ergebnis des unterschiedlichen Nachwuchsbedarfs der Wirtschaft. Für weibliche Jugendliche gilt das kaum. Ihre hohe Konzentration auf wenige Berufe ist von konjunkturellen Einflüssen weitgehend unabhängig und seit Anfang der 80er Jahre annähernd gleichgeblieben. Die Hochschulberechtigten verteilen sich im langjährigen Vergleich auf zunehmend weniger Berufe. Das Gegenteil gilt für ausländische Jugendliche, ihre Verteilung auf Berufe nähert sich der der Jugendlichen insgesamt an. Die stark abnehmende Erwerbsbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten und die den Jugendlichen damit zuwachsenden Berufswahlchancen werden die berufliche Konzentration erheblich ansteigen lassen, sofern keine Anstrengungen unternommen werden. Die Erweiterung des Berufswahlspektrums für weibliche Jugendliche wird dann unausweichlich sein.
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